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Kleinster Zoo Hessens in Not

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Kleines Pfungstädter Känguru
Kleines Pfungstädter Känguru © günther jockel

Jetzt wird schon das Futter knapp. Der kleine Pfungstädter Tiergarten auf dem Mühlberg streitet mit der Stadt um Zuschüsse.

Es fehlt an Geld und vor allem an Arbeitskraft, um die 192 Tiere langfristig weiterhin an dem Standort halten zu können. Auch die Bausubstanz der Käfige für die rund 50 Tierarten ist inzwischen marode, wie Tiergartenchef Dietmar Nold erläutert.

„Hier stecken über 20 Jahre Herzblut drin, aber wir kommen nicht vorwärts“, sagt Nold. Er ist sauer auf die Stadt Pfungstadt und fühlt sich alleingelassen, teilweise gar behindert in seiner ehrenamtlichen Arbeit. „Wenn der Tierpark in Pfungstadt nicht gewollt ist, sollen die Verantwortlichen es sagen, dann machen wir – mit einem gewissen Vorlauf – Schluss“, sagt Nold ernst.

Es geht dabei um vergleichsweise wenig Geld: um einen Futterkostenzuschuss in Höhe von 3500 Euro, den die Stadt bisher jährlich an den Tiergarten gezahlt hat. Doch 2009 und 2010 blieb der Zuschuss aus, stattdessen wurden bei Nold Rechnungsprüfer des Darmstadt-Dieburger Revisionsamtes vorstellig.

Der Zuschuss werde jedoch für die Versorgung der Tiere benötigt: Zwischen 300 und 500 Euro sind laut Nold pro Monat nötig, um etwa Kraftfutter zuzukaufen. „Grünfutter bekommen wir als Spenden von Lebensmittelmärkten, aber das reicht für eine professionelle Ernährung unserer Tiere allein nicht aus.“

Mängel in der Buchhaltung

Bürgermeister Horst Baier (SPD) erklärt dazu: „Nold hatte uns für die Jahre 2006 bis 2008 keine Bilanzen vorgelegt. Von uns gibt es erst wieder Geld, wenn alles ordnungsgemäß belegt ist.“ Die Prüfer hätten bei der Revision Mängel festgestellt. Unter anderem fehle ein Kassenbuch, das die tagesaktuellen Einnahmen verzeichnet. Nold habe die Einnahmen nur monatlich nachgewiesen.

Der Tiergartenleiter dagegen gibt an, inzwischen Bilanzen nachgeliefert und gegenüber der Stadt zum Revisionsbericht Stellung genommen zu haben. Noch immer warte er aber auf die Futterkostenzuschüsse.

Hauptberuflich arbeitet Nold als Tierpfleger im Heidelberger Zoo, den Pfungstädter Tiergarten versorgt er mit seiner Frau Heike in seiner Freizeit. „Wir hatten in den vergangenen drei Jahren eine Auszubildende, die uns unterstützt hat, aber die hat nun ihren Abschluss gemacht“, berichtet er. Der Ausbildungsplatz wurde von der Stadt mit 5000 Euro pro Jahr bezuschusst. „Doch auch damit gab es Probleme. 2008 sollten je Halbjahr 2500 Euro gezahlt werden, die aber erst 2009 nachgezahlt wurden“, berichtet Nold. Die verzögerte Auszahlung habe die Stadt mit Verwaltungsproblemen entschuldigt. Der Tiergartenverein habe daraufhin seine Reserven angreifen müssen, um das Lehrlingsgehalt in voller Höhe auszahlen zu können.

„Wenn Nold wieder eine Auszubildende einstellt, werden wir auch wieder zahlen“, sagt dazu der Bürgermeister. „Sofern der Tierpark ordnungsgemäß läuft, steht die Stadt positiv dazu.“ Ein Dorn im Auge ist Baier jedoch der Leerstand der angegliederten Gastronomie: „Der Tiergartenverein könnte zur Brauerei gehen und um Hilfe bei der Pächtersuche bitten.“

Doch die Nolds haben bisher schlechte Erfahrungen mit Pächtern gemacht: „Abends wurde teilweise so laut gefeiert, dass die Tiere scheu gemacht wurden. Das geht nicht.“

Dass sich Gastronomie und Tierpark nicht vertragen, kreidet Baier wiederum Nold an: „Das war früher ein Vogelpark, er hat einen Tierpark daraus gemacht. Wenn ich ein Känguruh sehen will, gehe ich ins Vivarium.“ ( det)

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