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Kalt erwischt

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Die Gewerkschaft Verdi hatte für Mittwoch überraschend zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren alle städtischen Bus- und Straßenbahnlinien der Heag.

Die Gewerkschaft Verdi hatte für Mittwoch überraschend zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Betroffen waren alle städtischen Bus- und Straßenbahnlinien der Heag. Lediglich die Linien A, PS und der Airliner zum Flughafen fuhren nach Plan, weil sie von Subunternehmen bedient werden. Eingeschränkt waren die Linien P und U unterwegs. Die Busfahrer streiken für einen Mantel- und ihren Lohntarifvertrag. Die Tramfahrer streiken aus Solidarität.

Fahrgäste, die am Morgen auf dem Luisenplatz standen, äußerten zumeist Unverständnis. "Ich habe gehört, dass die gestern in Frankfurt gestreikt haben, aber von hier wusste ich nichts", sagt Mario Schmitz, der nach Kranichstein zur Arbeit musste. Damla Kus kam mit einem Dadina-Bus aus Ober-Ramstadt und fragte sich, wie sie ins Berufsschulzentrum im Bürgerpark gelangen sollte. Auch sie wäre gern vorab informiert worden.

Ebenso Manfred Remus. "Ich bin sauer", sagte er unumwunden. "Gestern hab ich in der Hessenschau nur was von Marburg gehört, von Darmstadt war nicht die Rede." Man könne doch den Fahrgästen nicht erst Sekunden vorher Bescheid sagen. "Und das bei dem Wetter."

Der unangekündigte Warnstreik sei eine bewusste Entscheidung gewesen, teilte Verdi-Gewerkschaftssekretär Manfred Angerer mit. Er pendelte gestern zwischen den beiden Streikposten, dem Straßenbahn- und dem Busdepot der städtischen Nahverkehrsorganisation Heag, hin und her. "Wir haben nicht vorgewarnt, weil die Angestellten mit Führerscheinen sonst rausgefahren wären."

Warnstreik für mehr Lohn

Tatsächlich wurde die städtische Nahverkehrsorganisation Heag kalt erwischt. "Wir hatten mit Freitag gerechnet und wollten heute die Fahrgäste informieren", sagte Sprecherin Karin Kunitsch. Stattdessen seien am Mittwochmorgen schon früh Infoteams unterwegs gewesen, ergänzte ihre Kollegin Silke Rautenberg.

Anzeigen an den Haltestellen und Durchsagen hätten auf die Situation aufmerksam gemacht. "Doch aus technischen Gründen erreichen wir leider nicht alle Leute an den Bushaltestellen." Dennoch gab es auch Verständnis für die Fahrer. Wolfgang Schmidt findet den Warnstreik "sehr in Ordnung", wie er sagte. "Sie üben ein gesetzliches Recht aus, und es ist schon richtig von Verdi, die Forderungen zu stellen."

Hauptgrund für den Warnstreik sind die Verhandlungen um einen Manteltarifvertrag für die Busfahrer. Die Positionen von Verdi und des Landesverbands Hessischer Omnibusse lägen weit auseinander, was die Arbeitszeiten betreffe, erklärte Gewerkschafter Angerer. Die letzte Verhandlungsrunde sei im Dezember ergebnislos abgebrochen worden, es gebe keinen Termin für eine nächste.

Dazu kämen die Verhandlungen um einen neuen Lohntarifvertrag im September. "Hier sehen wir Nachholbedarf", sagt Angerer. Es gebe Fahrer, die auf Hartz-IV-Ergänzungsleistungen und Wohngeld angewiesen seien, "weil die sonst nicht über die Runden kommen."

Rund 200 Beschäftigte bei Heag-Mobibus sind vom Tarifvertrag des Omnibusverbands betroffen. (rwb)

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