1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Von der Kaserne zum Ökoviertel

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Noch  liegt das Gelände der Cambrai-Fritsch-Kaserne brach. Bald sollen hier Familien wohnen und Kinder zur Schule gehen.
Noch liegt das Gelände der Cambrai-Fritsch-Kaserne brach. Bald sollen hier Familien wohnen und Kinder zur Schule gehen. © Roman Grösser

Es ist Darmstadts städtebauliches Projekt schlechthin: die Umwandlung der ehemaligen Militärflächen südlich von Bessungen in Wohngebiete. 5500 Menschen sollen hier in den nächsten Jahren ein neues Zuhause finden. Jetzt liegt der Rahmenplan vor.

Quartiere für 5500 Menschen sollen dort entstehen, wo die US-Armee bis 2008 Kasernen und Siedlungen unterhielt. Seitdem wird diskutiert, wie die 57,8 Hektar zu nutzen sind. Jetzt liegt der Rahmenplan vor, der Grundlage für die künftigen Planungen ist. Er schreibt die Eckdaten fest, an die sich die Planer zu halten haben. Die Leitidee: Es sollen Quartiere mit einem vielfältigen Wohnungsangebot entstehen, die zudem ökologisch geprägt sind.

Das Potenzial von Lincoln- und Jefferson-Siedlung sowie Cambrai-Fritsch-Kaserne liegt im Wohnen. Denn bei steigenden Einwohnerzahlen wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Der ist am schnellsten in der Lincoln-Siedlung zu mindern. Im südlichen Teil sollen Gebäude weitgehend erhalten bleiben.

Wohnraum für 3000 Menschen soll auf den 24 Hektar der Lincoln-Siedlung entstehen. Das bedeutet eine dichte Bebauung. Aus derzeit 588 Wohnungen sollen 1450 werden. Von einer „maßvollen Verdichtung“ sprechen die Stadtplaner. Im Süden sind zusätzliche Gebäude vorgesehen, im Norden sollen neue Stadthäuser den Bestand ersetzen.

Das Cambrai-Fritsch-Quartier ist mit 33 Hektar zwar größer als die Lincoln-Siedlung, dennoch werden hier weniger Menschen leben. Auch die Baufläche für die 2500 Bewohner ist kleiner. Der Grund: Im Nordwesten sind Grünstreifen vorgesehen, im Süden soll der frühere Waldgürtel wieder entstehen.

Wichtig ist den Planern eine „möglichst ausgewogene Sozialstruktur“. Sie entsprechen in dem Punkt den Forderungen, die in den beiden Planungswerkstätten mit Bürgerbeteiligung erhoben worden sind. Explizit nennt der Rahmenplan nicht nur eine Mischung von Etagenwohnungen, Einfamilienhäusern und anderen Gebäudetypen. Auch unterschiedliche soziale Schichten sollen dort wohnen.Der Rahmenplan löst auch die Zusagen der Stadt ein, 30 Prozent des neuen Stadtteils für bestimmte Wohnformen vorzusehen. Dazu zählen integrative und generationsübergreifende Projekte, für die sich bereits eine Reihe von Gruppen interessieren, sowie Wohnangebote für ältere Menschen und Studenten. Für den vom Institut für Wohnen und Umwelt sowie dem künftigen Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) geforderten sozialen Wohnungsbau sind 15 Prozent vorgesehen.

Vom Rahmenplan vorgegeben sind auch Schul- und Betreuungseinrichtungen. In der Lincoln-Siedlung soll es eine Grund-, auf dem Gebiet von Cambrai-Fritsch- und Jefferson-Kaserne eine weiterführende Schule geben. Zudem sind jeweils zwei Kindertagesstätten geplant.

Auch soll es jeweils eines kleinen Quartierszentrums geben. In der Lincoln-Siedlung wird wegen der Nähe zum Marktplatz Bessungen jedoch im Gegensatz zum Kasernenhof im Cambrai-Fritsch-Areal kein Supermarkt gebaut.

Eine Kernfrage, die die Stadtplaner zu beantworten haben, ist die nach der Verkehrserschließung. Auch hier folgen sie in weiten Teilen den Ideen der Bürger in der Planungswerkstatt: So ist nicht nur eine Verkehrsberuhigung festgeschrieben, es gilt, ein Umfeld mit möglichst wenig Autos zu schaffen.

Vorgesehen ist dabei, dass Autos nicht direkt vor Wohngebäuden, sondern in Parkhäusern und Tiefgaragen abzustellen sind. Dennoch wird es mehr Verkehr geben. Um den abfließen zu lassen, wird die Cooperstraße bis zur Karlsruher Straße verlängert. Eine neue Haltestelle an der Heidelberger Straße und eine Verlängerung der Tram-Linie 3 sollen Bewohner anregen, Bahnen statt Autos nutzen. (rf)

Das Stadtparlament entscheidet am Dienstag, 21. Juni, über die Planung.

Auch interessant

Kommentare