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Keine Hoffnung mehr für Pfungstädter Brauerei - Areal-Eigentümer erklärt harte Linie

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Von: Annette Schlegl

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Die Pfungstädter Brauerei zieht jetzt doch eine Betriebsauslagerung in Betracht – wenn sich der Eigentümer des Brauereigeländes finanziell beteiligt. Der lehnt aber jegliche Gespräche ab.

Pfungstadt - Das letzte Fünkchen Hoffnung, die Pfungstädter Brauerei könne mit einem Bürgermeister in der Vermittlerrolle noch gerettet werden, ist erloschen. Thomas Grimann, Geschäftsführer des Dossenheimer Investors Conceptaplan GmbH, machte unmissverständlich klar, dass sein Unternehmen nicht mehr gesprächsbereit ist. Conceptaplan ist gemeinsam mit der Milliardärsfamilie Hopp in einer eigens gegründeten Projektgesellschaft Eigentümer des Brauerei-Areals. Daniel Hopp, Sohn von Milliardär Dietmar Hopp, wird auf dem Brauereigelände also ein Wohnquartier namens „Stadtgärten Pfungstadt“ entstehen lassen.

Obwohl schon im Dezember das Aus für die Pfungstädter Brauerei bekanntgegeben wurde, keimte zuletzt nochmals Hoffnung auf. Anfang Januar teilte Brauereiinhaber Uwe Lauer bei einem Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden nämlich mit, man könne sich jetzt doch durchaus vorstellen, den Brauereistandort komplett zu verlegen – falls sich die Stadt und der Investor Conceptaplan als Projektpartner der Milliardärsfamilie finanziell an der Umsiedlung beteiligen.

Komplette Verlagerung der Pfungstädter Brauerei ist plötzlich kein Tabu mehr

Eine Komplettverlagerung hatte die Brauerei bisher immer ausgeschlossen, hatte bis zum Vorjahr nur eine Teilverlagerung von Betriebsteilen – wie etwa die Abfüllanlage – in Erwägung gezogen. Die komplette Auslagerung des Betriebs lehnte sie ab, weil sie am bestehenden Standort das Wasserrecht zur Förderung von Grundwasser aus Brunnen hat.

Auf dem Areal will der Investor Conceptaplan eine Wohnanlage entstehen lassen. Die Mehrheit der Stadtverordneten ist dafür.
Auf dem Areal will der Investor Conceptaplan eine Wohnanlage entstehen lassen. Die Mehrheit der Stadtverordneten ist dafür. © Michael Schick

Jetzt also die Kehrtwende, die Brauereigeschäftsführer Peter Winter gegenüber der FR unter anderem mit einem Gutachten begründet, das ein Ingenieurbüro im Vorjahr erstellt hatte. Darin hieß es, eine Teilverlagerung der Brauerei mache aus ökologischen und ökonomischen Gründen keinen Sinn. Außerdem hätten mehrere Juristen darauf hingewiesen, dass die Koexistenz von Brauereibetrieb und Wohnbebauung am bisherigen Standort wahrscheinlich nicht genehmigungsfähig sei. „Das Baurecht würde es nicht zulassen, die geplante Wohnbebauung direkt an die Brauerei zu setzen“, sagt Winter.

Bürgermeister sollte beim Investor für Idee des Besitzers der Pfungstädter Brauerei werben

Brauereibesitzer Lauer bat die Fraktionsvorsitzenden bei dem Treffen Anfang Januar um Unterstützung für die komplette Brauereiverlagerung mitsamt finanzieller Beteiligung. Diese machten ihm klar, man werde ihn bei der Suche nach geeigneten Grundstücken und bei schneller Baurechtschaffung unterstützen. Er müsse jedoch zunächst mit dem Grundstückseigentümer Conceptaplan über seine Idee sprechen. Danach könne man die Vorstellungen gemeinsam erörtern.

Der Brauereibesitzer bezweifelte allerdings, dass er beim Grundstückseigentümer mit seiner Idee Gehör finden würde. Deshalb bat er um einen „Türöffner“ – ein Job, der schließlich an Bürgermeister Patrick Koch (SPD) herangetragen wurde. Das Stadtoberhaupt biss aber beim Geschäftsführer von Conceptaplan auf Granit. Grimann habe ihm freundlich, aber auch entschlossen mitgeteilt, dass seitens des Investors keine weiteren Gespräche mit Brauereiinhaber Lauer geführt werden, schrieb Koch in einer Mitteilung an den Ältestenrat und den Magistrat.

Projektentwickler des Brauerei-Areals ist nicht mehr zu Gesprächen bereit

Gegenüber der FR erklärt Grimann seine harte Linie. Im Frühjahr 2021 habe Lauer die Gespräche mit seinem Unternehmen beendet. „Seither hat er mit der Presse gesprochen und nicht mehr mit uns“, sagt Grimann. „Er hat versucht, uns zu beschädigen.“ Ein gewisses Maß an Vertrauen brauche man im Geschäftsleben, aber Lauers Verhalten in den vergangenen zweieinhalb Jahren biete keine Grundlage dafür. Conceptaplan sehe deshalb keine Basis für eine Zusammenarbeit, die Marschrichtung sei klar, dass es mit Lauer keine Vereinbarung mehr geben wird. Zweieinhalb Jahre lang habe Lauer behauptet, dass eine Auslagerung der Brauerei nicht möglich sei, und jetzt gehe es plötzlich doch.

Glück und Segen – das allein wird nicht reichen, um die Pfungstädter Brauerei zu erhalten.
Glück und Segen – das allein wird nicht reichen, um die Pfungstädter Brauerei zu erhalten. © Michael Schick

Die Ursache für die jetzige Situation liege nicht beim Investor, sondern bei den 97 Grundbesitz-Gesellschaftern der Brauerei. Diese hatten das Gelände im Frühjahr 2020 zum Verkauf ausgeschrieben, und Conceptaplan hatte es von einem Makler erworben. „Sie wussten ganz genau, dass sie damit eine neue Brauerei bauen müssen“, sagte Grimann. „Warum man dann zweieinhalb Jahre nichts getan hat, müssen Sie Lauer fragen.“ Lauer hatte die Brauerei im Jahr 2020 aus der Insolvenz erworben. Die Brauerei habe zweieinhalb Jahre lang die Hände in den Schoß gelegt, so Grimann.

Führung der Pfungstädter Brauerei würde noch „ergebnisoffen“ diskutieren

„Wir würden gerne noch ergebnisoffen ein Gespräch führen“, sagt Brauerei-Geschäftsführer Peter Winter, „haben immer gesagt, dass wir gesprächsbereit sind“. Der Ball liege nun bei den Stadtverordneten. Wie sie sich positionieren, sei ihm nicht bekannt, so Winter. „Sie haben aber immer gesagt, dass sie eine Lösung für die Brauerei mit anstreben.“ Bei der Stadtverordnetenversammlung im Dezember lehnte die Mehrheit der Parlamentarier allerdings aus formalen Gründen ein Bürgerbegehren zum Erhalt der Brauerei ab und stimmte auch gegen eine vom Bürgermeister angeregte Bürgerbefragung. (Annette Schlegl)

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