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Kastrationspflicht für Streunerkatzen

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Oft werden Kätzchen in schlechtem Zustand ins Tierheim gebracht.
Oft werden Kätzchen in schlechtem Zustand ins Tierheim gebracht. © André Hirtz

Darmstadt wird Vorreiter im Kampf gegen das Leid von Streunerkatzen. Es gibt jetzt eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen im Stadtgebiet.

Punktlandung. Am Freitagmorgen um kurz nach 9 Uhr machte der Ordnungsdezernent, Bürgermeister Rafael Reißer (CDU), seine Ankündigung wahr: Die Einführung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen im Stadtgebiet. Eine Stunde vor dem Beginn der Sommerferien, so, wie er es vergangene Woche angekündigt hatte.

Nach der neuen Katzenschutzverordnung müssen Halter im gesamten Stadtgebiet ihre Tiere kastrieren, chippen und ins Haustierregister von Tasso eintragen lassen, bevor sie ihnen Zugang ins Freie gewähren. Verstöße werden mit Bußgeldern bis zu 1000 Euro geahndet. Das Ordnungsamt soll die Einhaltung überwachen.

Weil die Rechtsverordnung auf dem Tierschutz und nicht auf dem Ordnungsrecht basiert, nimmt Darmstadt damit bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Es hätten schon Kommunen angerufen, die an dem auf Rechtssicherheit geprüften Inhalt Interesse gezeigt hätten, sagte Reißer.

Ihre Einführung hatte auch deshalb so lange gedauert, weil zunächst die Delegationsverordnung des Landes in Kraft treten musste, die Städten und Gemeinden die Einführung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht in Eigenregie erlaubt. Tierschutz regelt eigentlich ein Bundesgesetz, dessen Ausführung den Ländern überlassen wird, die wiederum Delegationsverordnungen erlassen müssen, um es auf kommunale Ebene zu bringen.

Leid eindämmen

Ziel der Katzenschutzverordnung ist die Eindämmung des Leids von Streunern, die sich unkontrolliert vermehren, Krankheiten haben und verbreiten. Ein einziges unkastriertes Katzenpaar kann bei zwei Würfen im Jahr in zehn Jahren eine Population erzeugen, die der Einwohnerzahl der Bundesrepublik entspricht.

Nicht nur für Reißer war der Freitag daher „ein Tag der Freude“. Tierarzt Christian Zentgraf, Leiter des Tierheims Darmstadt, bezeichnete die Rechtsverordnung als „unglaublichen Schritt für uns“. Im Tierheim gebe es Konzepte, um den Bestand zu schützen – Quarantänezonen, Hygienemaßnahmen – „aber wir stoßen durch infizierte Katzen von außen immer wieder an unsere Grenzen“, sagte er. „Dass so jetzt die Schwemme von außen abnimmt – dafür sind wir unendlich dankbar.“ Netter Nebeneffekt: Mit der Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht können im Tierheim abgegebene Katzen ihren Besitzern zugeordnet werden.

Reißer, Ordnungsamtsleiter Werner Appel und Tierheimvorstand Carmen Schell gehen davon aus, dass Katzenbesitzer die Verordnung akzeptieren und sich rechtstreu verhalten. „Ich werde alles dafür tun, dass das kein Papiertiger wird“, kündigt Appel an. Wie sich die Kontrolle umsetzen lässt – ob etwa Ordnungsamtsmitarbeiter mit Chiplesegeräten ausgestattet werden, stehe noch nicht fest.

Für die Tierschützer ist es nun wichtig, dass die Bevölkerung Hot Spots meldet, an denen Katzenpopulationen entstehen. Bekannt sind Bereiche um den Alten Friedhof, Lichtwiese, Vivarium oder auch ums Mühlchen, sagte Zentgraf. An der Kranichsteiner Straße würden gerade vermehrt verwilderte Tiere gesichtet. Je früher das Tierheim davon weiß, „desto schneller können wir noch relativ kleine Katzenpopulationen durchkastrieren“, sagt Schell. (rwb)

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