1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Kein Platz für Rollstühle

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Hier kommt ein Rollstuhl gerade noch vorbei, aber häufig ist noch weniger Platz.
Hier kommt ein Rollstuhl gerade noch vorbei, aber häufig ist noch weniger Platz. © Heinrich Schreiber

Rücksichtslose Parker ärgern Bürger und Verantwortliche der Stadt. Die Behindertenparkplätze werden von nicht Behinderten genutzt. Außerdem wird so auf Bürgersteigen geparkt, dass mit dem Rollstuhl kein Durchkommen mehr ist.

"Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass Behinderten-Parkplätze unberechtigt benutzt werden“, beschwert sich Hans May, der mit seiner Frau in der Rüsselsheimer Jakob-Sittmann-Straße wohnt. Diese Ignoranz von Autofahrern bedeute für ihn eine große zusätzliche Belastung, da er beim Ein- und Aussteigen für seine behinderte Frau die Beifahrertür bis zum Anschlag öffnen müsse. Und das sei eben nur auf einem ausreichend breiten Behindertenplatz möglich.

Was ihm aufgefallen ist: Besonders häufig sind die Parksünder vor dem Rewe-Markt in der Adam-Opel-Straße und am Rewe-Center in Raunheim anzutreffen. Wiederholt sei es ihm passiert, dass alle reservierten Flächen zugestellt waren. „Dann können wir dort nicht einkaufen und müssen wieder nach Hause fahren.“

Von ihrer Wohnung in der Jakob-Sittmann-Straße aus haben es Mays nicht weit bis in die Innenstadt. Der kurze Weg wird ihnen vergällt durch ein weiteres, stadtweit verbreitetes Ärgernis: „Immer wieder passiert es uns, dass in der Mainzer Straße Autos so weit auf dem Bürgersteig stehen, dass wir nicht vorbeikommen und auf die sehr stark befahrene Straße ausweichen müssen.“ Das, so der Kritiker, betreffe nicht nur ihn mit Rollstuhl und Frau, sondern auch junge Leute, die mit dem Kinderwagen unterwegs sind sowie jene älteren Menschen, die auf einen Rollator angewiesen seien. Nicht nur, aber überwiegend an Samstagen sei darüber hinaus zu beobachten, dass Falschparker selbst ein eingeschränktes Halteverbot missachten.

„Menschen mit Behinderungen haben sowieso schon große Probleme; müssen ihnen durch ein solch rücksichtsloses Verhalten noch zusätzliche Probleme bereitet werden?“, fragt Hans May ratlos. Er appelliert an Stadt und Polizei, mit häufigeren Kontrollen gegen die Sünder vorzugehen. „Damit ist nämlich gutes Geld für die Stadtkasse zu verdienen.“

Appell an die Vernunft

Mit dem Hilferuf in Richtung Rathaus rennt der Kritiker anscheinend offene Türen ein. Denn nach einer Rückfrage bei der Stadt wird darauf hingewiesen, dass die Mainzer Straße fest im Kontrollplan der Verkehrsüberwachung enthalten ist. Sie werde täglich zwei Mal kontrolliert, auch samstags. Die neue Stadtpolizei kontrolliere zusätzlich und könne obendrein flexibel, auch nach telefonischem Hinweis, schnell reagieren. „Falschparker werden gebührenpflichtig verwarnt“, betont die Leiterin der städtischen Pressestelle, Gabriele Wacker.

Unzulässiges Parken auf dem Gehweg, so informiert die Stadt Rüsselsheim in diesem Zusammenhang weiter, wird, sofern keine Behinderung vorliegt, mit einem Bußgeld von 20 Euro geahndet. Misst die Restgehbreite weniger als 90 Zentimeter, liegt eine Behinderung vor, die 30 Euro kostet. Und 35 Euro muss berappen, wer unzulässig auf öffentlichen besonders gekennzeichneten Behinderten-Parkplätzen parkt.

Machtlos hingegen ist die Ordnungsbehörde auf zwar öffentlich zugänglichen, jedoch zu einem Geschäfts- oder Gewerbebetrieb gehörenden Parkplätzen. Die sind privatrechtlicher Natur. Deshalb gilt dort das jeweilige Hausrecht des Betreibers oder Eigentümers. Folglich ist für den Rewe-Parkplatz die Rewe-Geschäftsleitung zuständig. Dort, resigniert Hans May, hilft also nur der Appell an die Vernunft – „sofern eine solche vorhanden ist“. (eda)

Auch interessant

Kommentare