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Junge gerät unter Straßenbahn

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Blaulicht: Polizei im Einsatz.
Blaulicht: Polizei im Einsatz. © dpa

Ein elf Jahre alter Junge gerät auf dem Luisenplatz unter eine losfahrende Straßenbahn, als er versucht die Kupplung zwischen Triebwagen und Anhänger zu überspringen. Er stirbt kurz danach an seinen schweren Verletzungen.

Bei einem Unfall mit einer Straßenbahn auf dem Luisenplatz am Donnerstagmorgen ist ein elf Jahre alter Junge ums Leben gekommen. Der Elfjährige war nach Polizeiangaben mit einem zweiten Jungen gegen 7.55 Uhr auf dem Luisenplatz vor dem Regierungspräsidium (RP) Richtung Luisencenter unterwegs gewesen. Die Jungs übersprangen nach ersten Erkenntnissen die Kupplung einer dort stehenden Straßenbahn. Die Bahn fuhr just in dem Moment an, als sich der Elfjährige zwischen Triebwagen und Anhänger befand. Er geriet unter den Anhänger.

Nach Auskunft der Feuerwehr hatten Passanten den Jungen bereits herausgezogen, als die 17 Einsatzkräfte am Unfallort ankamen. Obwohl der Notarzt den Jungen unmittelbar versorgte, verstarb das Kind noch an der Unfallstelle.

Der Fahrer der Straßenbahn erlitt laut Heag-Mobilo einen Schock, meldete aber noch selbst den Unfall an die Verkehrsleitstelle. Er werde psychologisch betreut, teilt Heag-Mobilo-Sprecher Lennart Sauerwald mit. Zeugen des Unglücks wurden im Regierungspräsidium von der Notfallseelsorge betreut. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt hat einen Sachverständigen mit der Klärung des Hergangs beauftragt. Die Straßenbahnstrecke wurde gegen 10 Uhr wieder für den Betrieb freigegeben, teilt Heag-Mobilo mit.

Sechs Tote in zehn Jahren

In den vergangenen zehn Jahren sind im Stadtgebiet insgesamt sechs Fußgänger oder Radfahrer bei Unfällen mit der Straßenbahn gestorben. Ein Anrufer in der Redaktion wies am Donnerstag darauf hin, dass andere Städte ihre Straßenbahnen mit Gummibändern ausstatteten, die das Übersteigen der Kupplung erschwerten. Nach einem tödlichen Straßenbahnunfall 2008 hatten SPD und Grüne in der Dadina-Versammlung beantragt, die Wagen so auszurüsten.

Heag-Mobilo wies damals daraufhin, dass diese Vorrichtungen keinen Schutz darstellten. Diesen Standpunkt vertritt das Unternehmen noch heute: „Es gibt kein effektives Hindernis, das Leute daran hindert, über die Kupplung zu klettern“, sagt Heag-Mobilo-Sprecher Sauerwald. Ketten böten gar eine Möglichkeit, sich festzuhalten, könnten also für Straßenbahn-Surfer ein Haltegriff sein. „Wir nehmen den Unfall zum Anlass für eine erneute Diskussion mit dem RP und gemeinsamen Runden mit den Frankfurter und Kasseler Verkehrsbetrieben.“

Ein 18 Jahre alter Berufsschüler, nach eigener Aussage am Donnerstagmorgen einer der Ersthelfer am Unfallort, beklagte in einer Mail an die Redaktion das Verhalten der anderen Zeugen. Trotz Hilferufe einer Passantin hätten viele keine Erste Hilfe geleistet, „sondern mit ihren Smartphones regelrecht im Weg“ gestanden und „Bilder des Verletzten gemacht“, schreibt er. (rwp)

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