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Kein Zutritt für Große

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Drei Wochen lang haben in der Rudolf-Mueller-Anlage Kinder das Sagen.
Drei Wochen lang haben in der Rudolf-Mueller-Anlage Kinder das Sagen. © Claus Völker

In der Rudolf-Mueller-Anlage ist eine große grüne Fläche mit Wiese, Bäumen und Darmbachabschnitt durch ein rotes Band abgegrenzt. Alle 20 Meter hängt daran ein Schild: "Kinder-Baustelle. Betreten für Eltern verboten."

In der Rudolf-Mueller-Anlage westlich des Großen Woogs ist eine große grüne Fläche mit Wiese, Bäumen und Darmbachabschnitt durch ein rotes Band abgegrenzt. Alle 20 Meter hängt daran ein Schild: "Kinder-Baustelle. Betreten für Eltern verboten."

Wenn in den kommenden drei Wochen in der Kinderstadt gehämmert, gesägt, gemalt und aufgebaut wird, dann sollen die Kinder unter sich bleiben. Bei der ersten Kinderstadt, 2005 in der Orangerie, waren Eltern noch zugelassen und rissen alsbald die Sache mit dem Bauen an sich. Sie kreierten einen Abenteuerspielplatz mit exakten rechten Winkeln und ordentlich geraden Wänden. "Und damit war das ganz anders gelaufen als beabsichtigt", erinnert sich Klaus Bechtold, einer der Kinderstadt-Erfinder. "Wir sehen doch die total scheppen Hüttchen gern, die entstehen, wenn Kinder mit Kindern arbeiten", ergänzt Renata Koch, Geschäftsführerin beim Verein Rotzfreches Spielmobil, der die Bauaktion organisiert.

Gestern lag vor allen Dingen vieles herum. Türen, Latten, Paletten, Stühle, Sessel, Sitzgruppen, Autoreifen, Seile, Stoffe und Fässer. Selbstverständlich gibt es auch Werkzeuge. Was gebaut wird, soll in den Köpfen der Kinder und Jugendlichen entstehen.

Gefängnis im Darmbach

Die Mitarbeiter des Spielmobils wuseln als geduldete Erwachsene auf dem Gelände nicht als Betreuer herum, sondern als Spielpartner, Organisatoren und Impulsgeber. Gelebt wird das "spielzeug-freie Spielen" (Bechtold), das soziale Spielen, das Erlebnisspielen im Freien. Die Kinderstadt in Darmstadt sei ein Unikat, sagt Bechtold. Zwar gebe es vom Titel her noch einige andere Kinderstädte in der Republik, "aber dort wird im wesentlichen die große Stadt der Erwachsenen nachgebaut und nachgespielt, mit Rathaus und Arbeitsamt und so fort." Eine solche Simulation der Erwachsenenwelt aber wolle man in Darmstadt gerade nicht.

Die Eröffnung der Kinderstadt war gleichzeitig die Eröffnung der Darmstädter Ferienspiele. Ein Zauberer unterhielt die ersten Kinder, als Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) zur Eröffnung schritt. Aus dem Rezeptbuch "Wie man in fünf Minuten Bonbons zubereitet", soll er auf Geheiß des Zauberers vorlesen. Klare Sache: Zucker, Zaubersalz, Ketchup, Spucke, Aroma, Gewürze, Papier, dann alles anzünden und Deckel auf den Topf. Gesagt, getan: Die Bonbons waren da. Erzaubert. Die Kindermünder stehen kurz staunend offen. Dann kommen Bonbons hinein.

In ihrer Stadt bauen die Kinder keinesfalls nur Häuser, betont Renata Koch. "In den vergangenen Jahren gab es auch Raketen, Fahrzeuge oder Brücken über den Darmbach, ein funktionierendes Café und sogar ein Gefängnis." Es entstand im steinbefestigten Bachbett des Darmbaches: Der Gefangene sollte ständig nasse Füße haben.

Der Alltag für die Betreuer mündet in einen Zwölf- bis Dreizehnstundentag. "So etwa von 7 bis 20 sind wir da", sagt Diplom-Sozialpädagogin Stefanie Feile. "Und dann kommt vielleicht noch eine spontane Sperrmüll-Suchfahrt in der Nacht dazu", fügt sie an. An Material soll es in der Kinderstadt nicht fehlen. (phg)

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