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Die Kaserne wird jung

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Zum neuen Besitz gibt´s Schlüssel-Gebäck und Blumenschmuck.
Zum neuen Besitz gibt´s Schlüssel-Gebäck und Blumenschmuck. © Claus Völker

Stadt übergibt die 25. Doppelhaushälfte in der St.-Barbara-Siedlung .

Wer von den Menschen im nagelneuen Ella-Fitzgerald-Weg in der St.-Barbara-Siedlung am meisten lachte, lässt sich kaum ausmachen. Der städtische Baudezernent Dieter Wenzel (SPD) war zufrieden, ist es Darmstadt doch gelungen, die ehemalige amerikanische Siedlung nur ein halbes Jahr nach Übernahme aus der Obhut des Bundes als städtisches Wohngebiet zu integrieren. Martin Bullermann als Geschäftsführer der teilstädtischen Immobiliengesellschaft GVD war zufrieden, weil er die amerikanischen Offiziersvillen erfolgreich unter die Leute gebracht hat. Und die Familie Zednik - Robert, Laila und Juliaan - war zufrieden, weil sie bald in das neue Eigenheim ziehen kann.

Die 25. der 32 Doppelhaushälften in der Siedlung westlich der Heidelberger Landstraße und der Villenkolonie haben die Zedniks erworben - Anlass einer kleinen Begrüßungszeremonie mit den Vertretern der Stadt. Weiterer Grund zur Freude: Robert Zednik, derzeit Pfungstädter, kehrt in seine Heimatstadt zurück. Ehefrau Laila stammt aus Belgien und lobte die Lage und das Ambiente des neuen Eigenheims: "In der Stadt und zugleich völlig ruhig, so grün wie in einem großen Park, und das Beste - ringsum ziehen junge Familien ein. Allein in unserem Weg werden es elf kleine Kinder sein."

USA-Flagge weht weiter

Die amerikanische Geschichte des Hauses bleibt auch in Zukunft präsent. Neben der Haustür weht ein Fähnchen, das Sternenbanner. Alle Häuser haben ein Loch in der Wand, damit bei Siegen der US-Army geflaggt werden konnte. "Die Fahne lag hier noch in einem Schrank", sagt Laila. Nun steckt sie draußen, auch ohne Siege.

Anderes dagegen kommt auf den Müll. Das Parkett zum Beispiel, das seinerzeit mit einem unverträglichen Kleber verlegt worden sein soll. "Ich glaub´ zwar nicht dran, dass das heute noch gefährlich ist, aber wegen Juliaan wollen wir kein Risiko eingehen", sagt Robert Zednik. Es wird neue Fenster geben, und neue Leitungen. Und eine Heizung muss her - damit der Fernwärmeanschluss einen Sinn hat. "Im Prinzip aber hätte man, so wie es ist, einziehen können."

Zedniks wollen es ohne Hektik angehen; in anderen Häusern wird schon heftig gewerkelt. Am Bürgersteig parken die Werkstattautos der Handwerker, Klempner verlegen Rohre, Elektriker schließen Leuchten an, Wärmepumpen stehen zum Einbau bereit, der Radlader rotiert. Noch hat keiner der künftigen Bewohner von dem Angebot Gebrauch gemacht, sein Haus in einer der fünf erlaubten Pastellfarben zu tünchen.

Robert Zednik findet es klasse, dass alles unter Denkmalschutz steht, "so bleibt das Bild einheitlich. Und auch die Bäume dürfen nicht angetastet werden". Ob später mal Hecken die Grundstücksgrenzen markieren, wird sich zeigen - bei den Amerikanern war das unüblich, die dachten in eher kontinentalen Dimensionen.

Und was sagt die Familie Zednik zur neuen Adresse im Ella-Fitzgerald-Weg? "Ehrlich gesagt, den Namen kannten wir nicht. Aber jetzt haben wir uns die Musik natürlich mal angehört", antwortet Robert. (ers)

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