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Kaum Zeit zum Durchatmen

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Die zerstörten Atommeiler in Japan werfen den Terminplan des Ökoinstituts durcheinander. Die Mitarbeiter sind gefragt wie nie.

Eigentlich würde Gerhard Schmidt jetzt gerade an einem Gutachten zur Sanierung von Uranabbauhalden in Thüringen arbeiten. Aber die Atomreaktor-Katastrophe im japanischen Fukushima hat nicht nur den Terminplan des wissenschaftlichen Mitarbeiters in der Abteilung Nukleartechnik und Anlagensicherheit beim Öko-Institut in Darmstadt gehörig durcheinandergewirbelt. Auch bei seinen 14 Kollegen, die sich mit Nukleartechnik beschäftigen, läuft in diesen Tagen nichts wie gewohnt.

Hunderte von Telefonanrufen, Fernsehteams, Studiotermine für Live-Interviews – beim Öko-Institut in der Rheinstraße herrscht derzeit Ausnahmezustand. Eine solche Katastrophe, meint Schmidt, bringe es mit sich, dass man kaum durchatmen kann.

Dass das so kommen würde, war dem Nuklearexperten bereits bei den ersten Meldungen über die ausgefallenen Notstromaggregate klar: „Das ist ein sehr ernster Störfall. Eine Situation, die sich nur schwer beherrschen lässt.“ Im Öko-Institut hat man sofort reagiert: Zwei Teams mit Strahlenschutz- sowie Anlagenexperten wurden gebildet, um die einstürmenden Anfragen bewältigen zu können.

Auch Experten erschrecken

Eine dritte Gruppe ist mit der Informationsbeschaffung betraut. Zu dieser gehört auch Schmidt. „Normalerweise haben wir regelmäßig Kontakt zu japanischen Kollegen, die uns mit zuverlässigen Informationen versorgen. Doch dieser Kontakt gestaltete sich diesmal nicht ganz so reibungslos – die hatten einfach wesentlich Wichtigeres zu tun.“

Auch die Darmstädter Atomexperten mussten oft die Notbremse ziehen. Man brauche eben auch Zeit, um sich auszutauschen, sich auf den neuesten Stand zu bringen oder um Schlussfolgerungen aus der oftmals lückenhaften Datenlage zu ziehen. Und natürlich gilt es, für jede Anfrage den besten Ansprechpartner zu finden. Das geschieht auch mit Hilfe der in Berlin angesiedelten Pressestelle. Das Öko-Institut ist nämlich auf die Standorte Freiburg, Darmstadt und Berlin verteilt, von denen jeder eigene Schwerpunkte betreut, erklärt Pressesprecherin Mandy Schoßig.

Insgesamt gelinge die Koordination und Beantwortung der Anfragen sehr gut, betont Gerhard Schmidt, der seit 22 Jahren für das Öko-Institut arbeitet. Lieber wäre dem Ingenieur aber, er könnte sich wieder seiner normalen Arbeit zuwenden. Denn: „Die Bilder aus Japan sind schon erschreckend. Auch einem Fachmann läuft es dabei eiskalt den Rücken runter.“ (eda)

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