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Jedes Stück ein Unikat

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Bastelstunde: Beim Werkeln mit Robinie und Co. assistiert Waldpädagoge Peter Fischer (rechts).
Bastelstunde: Beim Werkeln mit Robinie und Co. assistiert Waldpädagoge Peter Fischer (rechts). © Claus Völker

Mitarbeiter des Forstamts zeigt, wie aus Grünholz Gartenmöbel werden.

Im Garten des Waldpädagogen Peter Fischer sieht es aus wie in einer Schreinerwerkstatt. An der Ludwigshöhstraße baut er mit Kindern und Erwachsenen Möbel aus Grünholz, das heißt aus frisch gefälltem Holz - ein Angebot vom Forstamt Darmstadt. "Holz ist der wichtigste nachwachsende Rohstoff", informiert er gleich zu Beginn über das Material. Und er ermutigt zu Kreativität beim Bauen.

Barbara Heide ist mit Marvin (9) und Celina (7) dabei. Als erstes wurden zehn Meter Holz geholt. "Robinie, frisch gesägt hier im Forst", erzählt sie. Die drei bauen eine Garderobe für den Garten. "Das ist nicht das letzte Stück, das ich gebaut habe, so viel steht fest", sagt Heide.

Schrauben sind nicht nötig

Das helle, entrindete Holz der Robinie lädt zum Anfassen ein. Zapfen drechseln, Löcher bohren, Verbindung herstellen, Holzdübel zur Sicherung einfügen - Heide macht das gern. "Und diese Verbindung von frischem und trockenem Holz wird bombenfest", attestiert Fischer. Schrauben oder Winkel werden nicht gebraucht.

"Hier geht jeder raus mit einem Erfolgserlebnis", sagt der Waldpädagoge. Das Holz der Robinie sei gut für solche Anfangsprojekte. Genommen würden auch Haselnuss, Birke, Esche oder Eiche, bei letzterer auch Stücke, die länger im Wald lägen und schon ausgetrocknet seien. "Aber mit Grünholz zu arbeiten geht am einfachsten." Und man brauche auch keine voll ausgestattete Werkstatt. Nur ein paar wichtige Dinge. Die richtigen Sägen, Beile, Handbohrer, Messer, Bohrmaschinen mal mit Drechselaufsatz, mal mit dem besonders dicken Forstnerbohrer.

Klaus Böhmer baut sich einen Lehnstuhl mit natürlich geschwungenen Armlehnen. Der Grafiker geht exakt an die Sache ran. "Aber kein Vergleich mit meinem Beruf. Da muss ich an den hundertstel Millimeter denken, da ist das hier ein wunderbarer Ausgleich." Sein Wildholzstuhl soll im Garten stehen.

Böhmer hat auch schon andere Möbel gebaut. Geht mit Kennerblick raus. "Wenn man mal anfängt, sein Auge zu schärfen", sagt er, "dann kann man gar nicht mehr einfach so durch den Wald gehen. Man sieht dauernd und überall Baumaterial". Peter Fischer nickt. "Ich bring mir von jedem Urlaub Hölzer als Fundstücke mit. Ganz toll sind Schwemmstücke." Gefischt aus Fluss und Meer. Die bekommen ihren speziellen Rundschliff.

Natürliche Lasur

Zwischen den Möbelbauern, inmitten von Staub und Maschinen, streift Conrad durch die Freiluftwerkstatt. Peter Fischers Hund, ein kleiner Münsterländer. Karin Oppel und Sohn Gideon (9) bauen an einer Pyramide. Vielleicht wird sie noch bespannt, dann ist es eine Art Lichtzelt, das im Garten stehen kann.

Böhmer könnte sich für seinen Stuhl eine Lasur vorstellen. "Leinöl ist hervorragend geeignet", wirft Peter Fischer ein. Ob behandelt oder nicht: "Hier kann man erleben, wie schön Holz ist", schwärmt der Waldpädagoge. Jeder nehme sein Werkstück mit nach Hause. Nichts von der Stange. Jedes ein Unikat. (phg)

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