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Kein Geld vor Mai

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Ohne Zuschüsse muss der RSC Darmstadt womöglich Abteilungen schließen.
Ohne Zuschüsse muss der RSC Darmstadt womöglich Abteilungen schließen. © Peter Henrich

Die Vorschüsse der Stadt fehlen: Die Haushaltsmisere bringt die Darmstädter Sport- und Kulturvereine an ihre Grenzen.

Die Eissporthalle ist das Revier des Roll- und Schlittschuh-Clubs Darmstadt (RSC). Von Oktober bis März trainieren täglich die Eishockeyteams am Bürgerpark. Angesichts der Finanzlage der Stadt ist Vorsitzender Franz Gehrisch aber skeptisch, ob er den Betrieb halten kann. Wenn die Zuschüsse der Stadt länger ausbleiben, muss der Vereinschef über die Auflösung von Abteilungen nachdenken. Ohne städtisches Geld stecken die Vereine in der Klemme. "Wie die Wirtschaftskrise Betriebe kostet, wird die Finanzkrise der Stadt Vereine kosten", lautet Gehrischs Prognose.

Förderung ist freiwillig

Auf Drängen des Regierungspräsidenten hatte der Magistrat seinen Haushaltsentwurf zurückziehen müssen. Die Folge: Kämmerer und Sportdezernent Wolfgang Glenz (SPD) darf keine freiwilligen Leistungen auszahlen. Dazu gehören die Zuschüsse an Vereine - sporttreibende wie kulturschaffende. Da hilft es nicht, wenn der Vorsitzende vom Sportkreis Darmstadt, Harry Distelmann, auf die Betreuung von 12 000 Jugendlichen hinweist. Das Regierungspräsidium lässt keine Ausnahme zu.

Im Gegensatz zur Kinderbetreuung sei die Sportförderung keine einklagbare Pflichtaufgabe der Stadt. Gehrisch und seine Kollegen müssen warten, bis der Etat verabschiedet ist - und hoffen, dass darin ausreichend Geld bereitgestellt wird. Zwar war auch zu Beginn der vergangenen Jahre selten ein Etat vom Regierungspräsidenten genehmigt. Aber die Stadtverordneten hatten das Zahlenwerk verabschiedet. "Deshalb waren Abschlagszahlungen möglich", erklärt Glenz das Verfahren. Jetzt wird es einen Beschluss wohl frühestens im Mai geben.

So lange können nicht einmal die großen Vereine warten. Gerade zu Beginn des Jahres sei Geld notwendig, sagt Malte Krönke von der TG 75 Darmstadt: "Dann kommen die Rechnungen von den Versicherungen." Vereine mit eigenen Anlagen trifft der ausbleibende Zahlungseingang besonders. Darmstadts größter Verein, die SG Arheilgen mit mehr als 4000 Mitgliedern, kann nach Angaben vom Vorsitzenden Thomas Arnold drei Monate überbrücken. Allein die Fernwärme koste 120 000 Euro im Jahr.

Bei den kulturschaffenden Vereinen ist die Lage ähnlich. Das Kulturzentrum Bessunger Knabenschule sieht Geschäftsführer Bernd Breitwieser schon jetzt am Limit. Wenn der Zuschuss sinke oder länger ausbleibe, verschärfe sich die Situation. "Wir müssen Gehälter zahlen", sagt er. Sieben Beschäftigte gibt es dort. 60 Prozent der Kosten werden nach Angaben Breitwiesers über Vermietungen abgedeckt. Sparmöglichkeiten sieht er nicht: "Mehr Effizienz ist nicht zu schaffen."

Ähnlich ist die Lage im Theater Mollerhaus. "Wir hatten eigentlich gehofft, mehr Geld zu bekommen", sagt Reiner Bauer. Er geht davon aus, dass das Geld fließt. Bernd Breitwieser von der Knabenschule ist skeptischer: "Schließung ist das letzte Mittel." (rf)

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