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Auch diese Dampflok ist in Kranichstein zu sehen.

Eisenbahnmuseum

Neues Heim für alte Waggons

Für 190.000 Euro saniert das Darmstädter Eisenbahnmuseum die Wagenhalle von 1910.

Nach sieben Jahren Bauzeit steht sie nun wieder, die Wagenhalle aus dem Jahre 1910. Nach Originalplänen aus der Bahnmeisterei wurde die immerhin hundert Meter lange, zwölfeinhalb Meter breite und mit einer Firsthöhe von acht Metern aufwartende, offene Halle wieder ihrer Bestimmung übergeben. Stilecht wurde das rotweißrote Band zu ihrer Eröffnung nicht schnöde aufgeschnitten, sondern per rückwärts fahrendem Dampfzug vorsichtig aufgefahren.

Sturm zerstört 2002 das Dach

Für den Gründer und Vorsitzenden des Vereins Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, Uwe Breitmeier, war dieser Termin reines Vergnügen. In einer Uniform aus der Zeit der Königlich-Preußischen Staatsbahnen vor dem Ersten Weltkrieg nutzte er die Eröffnung zu einem kurzen Rückblick. Bis 1990 hatte noch die Deutsche Bundesbahn die Halle genutzt, und zwar als Außenstelle des Bahnausbesserungswerkes auf der Knell. „2002 kam dann Lothar“, so Breitmeier. Mit diesem Namen war damals ein Sturmtief bezeichnet, das der maroden Wagenhalle einen Teil des Daches wegriss und sie insgesamt unbrauchbar machte. Ein Gutachten kam zu dem Schluss, es brauche rund 40?000 Euro, das Dach statisch wiederherzustellen und neu zu decken. „Damals für einen Verein wie den unseren nicht zu stemmen“, sagte Breitmeier.

2006 jedoch wurde anderes möglich. Mit Eigenkapital (zu 80 Prozent), dazu vielen Kleinspenden und einer Großspende über 10?000 Euro von der HSE-Stiftung, hat man es über letztlich sieben Jahre peu à peu geschafft, das Projekt mit einem Investitionsvolumen von rund 190?000 Euro abzuarbeiten. Zupass kam dem Verein das Angebot von Andreas Heck und seiner Firma „Sprengwerk“, als „Sanierungspartner“ (Breitmeier) die gesamte Holztragekonstruktion zu errichten.

Sieben Jahre Bauzeit

Unter der Regie von Projektleiter Jürgen Weber wurde in fünf Abschnitten die hundert Meter lange Halle wieder aufgebaut – ganz nach dem alten Vorbild. Einziger Unterschied: Aus dem Holzdach mit Dachpappe wurde ein Trapezblechdach. Und mit diesem könne man auch noch was anderes anstellen, so Karl-Heinz Holub von der „Bahnwelt Darmstadt Kranichstein“. Es werde überlegt, so Holub und Breitmeier, die Dachfläche eventuell zu vermieten an einen Nutzer, der dort oben eine Solaranlage betreiben möchte.

Hauptsache aber, es können die wertvollen Waggons aus der Sammlung des Museums mal wieder unter Dach geparkt werden. Obwohl man eigentlich, so Breitmeier, 1500 Meter überdachte Gleise bräuchte für die vorhandene Wagenmenge. Wer dies oder Teile davon finanzieren könne, darüber werde intensiv nachgedacht, sagte der Vereinsvorsitzende.

Die EU habe man vergeblich gefragt. Aber wenn man einen neuen, europäischen Ansatz fände für ein Technik- und Zugmuseum mit Wagen aus zehn Ländern – dann sähe man reelle Chancen auf Förderung. „Aber das dauert“, weiß er nur zu genau – hat er doch gerade sieben Jahre Warten auf die Wagenhalle hinter sich. (phg.)

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