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Anstelle der Stoeferlehalle in der Alexanderstraße entsteht ein Neubau.

Darmstadt

Kaum Platz für Neues

Der Darmstädter Gestaltungsbeirat lobt die Pläne für das neue Hochschulrechenzentrum. Auch mit der neuen Konzernzentrale von Merck zeigt sich das Gremium zufrieden.

Am Freitag ist der Darmstädter Gestaltungsbeirat zu seiner ersten Sitzung im neuen Jahr zusammengekommen. Gleich zwei gewichtige Projekte hatte er zu prüfen: das Hochschulrechenzentrum, das anstelle der Stoeferlehalle („603qm“) entsteht, und die neue Konzernzentrale von Merck.

Am Ende herrschte Zufriedenheit. „Das könnte nicht nur die Visitenkarte von Merck werden, sondern eine Visitenkarte für ganz Darmstadt“, urteilte Christa Reicher, Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, nachdem das Gremium sich ausgiebig mit den Plänen für die neue Konzernzentrale auseinandergesetzt hatte.

Zufriedenheit auch bei der Stadt: Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) lobte die Arbeit des Beirats, deswegen habe man dessen Amtszeit nun um zwei Jahre verlängert.

In die Verlängerung ging das Expertenteam mit einem anspruchsvollen Programm. Das neue Hochschulrechenzentrum soll an einem Ort entstehen, an dem eigentlich gar keine Architektur mehr möglich scheint – weil dort schon so viel ist und jedes Gebäude solistisch aus der Reihe tanzt. Was tun?

Das war die Frage für Architekt Kay Wilisch. Sein Büro hatte zwar den Wettbewerb gewonnen, „doch das, was ich hier zeige, hat mit dem Wettbewerbsentwurf im Grunde nichts mehr zu tun“. Für eine weitere Primadonna fehlte der Auftritt; ein Neubau muss sich also anpassen – doch woran? Ein langer Abwägungsprozess begann.

Wilisch wählte als Orientierungspunkt schließlich die Empfangshalle „Karo 5“, hielt sich an deren Fluchtlinien, an das Motiv des Betonsockels und an die Außenhaut aus Streckmetall. Beim Wilisch-Bau verhüllt das filigrane Netz freilich nur die Säulen zwischen den Stabfenstern – über vier Stockwerke hinweg folgt die Fassade einem Raster je 1,35 Meter breiter Abstände. Hochschulrechner begnügen sich eben mit schmalen Zellen.

Der Sockel aus Untergeschoss und Parterre dient studentischen Bedürfnissen und wurde in enger Abstimmung mit der Studierendenvertretung geplant.

Im Keller befinden sich zwei große Veranstaltungsräume, in denen der frühere Betrieb des „603qm“ uneingeschränkt wieder aufgenommen werden kann. „Das musste“, so Wilisch, „alles sehr robust werden, denn wie ich hörte, werden da wilde Partys gefeiert“. Deshalb bunkerdicke Betonwände.

Das Erdgeschoss öffnet sich mit einer Glasecke Richtung Schloss, erhält ein Foyer, eine Cafeteria und studentische Arbeitsplätze. An seiner linken Flanke streckt sich der Neubau weit nach Norden – er sehe ihn als letzten Baustein in einem Ensemble aus Karo 5, Audimax und Mensa, sagte Wilisch. Abermals also wird der Campus Innenstadt gestärkt.

Anders als die alte Stoeferlehalle dockt das Rechenzentrum jedoch nicht direkt an die benachbarte ehemalige Infanteriekaserne an. Im Gegenteil, sie springt nicht nur leicht aus deren Flucht zurück, sondern lässt östlich auch eine Lücke – Platz für die Gasse, über die künftig die Mensa angedient werden soll. Das alles wurde vom Gestaltungsbeirat mit großem Wohlwollen begutachtet. „Es ist ja nicht in unserem Sinn, sozusagen als eine zweite Jury nach einem Wettbewerbsverfahren zu agieren“, sagte Christa Reicher. „Wichtiger ist, dass unsere Anregungen in die Vorgaben eines Wettbewerbs einfließen, und so war das hier.“ Wilisch habe die Vorgaben „hervorragend umgesetzt“.

Wobei Reichers Kollege Rolf Westerheide noch anmerkte, er finde es „in Darmstadt, in diesem Gerüst so vieler Einflüsse, extrem schwierig, architektonisch Neues einzufügen“. ers

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