1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Kampf gegen Katzen-Schwemme

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Streunende Katzen wie diese werden in der Praxis von Tierärztin Dorinna Böhmer versorgt.
Streunende Katzen wie diese werden in der Praxis von Tierärztin Dorinna Böhmer versorgt. © Guido Schiek

Der Weiterstädter Tierhilfeverein Keller-Ranch tritt für eine Kastrations-und Kennzeichnungspflicht freilaufender Katzen ein. Die Stadt sieht aber noch keine ausreichenden Gründe, um eine solche Pflicht zu beschließen.

Ein Thema beschäftigt Weiterstädter Tierschützer derzeit besonders: eine mögliche Kastrationspflicht freilaufender Katzen, so wie sie derzeit in Darmstadt diskutiert wird. Der Weiterstädter Tierhilfeverein Keller-Ranch muss sich Jahr für Jahr mit aufwendigen und zudem teuren Einfang- und Kastrationsaktionen gegen eine drohende Explosion der Anzahl von Katzen und dem daraus resultierenden Elend der kleinen Streuner stemmen.

Ein fast aussichtsloser Kampf: „Was unsere Tierärzte auf der einen Seite kastrieren, kommt auf der anderen Seite an neuem Nachwuchs wieder herein“, beschreibt Jutta Keller vom Weiterstädter Tierhilfeverein die Problematik. „Und damit beginnt das Elend von vorn.“ Neben den Kosten für Kastration und Impf- beziehungsweise Chipbehandlung (insgesamt 200 bis 250 Euro pro Tier) übernimmt der Verein seit Jahren auch die anschließende Pflege unzähliger kranker Katzenbabys. Diese müssen zunächst gesund gepäppelt und gezähmt werden, bevor sie anschließend vermittelt werden können. „Rund um die Uhr müssen die Katzenbabys im Zwei-Stunden-Takt gefüttert werden“, erklärt Jutta Keller. „Dennoch werden auch in diesem Jahr nicht alle überleben.“

Die Problematik ist klar: Verwilderte Hauskatzen werden von freilaufenden unkastrierten Katern gedeckt. „Es ist gigantisch, was ein unkastrierter Kater an Nachwuchs produzieren kann“, sagt Corinna Böhmer, Weiterstädter Tierärztin und Zweite Vorsitzende des Vereins. „Zwölf Nachkommen pro Jahr und Kätzin sind nicht unrealistisch.“ Geht man davon aus, dass diese sich gleichermaßen vermehren, wäre rein rechnerisch eine Katzenpopulation von über 80 Millionen Tieren in zehn Jahren möglich. Die Keller-Ranch appelliert an alle Katzenbesitzer, ihre Freigänger kastrieren zu lassen.

Dabei könnte die Kommune eine „Kastrations- und Kennzeichnungspflicht freilaufender Katzen“ vorschreiben. Die rechtliche Grundlage hierfür hat das hessische Kabinett im September 2014 mit einer entsprechenden Verordnung geschaffen. Bürgermeister Ralf Möller (SPD) sieht derzeit allerdings keinen Handlungsbedarf. „Es gab vor längerer Zeit eine politische Diskussion zu diesem Thema“, erklärt er.

Möller: Kein Handlungsbedarf

Damals habe man sich darauf verständigt, nicht so tief einzugreifen, so lange die Zahlen nicht dramatisch sind. „Die Zahlen, die dem Ordnungsamt vorliegen, sind nicht beunruhigend, wobei wir natürlich wissen, dass nicht alle Fälle bekannt sind“, so Möller. „Wir können nur handeln, wenn das übergeordnete öffentliche Interesse größer ist als das Grundrecht in Bezug auf den Besitz einer Katze“, erläutert der Rathauschef. Für die Zukunft möchte er allerdings nichts ausschließen, zumal er weiß, dass er die aktuellen Zahlen vor allem dem Tierhilfeverein zu verdanken hat: „Wir als Stadt sind der Keller-Ranch sehr dankbar. Und das bezieht sich nicht bloß auf das Thema Katzen.“ Deshalb versuche man den Verein zu unterstützen, wo es nur gehe.

Zufriedenstellend ist das für die Keller-Ranch nicht: „Wir sind enttäuscht, dass die Stadt die Notwendigkeit zum Handeln nicht sieht“, so Corinna Böhmer. Erst vor wenigen Tagen war ein stattlicher unkastrierter Kater in eine Lebendfalle an der Bundesstraße 42 gegangen. Er war zudem in ein enges ausgefranstes Geschirr gezwängt, das er offenbar bereits sehr lange getragen haben muss. Wie viele Nachkommen er in „freier Wildbahn“ produziert hat, ist unklar. Nach einer Floh- und Wurmprophylaxe wurde der Kater mit einem Mikrochip gekennzeichnet. (ers)

Auch interessant

Kommentare