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Kahlschlag im Akaziengarten

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Nur noch ein Stumpf ist im Park des Rechnungshofes übrig.
Nur noch ein Stumpf ist im Park des Rechnungshofes übrig. © Guido Schiek

Anwohner und der Verein „Pro Akaziengarten“ kritisieren, dass in dem Park zwischen Eschollbrücker Straße und Schepp Allee Bäume gefällt werden. Das zuständige Hessische Immobilienmanagement, so ihr Vorwurf, ergreife keine Maßnahmen zum Erhalt der Bäume.

Wer derzeit durch den Akaziengarten streift – auf diesem Areal ist der Hessische Landesrechnungshof beheimatet –, dem fällt ein gewaltiger Kahlschlag auf; viele alte Bäume sind gefällt. Aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht, so teilt das für das Gelände zuständige Hessische Immobilienmanagment (HI) auf Anfrage mit, hätten im Akaziengarten bedauerlicherweise 110 Bäume wegen „Totholzentwicklung“ oder „Rücktrocknung“ gefällt werden müssen.

Schon vor diesen neuen Fällungen seien seit 2009 etwa 50 Bäume gefällt worden, beklagt der Verein Pro Akaziengarten. Er ist 2005 aus einer Bürgerinitiative hervorgegangen, die sich erfolgreich gegen eine Bebauung des seit 1986 unter Denkmalschutz stehenden Parkgeländes gebildet hatte.

Bodenproben deuten auf Nährstoffmangel hin

Verein und Anwohner gestehen zwar ein, dass zum Teil über 150 Jahre alte, kranke Bäume gefällt werden müssen. Sie werfen dem aber HI vor, kein Interesse daran zu haben, die Vitalität der Bäume durch Düngung, regelmäßige Wässerung und professionelle Pflege zu erhalten. „Stattdessen bietet sich dem Parkbesucher ein trostloses Bild absterbender Bäume“, beklagt etwa Ute Sonderecker. „Hier werden Steuergelder für vermeidbarer Fäll- und Ersatzpflanzungsaktion verschwendet, statt dem Problem auf den Grund zu gehen.“

So hat der Verein nach eigenen Angaben bereits im Juni 2013 dem HI das Ergebnis eigener Bodenproben übermittelt, das ein Mangel verschiedener Nährstoffe gezeigt habe. Die Hinweise auf eine notwendige Düngung habe das HI aber nicht beachtet. Auch die öffentliche Präsentation einer Master-Arbeit „Historische Entwicklung und Empfehlungen zur denkmalgerechten Erhaltung und Pflege des Darmstädter Akaziengartens“ sei seitens des HI ohne Beachtung geblieben.

Trotz der derzeitigen Brut- und Setzzeit, so ein weiterer Vorwurf der Bürgerinitiative, würden nun die Bäume gefällt. Diese Vorgehensweise sei vorab mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Umweltamt der Stadt abgesprochen worden, schreibt das Immobilienmanagement in seiner Stellungnahme. Alle zu fällenden Bäume seien zudem durch einen Biologen auf Habitate untersucht worden: Dabei seien keine Nester gefunden worden.

Mit dem Landesamt für Denkmalpflege sei vereinbart, dass es bei unvermeidlichen Fällungen Ersatzpflanzungen geben müsse. Diese müssten mit ihm in Art, Qualität und Umfang abgestimmt werden. Dies solle auch dazu dienen, sich im Lauf der Zeit stückweise dem ehemaligen historischen Zustand des Akaziengartens wieder anzunähern.

Vor den Ersatzpflanzungen, so das HI, soll jedoch untersucht werden, ob sich auf dem Areal noch Kampfmittel oder andere Altlasten befinden. Die Behörde bereite dazu derzeit eine Ausschreibung vor.

Weiterhin habe das HI mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem städtischen Umweltamt unter Einschaltung eines Fachbüros und unter Beteiligung und Information des Vereins Pro Akaziengarten ein Konzept für den Umgang mit der Parkanlage in Auftrag gegeben. Die Endfassung erfolge, sobald neue Bodenproben ausgewertet seien. Danach werde entschieden, ob und wie man den Wuchs der bestehenden und neu anzupflanzenden Bäume fördern und sichern könne. (ryp)

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