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"Vom Erlebnis zum Bild" heißt die aktuelle Ausstellung des Vereins Archiv Kinderkunst im Design Haus auf der Mathildenhöhe.
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"Vom Erlebnis zum Bild" heißt die aktuelle Ausstellung des Vereins Archiv Kinderkunst im Design Haus auf der Mathildenhöhe.

Archiv Kinderkunst

Der kindliche Blick auf die Dinge

Farbfeuerwerke auf Pappkarton, Bettlaken oder Papier: 140 Acryl- und Wasserfarbenbilder, Zeichnungen, und Leporellos stellt der Verein Archiv Kinderkunst im Design Haus auf der Mathildenhöhe aus. Von Astrid Ludwig

Von ASTRID LUDWIG

Die Gesichter sind rot und riesengroß, die Beine lang und dünn, die Augen gelb, die Haare stehen ab wie Stacheln. Jedes Kind hält einen eckigen, kleinen Kasten in der Hand, eine Fernbedienung. Das große runde Etwas am Bildrand ist ein Fernseher. "Wir vor der Glotze" haben die vierjährigen Künstler Nicolas, Lorenzo und Marie ihr Bild genannt - ein großformatiges, kunterbuntes Werk, um das Picasso sie beneidet hätte. "Ich habe ein Leben lang gebraucht, um wieder malen zu können wie ein Kind", hat der Meister als alter Mann selbst gesagt.

Für Knut Philipps ist die Kunst aus Kinderhand etwas Einmaliges. "Kinder malen, was sie erleben. Erwachsene wollen ihnen immer das realistische Abbild aufzwingen", hat der 72-jährige Kunstpädagoge beobachtet. Die Jüngsten haben eine natürliche Kreativität beim Malen, eine ganz andere Sicht auf die Dinge.

Die Bildsprache von Kindern begeistert den Mühltaler. So sehr, dass er bereits vor 40 Jahren während eines Aufenthaltes als Lehrer in Chile begann, Bilder zu sammeln und Ausstellungen zu organisieren. Aus dem Engagement ist der Verein "Archiv Kinderkunst" entstanden. Eine Auswahl der Archivwerke sowie aktuelle Arbeiten von Kindern sind derzeit im Design Haus auf der Mathildenhöhe zu sehen.

140 klein- und großformatige Acryl- und Wasserfarbenbilder, Zeichnungen, Engelsskulpturen oder auch Leporellos hat der Verein ausgewählt. Gemalt von Kindern im Alter zwischen ein und 14 Jahren. Die reinsten Farbfeuerwerke auf Pappkarton, Bettlaken oder Papier, allesamt mit Rahmen versehen. "Unser Ziel ist, dass Kindermalerei ernst genommen wird", sagt Philipps. Und dazu gehört eben der Rahmen und ein würdiger Ort. Nicht immer nur die heimische Kühlschranktür oder das Foyer einer Bank.

1970 waren Knut und seine Frau Birgit Philipps mit einer Ausstellung südamerikanischer Kinderbilder schon einmal auf der Mathildenhöhe vertreten, im heutigen Museum Künstlerkolonie. Seither haben sie etwa 2000 Bilder für das Archiv gesammelt. Rund 70 sind nun im Design Haus ausgestellt. Darunter Motive von gestreiften Katzen, fliegende Hunden, fröhlichen Menschen und Fabelwesen. "Kinder malen gerne Märchen oder Bibelszenen. Die regen ihre Fantasie an", weiß Philipps. Wenn sie Leonardo DaVincis Abendmahl-Szene nachmalen, kommt dabei ein witziges, blaurotgelbes Gedränge bei Tisch heraus.

Philipps und sein Verein "Archiv Kinderkunst" hoffen auf die öffentliche Förderung von Malschulen. Sport, Lesen oder Musikbegabungen von Kindern würden schon heute von Politik und Kommunen unterstützt, "aber niemand fördert das Malen. Wo sieht man schon einmal Kinderkunst-Ausstellungen". Dabei zeigten Präsentationen wie im Design Haus, "was in Kindern alles drinsteckt, wenn sie gefördert werden". Verkaufen will Philipps die Bilder aber nicht. Die Vermarktung der Kinder lehnt er ab. "Kinderbilder gehören nicht auf den Kunstmarkt", sagt er.

Kinderbilder im Design Haus, bis 15. Februar, Eugen-Bracht-Weg 6, Darmstadt, Di - So 11-17 Uhr, Vortrag: "Die hundert Sprachen des Kindes", 3. Februar, 20 Uhr. Infos: 06151/3607966

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