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Hier kommt keiner rein.

Bildungsstreik in Darmstadt

In Ketten

Aus Protest gegen die Studienbedingungen haben am Montag rund 50 Studenten einen Teil der Technischen Universität Darmstadt besetzt.

Mehrere Dutzend Studenten haben am Montagmorgen den von der Technischen Universität genutzten Gebäudeflügel im Darmstädter Schloss besetzt und über mehrere Stunden komplett blockiert. Mit Ketten wurden die Glastüren verschlossen; sämtliche Lehrveranstaltungen des dort ansässigen Fachbereichs 2 (Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften) mussten abgesagt werden. Auf Druck der Universitätsleitung lockerten die Aktivisten der Protestbewegung "Bildungsstreik" gegen Mittag die Blockade, verwehrten Professoren und anderen Lehrkräften jedoch weiterhin den Zutritt zum Schloss.

Bei einem ersten Besuch in den besetzten Räumen sowie bei einer von den Protestierenden einberufenen Vollversammlung am frühen Nachmittag stellte TU-Präsident Hans Jürgen Prömel drei "unverhandelbare" Forderungen an die Besetzer: Freigabe der verschlossenen Fluchtwege aus Brandschutzgründen, freier Zugang für Mitarbeiter zu ihren Dienstzimmern sowie freier Zugang zu allen Lehrveranstaltungen. Lediglich die ersten beiden Forderungen wurden erfüllt.

Bereits am Sonntagabend hatten Aktivisten des "Komitees für freie Bildung", das den sogenannten Bildungsstreik in Darmstadt koordiniert, Schlafsäcke, Isomatten, Transparente und anderes Material im Residenzschloss deponiert. "Dieses Schloss ist besetzt" und "Lehrende! Solidarisiert Euch!", stand auf Flugblättern, die neben den schwarzgelben Bildungsstreik-Plakaten in die Glastüren gehängt wurden. Der Protest richtet sich vor allem gegen die Umsetzung des Bachelor-Master-Systems an den Hochschulen und gegen eine Ökonomisierung der Bildung. "Viele Positionen des Bildungsstreiks sehen wir genauso wie sie", sagte Prömel den Studenten.

Bei der Vollversammlung diskutierten rund 250 Studenten über Sinn und Unsinn der Schloss-Besetzung. Mehrere Anwesende nannten die Besetzung eine "absolute Frechheit": Sie wollten an Seminaren teilnehmen oder hätten Gesprächstermine mit Professoren und würden am Zugang gehindert. Dies sei das Gegenteil der geforderten freien Bildung, kritisierte ein Vertreter des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS). Eine Sprecherin des Islamischen Studentenvereins an der TU sprach den Protestierenden jede demokratische Legitimation ab, da an den Entscheidungen nur ein Bruchteil der Studenten beteiligt sei. Die überwiegende Mehrheit der anwesenden Studenten unterstützte aber Besetzung und Bildungsstreik.

Auf Nachfrage von Studenten erklärte sich Präsident Prömel bereit, Diskussionen über den Streik während der Vorlesungen und Seminare für eine Woche in der gesamten Universität zuzulassen. Wortführer der Protestierenden gaben sich damit jedoch nicht zufrieden: An einer Diskussion innerhalb der bestehenden Strukturen sei man nicht interessiert. So ging die Versammlung ohne Einigung auseinander. TU-Sprecher Jörg Feuck erklärte, vorerst seien keine "rigorosen Maßnahmen" gegen die Besetzer geplant. Der Zustand könne jedoch auf Dauer nicht akzeptiert werden. Sebastian Ankenbrand von der Studentenvertretung kündigte an, die Besetzer wollten bis auf weiteres im Schloss bleiben. (bad)

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