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Sabina Dopczynska im ehemaligen Steinbruch in Hainstadt.
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Sabina Dopczynska im ehemaligen Steinbruch in Hainstadt.

Darmstadt

Klettern, scheitern, daraus lernen

Bergsport- und Mentaltrainerin Sabina Dopczynska bietet Kurse an. Vor zwei Jahren gründete sie ihre eigene Kletterschule: „Klettern mit Köpfchen“. Ihre Masterarbeit schrieb sie über das Scheitern im Klettern.

Die Beinmuskeln zittern. Das ist nicht gut. Nervosität? Dieser elende Sandstein bietet rundum aber auch wirklich keinen vernünftigen Griff. Fast senkrecht sind die Wände beiderseits der Innenkante, einer sogenannten Verschneidung. Die Unterarme schmerzen, sind diese Belastung nicht gewöhnt. Der linke Fuß klemmt in einem vertikalen Riss, auch nicht wirklich komfortabel, aber er trägt das Körpergewicht. Den rechten setzen wir jetzt mal auf eine fingerdicke Wölbung, vertrauen auf die Reibung von Schuh und Fels und drücken uns 30 Zentimeter weiter empor. Tatsächlich, da lässt sich die Andeutung einer Kante greifen. Neuer Standplatz, Atmung beruhigen, Brust an der Wand.

„Suuuper“, schallt es von unten, schätzungsweise fünf Stockwerke tiefer. Ja, super, von wegen. Ist doch völlig klar, dass man hier nicht hochkäme, wenn Sabina Dopczynska mit dem Sicherungsseil nicht diskret Zug von oben geben würde. Jetzt will sie zum Weiterklettern motivieren. „Die Schlüsselstelle ist auch wirklich schwierig“, ruft sie, die da vorhin mit flüssigen Bewegungen durchgestiegen ist, um die Sicherung anzubringen. Immerhin reden wir vom fünften Schwierigkeitsgrad.

Masterarbeit übers Scheitern

Klettern, das ist ganz viel Technik, nicht zu wenig Kraft und Übung, Übung, Übung. Und dann ist da noch der Kopf, der mitspielen muss, wenn man hoch droben in der Wand hängt, sei es in der Kletterhalle, sei es draußen im Fels. Für all diese Faktoren ist Sabina Dopczynska Fachfrau. Die gebürtige Saarländerin (28) klettert nicht nur seit zwölf Jahren und kann sich heute an Routen versuchen, die absoluten Könnern vorbehalten sind. Sie hat auch an ihr Studium der Sozialen Arbeit an der Hochschule Darmstadt einen Masterstudiengang der Erlebnispädagogik angehängt, ist dabei in Eberstadt sesshaft geblieben. Vor zwei Jahren gründete sie ihre eigene Kletterschule: „Klettern mit Köpfchen“. „Meine Masterarbeit habe ich über das Scheitern im Klettern geschrieben“, erzählt Dopczynska. „Wie gehe ich mit Niederlagen um, wenn etwas nicht nach Plan läuft? Man sollte Strategien für den Umgang damit entwickeln.“ Das Klettern, das nicht ohne missglückte Versuche abgeht, sei dafür bestens geeignet.

Und wie scheitert man vorteilhaft? „Sachen, die nicht auf Anhieb gelingen, sollte man als Entwicklungschance begreifen“, sagt die Kletter- und Mentaltrainerin. „Man braucht schon Fokussierung. Manche Kletterer versuchen sich jahrelang an einer Tour. Es ist wichtig, auf sich zu vertrauen. Wenn es nicht vorangeht, sollte man aber auch mal loslassen können, nicht zu verbissen herangehen. Humor und ein Augenzwinkern gehören dazu. Und: Man muss es nicht allein angehen, kann ruhig Hilfe in Anspruch nehmen.“

Steinbrüche als Lieblingsziel

Das Zwischenmenschliche ist für Sabina Dopczynska ein wichtiger Aspekt ihres Lieblingssports. „Um jeden Preis irgendwo hoch – das gibt es bei mir nicht. Ich würde mit dem Klettern aufhören, wenn ich es nicht mit tollen Menschen teilen könnte.“ Auch Kurse zum Umgang mit der Sturzangst bietet die Kletterschul-Betreiberin an, ebenso therapeutisches Klettern und Trampolin-Workshops gegen „innere Blockaden, gehemmtes Verhalten, lähmende Kopfspiralen“.

Mit ihren Kletterschülern geht die 28-Jährige gern in alte Sandstein-Steinbrüche in der Region. Die eingangs beschriebene Route ist die „Große Verschneidung“ in Hainstadt im Odenwald. „Mir liegt daran, die Leute rauszubringen“, sagt sie. Dabei hat sie auch ihren Frieden mit Kletterhallen gemacht, die sie zunächst ablehnte. „2008 habe ich die Halle für mich entdeckt, beim Deutschland-Cup in Darmstadt. Ich war hin und weg von der Art der Bewegungen – so geschmeidig, leicht und fluffig.“ Draußen jedoch kommt das Naturerlebnis hinzu. Und so mahnt sie auch am Ende der Kletterroute: Nicht gleich wieder abseilen – erst einmal die Aussicht genießen! (bad)

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