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Kämpfen wie ein Spitzensportler

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In seinem Buch „Du musst kämpfen“ hat sich Jonathan Heimes mit Miroslav Klose verewigt.
In seinem Buch „Du musst kämpfen“ hat sich Jonathan Heimes mit Miroslav Klose verewigt. © Guido Schiek

Mit 14 Jahren bekam er seine erste Krebsdiagnose: Hirntumor, bösartig, sechs Stunden OP, zwei Wochen Koma. Bis heute wehrt sich Jonathan Heimes unermüdlich gegen den Krebs – und tut nebenbei Gutes.

Jonathan Heimes (24) aus Darmstadt ist Fußballfan, ehemaliger Hessenmeister im Tennis und Vereinskamerad von Andrea Petkovic. In den vergangenen Jahren hat er viele Spitzensportler getroffen, darunter Miroslav Klose, Philipp Lahm und Thomas Müller. Und auch er selbst ist immer noch Spitzensportler. Denn Jonathan Heimes kämpft sich nach jeder Niederlage unermüdlich ins Leben zurück.

Mit 14 Jahren bekam er seine erste Krebsdiagnose: Hirntumor, bösartig, sechs Stunden OP, zwei Wochen Koma, und anschließend erkannte er seine Tante nicht mehr. Bestrahlung und Chemo, acht Blöcke, vier Monate. Die rechte Seite blieb schwach, der rechte Arm war nicht mehr schnell genug fürs Zähneputzen oder Schreiben. „Also musste ich umlernen auf die linke Seite“, erzählt Heimes achselzuckend.

Die Schule beendete er nach der zwölften Klasse und einem Freiwilligen Sozialen Jahr als Jugendtrainer bei seinem Tennisverein TEC mit dem Fachabitur. „Das FSJ war gerade vorbei, ich wollte mein Leben starten, Führerschein machen, eine Ausbildung als Physiotherapeut beginnen – das war mein Traum“, berichtet er. Dann schliefen ihm eines Tages die Füße ein und einen Tag später die Schienbeine und Knie – er hatte Metastasen im Rücken.

Es folgte die nächste OP – und eine Querschnittslähmung, „Ich konnte nur ein bisschen den kleinen Fußzeh bewegen, aber da hab ich gemerkt, ein bisschen Leben ist drin.“ Sein Freund schickte ihm eine SMS, die das Motto seines Lebens werden sollte: „4:6, 4:5, 15:40. Zwei Matchbälle gegen dich. Du musst kämpfen. Es ist noch nichts verloren.“

Irgendwann in dieser unbeweglichen Zeit hat sich Jonathan Heimes überlegt, ein Buch zu schreiben. „Ich dachte, okay, Tennis und Fußball sind vorbei, aber es gibt viel zu tun auf der Welt.“ Und da selbst Lothar Matthäus ein Buch geschrieben hatte, war sich Jonathan sicher, das könne er auch.

Er kann es wirklich. Unterstützung kam vom Vater seines besten Freundes, dem Sportredakteur Michael Eder. Und als er 27 Seiten fertig hatte, glaubte er sich fast am Ende. „Da geht noch mehr“, hatte ihm Michael Eder allerdings beschieden. „Und da kamen nochmal 400 Seiten dazu.“ Bei Jonathan geht eben immer noch mehr. Mehr Leistung. Mehr Krebs. Mehr Kampf.

Armbändchen für den guten Zweck

Eine Woche nach seinem 23. Geburtstag vergangenes Jahr kam die dritte Diagnose: wieder Tumore im Kopf. Es schloss sich eine Hochdosis-chemotherapie an, an die er sich eigentlich lieber nicht erinnern will. Fernsehzuschauer konnten sie verfolgen, das ZDF drehte eine 37-Grad-Reportage über den Comeback-Johnny aus Darmstadt, der irgendwann zum Giveback-Johnny wurde.

Denn Jonathan wollte dem Verein „Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt“, der ihn und seine Schicksalsgenossen über viele Jahre unterstützt hatte, etwas zurückgeben. Mit Andrea Petkovic produzierte er Armbändchen, blau, wie sein HSV. „Du musst kämpfen“ steht darauf. Und „Noch ist nichts verloren.“ Der Erlös geht an den Verein, bis heute sind so 110 000 Euro zusammengekommen. Inzwischen gibt es die Armbändchen auch in Blau-Weiß mit einer Lilie drauf.

Jonathan Heimes ist ein gefragter Gast in Talkshows, wird von großen Medien begleitet, hat in einem zweiten Buch dokumentiert, was in den vergangenen Jahren in seinem Leben passiert ist. Auch nach dem jüngsten Tiefschlag hat er sich berappelt. In dieser Woche ist die vierte Therapie zu Ende gegangen. Hirntumor. Mal wieder. Vielleicht auch was im Rücken.

Wenn die nächste Magnetresonanztomografie überstanden ist, geht’s auf Einladung des Hamburger Abendblatts zum HSV, über Weihnachten auf die Insel Juist und Anfang des Jahres mit seinem Vater nach Südafrika auf Safari. Jonathans Hauptprojekt 2015 wird die Gründung einer gemeinnützigen Charity-GmbH mit Freunden sein, die mit attraktiven Promi-Sportevents Geld für gute Zwecke sammelt. Wer weiß, vielleicht sind Klose, Lahm und Müller dann auch wieder mit dabei. (rwb)

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