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Kita selbst gemacht

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Garderobe im Kindergarten.
Garderobe im Kindergarten. © Michael Schick

Eltern wünschen sich nicht nur genügend Plätze für ihren Nachwuchs, sondern schätzen auch die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen auf Konzept und Struktur des Kindergartens oder des Hortes. Viele gründen deshalb freie Einrichtungen.

Fabian ist zwar erst zarte zehn Monate alt, aber seine Eltern halten schon jetzt Ausschau nach einem Kindergartenplatz für ihn. Jetzt schon? „Man muss relativ früh anfangen“, sagt Fabians Mutter Pia Lutz. Oft seien die Plätze schon bis 2012 vergeben.

Es ist ein dynamisches Gebilde, das sich da am Sonntagvormittag im Erdgeschoss der Centralstation in Darmstadt ausbreitet. Kinder basteln in einer Ecke mit bunten Papierbögen oder laufen zwischen dekorierten Ständen herum. Dort unterhalten sich Mütter und Väter, die einen Betreuungsplatz suchen, mit Müttern und Vätern, die Betreuungsplätze anbieten. Beim Tag der freien Träger stellen sich rund 30 selbst organisierte Krabbelgruppen, Kindergärten, Horte und Schulen vor.

Seit 1993 sind die meisten von ihnen im Dachverband Das Kind zusammengeschlossen, dem heute 23 Einrichtungen angehören. Der Verband soll „die Interessen der Einrichtungen gegenüber der Stadt vertreten“, sagt Frank Born vom Vorstand. Außerdem werden Fortbildungen angeboten. „Die Stadt ist froh, dass sie nicht mit jedem verhandeln muss“, ergänzt Vorstandskollegin Uschi Plötz, „und wir bündeln unsere Kräfte und sind dadurch etwas stärker.“

Ringen um Finanzsicherheit

So habe man erreicht, dass der städtische Zuschuss von 60 auf 75 Prozent der Betriebskosten für jeden Träger erhöht wurde. Und mit der Stadt einen Vertrag ausgehandelt, der unter anderem die Zuschüsse festschreibt und somit erstmals Finanzsicherheit schafft. „Davor mussten die Einrichtungen von Jahr zu Jahr um ihre Finanzierung bangen“, sagt Born. „Das war eine ständige Existenzangst.“ Trotz vieler Querelen, Rückschläge und Hindernisse lassen sich Eltern nicht davon abhalten, Betreuungsinitiativen zu gründen, wird beim Tag der freien Träger klar. Die „Freiheit bei den pädagogischen Konzepten“ nennt Born als Vorteil selbst organisierter Kinderbetreuung. Eltern könnten wesentlich mehr Einfluss nehmen als bei städtischen Einrichtungen.

„Wir sind flexibler als andere“, wirft Plötz ein. Sie könne mehr Ideen spinnen und auch umsetzen. So gebe es bei ihrer Einrichtung Orte für Kinder bereits seit vielen Jahren Platz-Sharing, bei dem sich mehrere Kinder einen Kita-Platz teilen. Ihre 40 Plätze würden derzeit von 63 Kindern genutzt. „Wir schaffen Entspannung auf dem Markt“, sagt sie. Denn der ist weiter angespannt – vor allem bei Krippen und noch mehr bei Horten.

Aus der Not heraus gegründet hat sich etwa die Uni-Kita. Und weil auch mehr als 20 Jahre später der Bedarf nicht gedeckt ist, wurden jüngst 20 neue Plätze geschaffen. Im Januar startet eine neue Waldkindergarten-Gruppe, die noch einige freie Plätze hat, auch bei der ebenfalls neuen Wald-Kita Kranichnest können Eltern noch hoffen.

Pia Lutz muss die ganzen Informationen, die sie geballt erhalten hat, jetzt erst mal sortieren. Ihr ist es fast ein bisschen viel, stellt sie am Ende fest. „Aber trotzdem ist es besser als zu Hause nur ein Blatt Papier in der Hand zu haben“, wirft ihre Begleiterin Heike Fischer ein. „Hier kommt man dem Thema näher.“ ( aw )
Der Dachverband Das Kind hat seinen Sitz im Mehrgenerationen-Haus in der Julius-Reiber-Straße 20-22. Mehr Infos stehen im Netz auf www.daskind.org.

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