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Kein Heim, aber eine Heimat

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Viel Lebensqualität für seine Bewohner bietet der Inselhof.
Viel Lebensqualität für seine Bewohner bietet der Inselhof. © Susanne Rapp

Der Inselhof kümmert sich seit 25 Jahren um Menschen mit Behinderung.

Von Anfang an war klar, so Leiterin Erika Deuschel, dass der Rüsselsheimer Inselhof weder ein Heim noch eine Psychiatrie sein würde. Noch vor Baubeginn 1986 wurden die Nachbarn darüber informiert, dass eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung entstehe und von den künftigen Bewohnern keine Gefahr ausgehe. Durch das Gespräch konnten Vorurteile weitgehend abgebaut werden, erinnert sich Deuschel. Spätestens nachdem die ersten Bewohner vor nun 25 Jahren eingezogen waren, gingen die Ängste dann völlig verloren.

Der Komplex aus drei Wohngebäuden und einem Verwaltungstrakt hat im Zentrum einen großen Wohnhof, der einem spanischen Patio ähnelt. Die Konzeption des Architekten machte von Anfang an deutlich, dass es sich um eine offene Wohnanlage, nicht um ein geschlossenes Heim handelt. Der Innenhof ermöglicht zwanglose Bewegung und Begegnung, die Wohnhäuser unterstützen ein Zusammenleben.

Seinen Namen bekam der Inselhof durch diesen Hof im Zentrum und die Tatsache, dass sich die Einrichtung wie eine Insel in den weitgehend noch unbebauten Blauen See einfügte. Die drei Wohnhäuser sind nach den Bodensee-Inseln Mainau und Reichenau sowie nach der Bodensee-Stadt Lindau benannt.

Selbstständiger werden

Das Wohnen im Inselhof fördert die Selbstständigkeit der Bewohner. „Die Menschen bekommen so viel Hilfe wie möglich, doch nur so viel wie nötig“, erklärt Erika Deuschel, die als Südpfälzerin 1975 nach Königstädten zog und von Anfang an den Inselhof leitete. Es sind kleine Dinge, wie sich selbst die Zähne putzen, sich sein Brot schmieren oder auch in der Küche mithelfen. Dinge, die den Bewohnern früher abgenommen wurden und für die sie sich nie verantwortlich fühlten. Je nach Grad der Behinderung wird die Selbstständigkeit regelrecht trainiert. Es gibt das Angebot, alle 14 Tage nach Hause zu fahren. Das werde jedoch selten genutzt, da die Bewohner sich der Wohngruppe zugehörig fühlen und den Inselhof als Zuhause ansehen.

Die Rundumbetreuung, wie sie vor 25 Jahren noch üblich war, hat sich stark verändert. Viele der 40 Bewohner verlassen nach Rücksprache die Wohnanlage, gehen spazieren oder erledigen kleine Einkäufe im nahegelegenen Supermarkt. Auch die Freizeitgestaltung funktioniert heute viel individueller. Angebote werden gemacht, sind aber nicht verpflichtend. Ebenso veränderte sich die Gestaltung der Wohnbereiche in den vergangenen 25 Jahren. Was zuvor fast steril wirkte, bekommt nun eine wohnliche Atmosphäre, da die Bewohner ihr Umfeld mitgestalten.

Förderverein seit 2008

Eine Sport-, eine Sing- und eine Tanzgruppe gibt es bereits seit 1989. Auch eine Bastelgruppe speziell für die älteren Bewohner entstand. 2008 gründete sich ein Förderverein, der mit verschiedenen Aktivitäten, wie etwa dem Sommercafé, Geld sammelt, um das Freizeitangebot der Bewohner zu erweitern.

Der Inselhof plant eine Erweiterung für stationär begleitetes und betreutes Wohnen. Hierzu wurde bereits eine angrenzende Immobilie erworben. Nach Fertigstellung, die in diesem Jahr geplant ist, kann der Inselhof sechs bis acht weitere Wohnplätze anbieten.

Die Jubiläumsfeier beginnt am 25. Mai um 14 Uhr mit einer ökumenischen Andacht im Inselhof. Es treten viele befreundete Vereine auf, die dem Inselhof bereits seit Jahren verbunden sind. (sura.)

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