1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Käfer, Froscheier und Wurmfarm

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Lange Nacht der Lichter im Botanischen Garten. Hier zeigt Dr. Karsten Mody von der TU Insekten unter dem Mikroskop.
Lange Nacht der Lichter im Botanischen Garten. Hier zeigt Dr. Karsten Mody von der TU Insekten unter dem Mikroskop. © André Hirtz

Die Nacht der Lichter bietet einen besonderen Einblick in den Fachbereich Biologie an der TU Darmstadt. Die Wissenschaftler geben an die Besucher ihr Wissen und ihre Begeisterung weiter.

Während der Nacht der Lichter konnten sich Kinder wie Erwachsene ein besonderes Bild vom Botanischen Garten und dem Fachbereich Biologie der TU Darmstadt machen. Zwischen 18 und 24 Uhr standen den Besuchern am Freitag Campus, Großraumlabors, Holzhäuser, die zoologische Sammlung sowie der Botanische Garten mit seinen Gewächshäusern offen. Rundherum gaben Profis ihr Wissen und ihre Begeisterung weiter. Doch ob der zehn Arbeitsgruppen, die Führungen zu ihren Forschungsschwerpunkten wie Mikrobiologie, Strahlen- oder Entwicklungsbiologie, Neurosensorik und Membranbiophysik anboten, fiel zunächst die Entscheidung schwer, welchen Wissenschaftlern man sich zuerst anschließen sollte.

Blick durchs Mikroskop

Dieses Problem hatte die neunjährige Elaine nicht, die an der Hand ihrer Mutter und der großen Schwester einem Pulk hinterherlief, der sich in Richtung Großraumlabor des Arbeitskreises „Molekulare Genetik“ bewegte. Leicht kompliziert hörten sich die Ausführungen zu den „genregulatorischen Prozessen in einzelligen Krankheitserregern“ schon an, aber das ließ ein forscher Blick durchs Mikroskop auf unbefruchtete Froscheier rasch vergessen. Dann ging es „ab in die Dunkelkammer“, wo die Besucher die aufgeweckte Doktorandin Kiki kennen lernten, die ihnen am Bildschirm „fluoreszierende neuronale Stammzellen“ näherbrachte, die sie mit „richtig schick“ kommentierte. Das fanden auch die Besucher, weil die Gespinste und blitzartigen Formen in poppigen Farben daherkommen.

Weiter ging es ins „grüne Klassenzimmer“ in den Botanischen Garten. „Humulus lupulus“, auch Hopfen genannt, betrachteten sich dort schon die Kleinsten sehr aufmerksam, und machten unter weiteren Mikroskopen lockeres Gewebe in Blau, Ocker und wunderschönen Grüntönen aus. Die Struktur ließ sie an „Schlangenhaut“ und „einen gehäkelten Schal“ denken. Unter die Lupe wurden auch Teile des Wurmfarns und einer Kiefernnadel genommen. Vorbei an hohen Topfpflanzen, blühenden Wasserhyazinthen, Papyrus und Wassersalat gelangten die Besucher in die Gewächshäuser von Gärtnermeister Klaus Werner, der am Freitag aber als „Mister Perfect“ hinter dem Tresen der Tropenbar stand und Cocktails mixte. Seine Kollegen standen den Besuchern zu Stab- und Gespenstschrecken Rede und Antwort, doch erst einmal beugten sich alle über Schaukästen mit Schmetterlingen, Käfern, Hummeln und Fliegen.

Hummeln in Schaukästen

Andreas Schmunk hörte begeistert seinem Freund und Gärtner Oliver Weiß zu, der erzählte, wie rasch der Bambus im Sommer wächst. Fast 30 Zentimeter am Tag. Die beiden zündeten dann Kerzen an und setzten diese auf Glasschalen ins Becken des Wasserpflanzenhauses, wo auch Zebrabuntbarsche und Guppys schwimmen. Wie ein Profi hielt die elfjährige Melina einer Besucherin eine Dose zum Riechen unter die Nase. „Wie Zitrone“, sagte sie und öffnete auch schon die nächste. Spannend fand sie den Barfußpfad, denn „manches war matschiger als ich dachte.“ Mit ihren Geschwistern wollte sie am liebsten bis Mitternacht bleiben. Im Park indes lagen junge Leute auf Picknickdecken. Christian etwa, der seit 13 Jahren in Darmstadt lebt, aber zum ersten Mal im Botanischen Garten war. Die Besucher rückten Pflanzen ins rechte Licht, fotografierten, und erfreuten sich am garteneigenen Tigerkätzchen.

Bei dem renommierten Tierpräparator Berend Koch, der bei Weltmeisterschaften schon Medaillen einheimste, wunderten sich die Besucher über die erstaunliche Größe eines Kolkrabens, der in einer der Vitrinen steht. Viele Vögel wie den Unglückshäher oder die Blauelster sahen die Besucher zum ersten Mal, wie auch einen präparierten Wolf, der mit wachem Blick richtiggehend Angst einjagt. (eda)

Auch interessant

Kommentare