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Kastrationspflicht für Katzen

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Im Tierheim werden bei den Fundkatzen auch Wunden versorgt und Krankheiten behandelt.
Im Tierheim werden bei den Fundkatzen auch Wunden versorgt und Krankheiten behandelt. © andré hirtz

Das Land Hessen macht den Weg frei für kommunale Verordnungen.

Die Katzenpyramide macht das Ausmaß des Problems deutlich: Ein einziges unkastriertes Paar produziert mit zwei Würfen und jeweils drei Katzenbabys pro Jahr binnen zehn Jahren eine Population von 80 Millionen Katzen. Leben diese Katzen als halbwilde Exemplare auf der Straße, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie sich mit Katzen-Aids, Katzen-Schnupfen oder Katzen-Leukämie anstecken und von Parasiten befallen werden. Tierschützer fordern daher schon lange eine Kastrationspflicht – und eine Kennzeichnungspflicht – für alle freilaufenden Katzen.

Die ist im Tierschutzgesetz längst geregelt – auf Bundesebene. Der fragliche Paragraf 13b legt fest, dass die Landesregierungen Gebiete festlegen können, in denen „der unkontrollierte freie Auslauf fortpflanzungsfähiger Katzen verboten oder beschränkt sowie eine Kennzeichnung und Registrierung der dort gehaltenen Katzen, die unkontrollierten freien Auslauf haben können, vorgeschrieben werden“ kann.

Das Gesetz hing also bislang gewissermaßen auf Landesebene fest. Erst jetzt versetzt eine entsprechende Delegationsverordnung die Kommunen in die Lage, eigenständige Verordnungen zu verabschieden. Am Montag hat das hessische Kabinett diese Rechtsgrundlage geschaffen. Sie tritt in Kraft, sobald sie im hessischen Staatsanzeiger veröffentlicht ist. Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) bezeichnete die Verordnung als „große Chance“ für Gemeinden, „viele Katzen vor Verwahrlosung, Hunger und Krankheiten zu schützen“.

Zustimmung der Tierschützer

„Die Meldung über die Verabschiedung der Verordnung ging in Tierschutzkreisen wie ein Lauffeuer um und löst bei uns nach den Verzögerungen der letzten Monate zunächst nur vorsichtigen Optimismus aus“, sagt Carmen Schell vom Vorstand des Darmstädter Tierschutzvereins, der das Tierheim in der Siedlung Tann betreibt und seit Jahren mit Nachdruck die Kastrationspflicht und auch die Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen fordert.

„Wir sind als Tierschutzverein natürlich überaus erfreut über den Beschluss“, stellt sie fest, „warten nun aber ebenso gespannt auf den konkreten Wortlaut und die tatsächliche Umsetzung der Stadt Darmstadt.“ Von ihrer Seite aus sei hierfür alles vorbereitet: Den Verantwortlichen der Stadt liege seit dem vergangenen Jahr ein ausgearbeitetes Konzept vor. „Die Weichen sind gestellt“, sagt Carmen Schell, „wir werden nun Kontakt mit unserem Arbeitskreis aufnehmen und dort gemeinsam eine konkrete Umsetzungsmöglichkeit abstimmen.“

„Der Beschluss liegt uns noch nicht vor, das müssen wir abwarten“, teilt die städtische Sprecherin Sigrid Dreiseitel mit. „Je schneller wir etwas auf dem Tisch haben, desto schneller wird es in die politischen Gremien gehen und eine Entscheidungsgrundlage geschaffen werden können.“ Terminieren könnten dies das zuständige Dezernat und die beteiligten Verwaltungsstellen noch nicht. „Aber je schneller es geht, desto besser ist es auch für die betroffenen Tiere.“

Derzeit ist es im Tierheim noch relativ ruhig, allerdings wird das nicht so bleiben. Die ersten Streunerkatzen sind trächtig. Carmen Schell: „Wir erwarten schon mit Sorge die nächste Kittenflut und appellieren verstärkt an Katzenhalter, ihre Freigänger rechtzeitig kastrieren zu lassen.“ rwb

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