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Das Wasser im Erlensee in Bickenbach ist ausgezeichnet.
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Das Wasser im Erlensee in Bickenbach ist ausgezeichnet.

Hessen

Keime in Seen sorgen für Verunsicherung

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
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Die Angst vor Keimen im Wasser, die gegen Antibiotika resistent sind, verunsichert auch Badegäste. Ein Forscher will die Bakterien aus dem Wasser filtern.

Die Verbreitung von multiresistenten Keimen (MRE) in Frankfurter Gewässern sorgt auch in der Region, wo es zahlreiche Badeseen gibt, für Verunsicherung. Die Belastung mit den Erregern, die gegen Antibiotika resistent sind, wurde vergangenen Herbst in Frankfurt festgestellt, als das dortige Gesundheitsamt erstmals Proben auf multiresistente Keime untersuchte.

Trotz dieses alarmierenden Befunds werden in Hessen die Gewässer weiterhin nicht flächendeckend auf MRE getestet. „Die Badegewässerverordnung legt fest, dass nur zwei Indikatorkeime analysiert werden“, sagt Eugen Thielen, Abteilungsleiter Wasser beim Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie.

Dabei werde das Ausmaß der fäkalen Verunreinigung durch den Nachweis ausgewählter Darmbakterien, nämlich Escherichia coli und intestinale Enterokokken, festgestellt. Thiele verweist dabei auf eine Richtlinie des Umweltbundesamtes. 

Dieses schreibt auf seiner Internetseite: „Je schlechter die hygienische Wasserqualität, desto höher ist die fäkale Belastung des Badegewässers und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Krankheitserreger und auch antibiotikaresistente Bakterien vorkommen.“ Deshalb sei beim Schwimmen in Badegewässern mit ausgezeichneter oder guter Qualität ein Kontakt mit Bakterien mit erworbener Antibiotikaresistenz unwahrscheinlich, heißt es weiter. Diese gute Qualität bescheinigt das Landesamt den Badeseen in der Region fast ausnahmslos. Die Seen werden regelmäßig im Auftrag ihrer Betreiber untersucht.

Auch in Darmstadt und dem Kreis Groß-Gerau stützt man sich auf diese Verordnung und prüft nur auf besagte Keime. „Das Thema Gewässerqualität spielt eine große Rolle“, sagt Darmstadts Pressesprecher Klaus Honold auf FR-Anfrage. Aber der Prüfkatalog sei festgelegt. Auch im vergangenen Sommer habe es bei Kontrollen keine Hinweise gegeben, die „uns in diese Richtung gelenkt hätten“, so Honold. Auch Volker Trunk, Sprecher des Kreises Groß-Gerau, weiß, dass dies zwar ein Thema ist, dass aber nach den EU-Richtlinien verfahren wird.

„Man kann davon ausgehen, dass es multiresistente Keime überall gibt“, sagt Professor Stefan Krause von der Hochschule Darmstadt. Aber es gebe noch keine Risikobewertung dazu. „Damit für den Menschen eine Gefahr besteht, muss es sich um einen pathogenen Keim handeln.“

Krause, dessen Schwerpunkt die Abwasserreinigung ist, forscht seit einem Dreivierteljahr über Möglichkeiten, solche Keime aus Abwassern herauszufiltern. Dazu betreibt er eine Versuchsanlage in der Kläranlage Griesheim (Kreis Darmstadt-Dieburg). Bisher konnte er noch keine multiresistenten Keime bestimmen. „Derzeit holen wir nur Spurenstoffe raus“, sagt Krause. Das sind zum Beispiel Antibiotika oder Röntgenkontrastmittel. Alles was der Mensch ausscheide, lande in der Kläranlage.

Die Forschungsanlage bestehe aus einem Reaktor, in dem Pulveraktivkohle zugegeben wird, um an dieser die Spurenstoffe zu adsorbieren und somit aus dem Wasser zu entfernen, erklärt Krause. In einer weiteren Stufe werde das Wasser durch eine Membranfiltration von der Aktivkohle getrennt, so dass auch Bakterien abgetrennt werden können. „Erste Ergebnisse zur Elimination der Spurenstoffe liegen uns vor, jedoch haben wir noch keine Ergebnisse bezüglich der Abtrennung der Bakterien und speziell der antibiotikaresistenten Bakterien“, sagt Krause. Solche Ergebnisse erwartet er erst in einem Jahr.

Auch die Politik warte auf entsprechende Ergebnisse. Das Bundesamt für Bildung und Forschung finanziere derzeit Studien zur Einschätzung des Risikos durch multiresistente Keime. Doch Krause ist überzeugt: „Auch ohne die Risikobewertung zu kennen, kann es sinnvoll sein, dass man diese Keime rausholen kann.“

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