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Der Angeklagte zeigte sich einsichtig und reuig.

Urteil

Jugendstrafe statt Arrest wegen Schlossgrabenfest-Krawallen

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Die Jugendstrafkammer des Landgerichts Darmstadt hat das Strafmaß gegen einen 19-Jährigen, der 2018 an den Schlossgrabenfest-Krawallen beteiligt war, verschärft.

Ein 19-Jähriger aus Mörfelden-Walldorf, der Anfang Mai vorigen Jahres an den gewaltsamen Ausschreitungen am Rande des Schlossgrabenfestes beteiligt war, ist am Dienstag von der Jugendstrafkammer des Landgerichts Darmstadt zu einer sechsmonatigen Jugendstrafe verurteilt worden. Die Bewährungszeit wurde auf zwei Jahre festgelegt. Zudem muss der junge Mann, der inzwischen als Büroassistent bei einer Firma in Langen festangestellt ist, eine Geldbuße von 1500 Euro an die Bärenherz-Stiftung in Wiesbaden zahlen, die er auch in zehn Raten überweisen kann. Überdies muss der Verurteilte an zwei Seminaren der Jugendgerichtshilfe zu den Themen „Rausch und Risiko“ sowie „Jugend und Gewalt“ teilnehmen.

Der 19-Jährige war Ende April als erster Randalierer der Schlossgrabenfest-Krawalle vom Amtsgericht Groß-Gerau zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden. Auch eine Geldstrafe sowie die Teilnahme an einem Antiaggressionskurs sah das Gericht vor. Gegen das Urteil hatte jedoch die Staatsanwaltschaft Darmstadt Rechtsmittel eingelegt, sodass am Dienstag die Berufungsverhandlung vor der Jugendstrafkammer des Landgerichts stattfand.

Staatsanwalt Alessandro Di Maria sagte in seinem Plädoyer, er halte eine Jugendstrafe „aus erzieherischer Sicht für angemessen“. Di Maria sagte, er sei auch mehr als einem Jahr nach den gewaltsamen Krawallen noch immer entsetzt, wie mit den Flaschenwürfen das Leben von Menschen gefährdet worden sei.

Nach Angaben von Innenminister Peter Beuth (CDU), der kürzlich zwei Anfragen des Landtagsabgeordneten Hermann Schaus (Die Linke) beantwortet hat, wurden Polizisten in den frühen Morgenstunden des 3. Juni 2018 im Herrngarten „völlig unvermittelt körperlich angegriffen und mit Glasflaschen beworfen“. Hierbei habe es sich „nicht um vereinzelte Würfe, sondern um den flächendeckenden und mitunter gezielten Bewurf mit mehreren Hundert Glasflaschen“ gehandelt. Die Einsatzkräfte seien durch einen Teil der in dem Park anwesenden Menschenmenge „einer grundsätzlich aggressiven und polizeifeindlichen Haltung ausgesetzt“ gewesen. Durch eine „spontane Solidarisierung“ seien bis zu 300 Personen „gemeinsam und ohne jede Rücksicht gegen die Polizei vorgegangen“. Laut Innenminister wurden bei den Ausschreitungen zudem mehr Polizisten verletzt als bisher bekannt. Bislang hatte es geheißen, 15 Beamte seien bei den Krawallen verletzt worden, Beuth sprach von 22 verletzten Polizisten, davon zwei durch Bisse eines Polueihundes. Von 157 eingeleiteten Ermittlungsverfahren wurden laut Beuth 127 eingestellt. In 29 Fällen wurde Anklage erhoben, in einem Fall der Erlass eines Strafbefehls beantragt.

Der Angeklagte zeigte sich am Dienstag abermals einsichtig und reuig. „Ich will so etwas nie wieder erleben“, versicherte er. Das sei „komplett unnötig“ gewesen. Er gab zu, an jenem Sonntag etwa anderthalb Flaschen Wodka und bis zu zweieinhalb Liter Bier getrunken zu haben, was einem Alkoholwert von mehr als drei Promille entsprach.

Der Vorsitzende Richter Marc Euler wählte in seiner Urteilsbegründung deutliche Worte: „Der Herrngarten ist kein Kriegsgebiet“, und „dort darf es auch keine bürgerkriegsähnlichen Zustände geben“, mahnte er. Einen zweiwöchigen Jugendarrest hielt er für „nicht angemessen“. Der 19-Jährige der im vorigen Jahr noch arbeitslos war, sei zwar „auf einem guten Weg“. Dennoch dürfe er sich „nichts mehr erlauben“.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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