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Keine Angst vor dem Tod

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Gemeinsamer Spaziergang im Hospiz.
Gemeinsamer Spaziergang im Hospiz. © ddp

Die Evangelische Kirche bildet ehrenamtliche Seelsorger aus.

Vier bis sechs Stunden in der Woche nimmt sich Christine Mrotzeck Zeit für andere. Die selbstständige Massage-Therapeutin hat drei Ehrenämter, vor denen mancher zurückschrecken würde: Alle haben mit Sterben und Tod zu tun.

Als Mitglied eines Darmstädter Hospizvereins besucht Mrotzeck Sterbende in Altenheimen oder Privatwohnungen. Sie unterhält sich mit ihnen und ihren Angehörigen, liest vor, hört zu, hat Zeit. Seit einem halben Jahr gehört sie außerdem zum Kreis jener Frauen, die sich für Sitzwachen am Bett von Sterbenden zur Verfügung stellen und dafür ausgebildet wurden. Auch auf der Palliativ-Station des Evangelischen Krankenhauses Elisabethenstift ist Christine Mrotzeck anzutreffen. Viele Schwerkranke, die dort schmerztherapeutisch behandelt werden, wollen über sich und ihr Leben sprechen.

Offen für den Glauben sein

Nach dem Tod von Angehörigen und Freunden wollte die 56-Jährige mehr über den Tod erfahren. Was empfinden Menschen, die wissen, dass sie nur noch wenige Tage zu leben haben? Was nehmen sie noch wahr, womit kann man ihnen eine Freude machen?

Wer sich wie Christine Mrotzeck ehrenamtlich und sozial engagieren will, kann beim Evangelischen Dekanat Darmstadt-Stadt eine Grundausbildung machen. Sie soll befähigen, die hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Gemeinden und Einrichtungen zu unterstützen. Die Ehrenamtlichen müssen nicht unbedingt christlich geprägt oder evangelisch getauft sein, dürfen aber "keine Berührungsängste vor der evangelischen Kirche haben". Das ist für Pfarrerin Eva Engler-Kniep, die die Grundausbildung koordiniert, eine wichtige Voraussetzung. Altersvorgaben gibt es nicht, in einem Vorgespräch wird geklärt, was jeder leisten will und kann. Niemand müsse sich auf ewig verpflichten und könne jederzeit in andere ehrenamtliche Felder wechseln.

Kulturarbeit in der Gemeinde

Der Grundausbildung sollen regelmäßige Fortbildungen folgen. Es geht um Gesprächsführung, Umgang mit Krisen und religiösen Erfahrungen. Die künftigen Mitarbeiter lernen, auf Menschen zuzugehen und Unsicherheiten im Umgang abzubauen. Sie sollen in den Gemeinden "ein Stück Kulturarbeit" leisten und die Atmosphäre dort mitbestimmten, keineswegs aber billige Arbeitskräfte sein, betont Engler-Kniep. Wer keine Besuchsdienste im Krankenhaus machen will, hat vielleicht Freude daran, einen Altennachmittag zu gestalten. Oder einem Kranken Gesellschaft zu leisten, der sein Haus nicht mehr verlassen kann.

Für Christine Mrotzeck sind die Ehrenämter eine "Bereicherung auf emotionaler Ebene". Die Angst vor dem eigenen Tod sei verschwunden, sie selbst gelassener und ruhiger geworden. (pyp)Beim Informationsabend am Mittwoch, 27. Januar, können Interessierte mehr über das Ehrenamt in Kirchengemeinden, Krankenhäusern und Altenheimen erfahren. Beginn ist um 19 Uhr im Offenen Haus, Rheinstraße 31.

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