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Kandidaten nur zum Schein

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Der Pfungstädter Rathauschef Horst Baier   (SPD) steht an der Spitze der Wahlliste.
Der Pfungstädter Rathauschef Horst Baier (SPD) steht an der Spitze der Wahlliste. © Günther Jockel

Von 23 Bürgermeistern im Landkreis Darmstadt-Dieburg kandidieren am Sonntag 17 als Spitzenkandidaten ihrer Parteien für die kommunalen Parlamente - obwohl sie ihr Mandat nie antreten werden.

In Groß-Zimmern will sich der amtierende Bürgermeister Achim Grimm (CDU) nicht nur als Direktkandidat wiederwählen lassen, sondern auch in die Gemeindevertretung gewählt werden. In Fischbachtal steht ihm SPD-Mann Wilfried Speckhardt in nichts nach.

Grimm sagt zu seiner Kandidatur auf dem Spitzenplatz der CDU-Liste, er signalisiere damit, „dass meine Arbeit für die Gemeinde leichter wird, wenn ich mich dabei auf eine Mehrheit meiner Partei im Parlament stützen kann“.

Der Pfungstädter Bürgermeister Horst Baier (SPD) erklärt stellvertretend für viele seiner Amtskollegen: „Als Bürgermeister wäre ich zur Neutralität verpflichtet, als Kandidat darf ich für meine Partei werben. Und das tue ich auch.“ Pfungstadt solle auf Erfolgskurs bleiben. Dafür brauche seine SPD eine stabile Mehrheit. Deshalb stehe er aus „voller Überzeugung“ dazu.

Sein Erzhäuser Kollege Hans-Dieter Karl (SPD) kandidiert ebenfalls – „weil es ein Signal für die Bürger ist, dass der Bürgermeister und die Fraktion eine Einheit sind“. Eine Einheit, die sich nicht dividieren lasse. Schließlich könne ein Bürgermeister nur vernünftige Arbeit machen, wenn er die entsprechende Unterstützung seiner Fraktion habe.

Der Landrat macht’s auch

Anders sieht das Bürgermeister Peter Rohrbach von der Alternativen Liste Weiterstadt (ALW). Dort geht die 29 Jahre alte Newcomerin Marie Luise Meyer auf dem Spitzenplatz für die ALW ins Rennen – und nicht der seit 15 Jahren amtierende Bürgermeister. „Selbstverständlich bekenne ich mich zur ALW, aber nicht auf einer Kommunalwahlliste“, sagt Rohrbach. Er werde sich nicht zuerst an die Spitze einer Liste stellen, um nach der Kommunalwahl den Bürgern zu sagen, er wolle gar nicht gewählt werden. „Das finde ich nicht in Ordnung. Ich würde das Stadtverordnetenmandat ja schließlich nicht antreten.“

Auch in Alsbach-Hähnlein geht die Initiative Umwelt ohne Bürgermeister Georg Rausch auf Stimmenfang. In Mühltal tritt die CDU nicht mit Bürgermeisterin Astrid Mannes auf Platz eins an, sondern mit Gemeindevertretervorsteher Rainer Steuernagel.

Selbst für Landrat und Parteichef Klaus Peter Schellhaas (SPD) untermauert die Kandidatur an der Spitze den guten Zusammenhalt und das politische Zusammenwirken von Partei, Fraktion und seiner Position als direkt gewählter Landrat.

Auf dem Plakat zur Kreistagswahl posiert Schellhaas mit sieben weiteren Gesichtern. Unter ihnen ist die Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück (SPD), die als Hauptamtliche nicht gewählt werden kann. Lück kandidiert aber auch in ihrer Heimatstadt Babenhausen zwei Plätze hinter SPD-Bürgermeisterin Gabi Coutandin. Weder im einen noch im anderen Gremium könnte sie ihr Mandat annehmen, es sei denn, sie legte ihr Amt beim Kreis nieder. ( tim/pia/eda)

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