+
Der Weg ins Krankenhaus: Für viele Patienten mit einem mulmigen Gefühl verbunden. 

Darmstadt

Klinikum Darmstadt: Der richtige Patient auf dem Tisch

  • schließen

Das Klinikum Darmstadt informiert über Fehleranalyse und Maßnahmen zur Kontrolle. In der Strahlentherapie ist Darmstadt Vorreiter bei der Sicherheit.

Ein „mulmiges Gefühl ist schon da, wenn man ins Krankenhaus geht“, sagt eine Patientin am Eingang zum Klinikum Darmstadt. Ein anderer Patient, auch er möchte seinen Namen nicht in der Zeitung lesen, hat schon bei Aufenthalten in verschiedenen Krankenhäusern befürchtet, dass er nicht das richtige Medikament bekomme. „Man muss immer alles kontrollieren“, lautet seine Devise. Als bei ihm eine Unterschenkelamputation bevorstand, schrieb er auf das kranke Bein „ab“ und auf das gesunde „Finger weg!“. Sicher ist sicher.

Tatsächlich ist das Verwechseln von Medikamenten der häufigste Fehler, der im Krankenhausbetrieb auftritt, wie Ruth Justus vom Qualitätsmanagement des Klinikums Darmstadt der FR sagt. Riskant sei es vor allem, wenn sich Packungen äußerlich veränderten oder ähnlich aussehende Medikamente nebeneinander gelagert würden. Weiter passierten Fehler vor allem dann, wenn Abläufe neu strukturiert würden, oder bei der Verlegung von Patienten. „Es sind deutschlandweit die gleichen Themen“, sagt Justus.

Um die Wiederholung von Fehlern oder Beinahfehlern zu vermeiden, werden alle kritischen Vorkommnisse an die bundesweite Plattform CIRS (Critical Incident Reporting System) gemeldet und anonymisiert veröffentlicht. Dadurch könne gegenseitig aus Fehlern gelernt werden, heißt es auf der CIRS-Webseite.

„Wir besprechen diese Ereignisse in interdisziplinären Gruppen“, berichtet Justus. Aus dieser „offenen Fehlerkultur“ resultieren laut Beate Marquard, Leiterin der Abteilung Medizincontrolling und Qualitätsmanagement, Sicherheitsmaßnahmen wie das 2013 am Klinikum eingeführte Patientenidentifikationsarmband, das jeder bei der Aufnahme bekommt, oder die Überprüfung, ob die Aufklärung von Patienten, etwa vor Operationen stattgefunden hat. Auch Hygienepläne und Checklisten zu Patientenauskünften gehören dazu. Besonderen Sicherheitsanforderungen unterliegt die Strahlentherapie. Fehler, die hier passieren, etwa wenn ein Krebspatient die falsche Strahlendosis bekommt oder eine Person unnötigerweise bestrahlt wird, müssen dem Regierungspräsidium gemeldet werden, wie der Direktor des Instituts für Radioonkologie und Strahlentherapie, Christian Weiß, sagt.

Medizinphysikerin Kirsten Hierholz zeigt am Klinikum Darmstadt, wie der modernen Linearbeschleuniger zur Krebstherapie funktioniert. 

Hier ist das Klinikum nach eigenen Angaben Vorreiter in puncto Patientensicherheit. Als eines der ersten Krankenhäuser Deutschlands verfügt es über einen Linearbeschleuniger, der mit einem elektronischen Patientenerkennungssystem arbeitet. Der Patient muss sich per elektronischer Karte anmelden, später wird sein Gesicht biometrisch gescannt. Passt es nicht zur Anmeldenummer wird das Personal, das vor dem abgeschirmten Raum die Monitore überwacht, informiert.

„Damit wird es unmöglich, dass der falsche Patient auf den Tisch gelegt wird“, so Weiß. Das Gerät sichert auch die millimetergenaue Lage, so dass der richtige Körperteil bestrahlt wird und schaltet ab, wenn der Patient die Lage verändert. Auch erkennt das System, wenn noch weitere Personen im Raum sind. „Ein Schutz auch für das Personal“, sagt die zuständige Medizinphysikerin Kirsten Hierholz. Bis zu 120 Patienten werden hier pro Tag an zwei Geräten behandelt. Insgesamt wurden 2018 am Klinikum 105 081 Patienten ambulant und 40 132 stationär behandelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare