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Junge Mediziner sind gefragt

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Teilzeitmodelle sind gefragt, aber gerade im chirurgischen OP-Bereich kaum möglich.
Teilzeitmodelle sind gefragt, aber gerade im chirurgischen OP-Bereich kaum möglich. © Roman Grösser

Darmstädter Kliniken müssen sich ins Zeug legen, um ihre Assistenzarzt-Stellen zu besetzen. Sie werben mit guten Weiterbildungsangeboten und flexiblen Abrbeitszeiten.

Darmstädter Kliniken haben es zunehmend schwer, ihre Assistenzarzt-Stellen zu besetzen. Sie werben mit guten Weiterbildungsangeboten und flexiblen Arbeitszeiten um Nachwuchs.

Jan Heinrich (Name geändert) war mit seiner letzten Stelle unzufrieden. „Die Frustration war enorm, ich war kaum noch zu Hause vor lauter Überstunden“, erzählt der Assistenzarzt, der heute in einer Darmstädter Klinik arbeitet, in der das Arbeitsklima stimmt. Den Job zu finden, war nicht schwer: „Es gibt genügend Angebote.“ Ein Trend: „Noch vor zehn Jahren kamen 20 Bewerber auf eine Stelle, heute sind es fünf“, sagt Lars Bodamer vom Vorstand der Ärztegewerkschaft Marburger Bund in Frankfurt. „Es gibt viele freie Stellen an Kliniken“, bestätigt Christian Haffner vom Verein Junge hessische Allgemeinmedizin.

Immer mehr Frauen

Auf vielen Stationen sei die Arbeitsbelastung aufgrund des Ärztemangels enorm gestiegen. Hinzu kommt, dass die 40-Stunden-Woche oft mit Hilfe von internen Verträgen und Sondervereinbarungen unterlaufen wird. „Viele Überstunden werden auch einfach nicht aufgeschrieben oder von den Chefs akzeptiert“, sagt Haffner. Das Arbeitsklima sei zwar in den vergangenen Jahren besser geworden, aber in letzter Konsequenz hätten eben doch die Chefärzte das Sagen.

Das Alice-Hospital hat derzeit eine freie Assistenzarztstelle in der Chirurgie. „Unser Nachteil ist, dass wir keine volle Weiterbildungsberechtigung haben“, sagt der kaufmännische Geschäftsführer Richard Röhrig. Die jungen Ärzte müssten während der Ausbildung nach zwei Jahren die Klinik wechseln. „Das bedeutet oft auch einen Ortswechsel“, sagt Röhrig. „Auf lange Sicht haben wir ein Problem“, so seine Prognose. Der Arztberuf werde immer mehr zu einem Frauenberuf, die Arbeitszeiten seien jedoch selten familienfreundlich. Das Alice-Hospital versuche zwar, flexiblere Angebote zu machen. Doch dies gelinge nicht in allen Abteilungen. „Im chirurgischen OP-Betrieb ist es schwieriger als etwa auf der inneren Station.“

Dem stimmt Farzin Adili, Chefarzt der Chirurgie III im Klinikum zu: „Wir haben in der Gefäßchirurgie etwa 50 Prozent Notfalleingriffe am Tag.“ Bei ihm landet täglich eine Bewerbung auf dem Tisch, darunter viele von Frauen. Kein Wunder – sie machen etwa 60 Prozent der Studenten der Humanmedizin aus. Viele von ihnen sind nicht bereit, zugunsten der Karriere auf Kinder zu verzichten. Viele gingen deshalb nach dem Studium in die Industrie oder in die Forschung, weiß der Chefarzt. Das Klinikum nutzt den Vorteil, dass es als akademisches Lehrkrankenhaus Medizinstudenten im letzten Ausbildungsjahr betreut. „Wir zeigen uns da von unserer Schokoladenseite und machen ihnen attraktive Angebote“, sagt Adili. Denn Ärzte, die nach 1980 geboren sind, legen mehr Wert auf Freizeit, Familie und geregelte Arbeitszeiten – und nehmen dafür auch finanzielle Nachteile in Kauf . Begehrt sind bei den Assistenzärzten deshalb auch Teilzeitjobs. Doch die sind an vielen Kliniken immer noch rar.

Lars Bodamer rät Klinikchefs daher, den Nachwuchs etwa mit flexiblen Arbeitszeitmodellen und regelmäßigen Mitarbeitergesprächen zu überzeugen. (hin.)

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