1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Kein Platz im Wohnheim

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Das schwarze Brett ist immer voll mit Wohnungsgesuchen.
Das schwarze Brett ist immer voll mit Wohnungsgesuchen. © Roman Grösser

Wohnraum in Darmstadt ist knapp. Das bekommen auch die Studierenden zu spüren. Zimmer für Studierende sind rar und teuer und die Zweitwohnungssteuer sorgt für eine weitere Belastung.

Der Hinweis auf der Internetseite des Studentenwerks Darmstadt spricht Bände: „Unser Aufnahmeantrag ist wegen der anhaltenden Vollbelegung in unseren Wohnanlagen und langer Wartelisten bis auf Weiteres abgeschaltet. Erst wenn die Zimmersituation dies zulässt, können wir den Antrag wieder verfügbar machen.“ Wohnraum in Darmstadt ist knapp. Das bekommen auch die Studierenden zu spüren.

Bis zu einem Jahr beträgt die Wartezeit für ein Zimmer in einem Wohnheim. Laut Studentenwerk gibt es derzeit 2454 Plätze in den Wohnlagen. Die Wohnformen reichen von der günstigen Flurgemeinschaft ab 176 Euro Warmmiete bis zu Einzimmerappartements für 290 Euro.

Doch dafür können sich die Studierenden derzeit nicht mehr bewerben. Es bleibt nur die Suche nach privater Unterkunft, und die erweist sich nicht nur als schwierig, sondern auch als kostspielig. Das hat auch Carina Mayer, Studentin an der Hochschule Darmstadt, erfahren. Nach langem Suchen hat sie eine Wohnung von privat gefunden. „Die ist aber ziemlich teuer“, sagt sie. Selbst ein Platz in einer Wohngemeinschaft ist kaum zu bekommen: Student Bernd Hartung berichtet von „mindestens 20 Mitbewerbern“ für ein WG-Zimmer.

Seit diesem Jahr kommt eine weitere finanzielle Belastung hinzu: Die Zweitwohnungssteuer. Derzeit haben rund 14?000 Studierende ihren Zweitwohnsitz in Darmstadt gemeldet. Zehn Prozent ihrer Nettokaltmiete müssen sie an die Stadt zahlen.

Viele melden sich gar nicht an

Aber was spricht eigentlich gegen die Meldung des Erstwohnsitzes am Studienort? Oft geht es um Vergünstigungen, etwa dann, wenn die Studierenden noch bei ihren Eltern mitversichert sind. Bei manchen Versicherungsanbietern fallen die Kinder aus der Haftpflichtversicherung der Familie oder dem Rechtsschutz, wenn sie einen eigenen Haushalt führen. Weitere Kosten können durch das Ummelden eines Autos und ein neues Kennzeichen entstehen. Da helfen auch die 100 Euro Begrüßungsgeld, die die Stadt für die Meldung des Erstwohnsitzes in Darmstadt verspricht, nicht viel. Um die Zweitwohnsitzsteuer zu umgehen, melden sich manche Studenten gar nicht in Darmstadt an, oder sie pendeln aus den umliegenden Städten.

Mancher Student sieht die Kommunalpolitiker in der Pflicht. Vom Ausgang der Kommunalwahlen erhofft sich Bernd Hartung, dass mehr Wohnraum geschaffen wird. „Es sollte halt trotzdem citynah sein“, sagt er. Abhilfe beim Wohnproblem könnte die Umwandlung der ehemaligen Kasernen-Flächen zu Wohnraum schaffen. Auch das ehemalige Gelände des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft würde sich zur Wohnbebauung eignen.

Carina Mayer will am Sonntag auf jeden Fall wieder wählen gehen. Sie bezweifelt aber, dass die Wohnsituation der Studenten auf der Agenda der Politiker steht. (ers)

Auch interessant

Kommentare