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„Jede eingesparte Kilowattstunde zählt in Darmstadt“

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Von: Annette Schlegl

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„Gas sparen“ lautet die Devise bei der Stadt Darmstadt. Das soll aber auch von den Bürgern und Bürgerinnen beherzigt werden.
„Gas sparen“ lautet die Devise bei der Stadt Darmstadt. Das soll aber auch von den Bürgern und Bürgerinnen beherzigt werden. © Renate Hoyer

Darmstadts OB Jochen Partsch (Grüne) hat den Stadtverordneten in einer aktueller Stunde das Vorgehen bei einer erwarteten Gaskrise vorgestellt.

Wie ist Darmstadt gerüstet, falls die Notfallstufe für die Gasversorgung ausgerufen wird? Das war das Thema einer aktuellen Stunde, die der fraktionslose Stadtverordnete Helmut Klett für die Parlamentssitzung am Donnerstag beantragt hatte. Die Sorge ist groß, dass es zu einem Gas- und Strommangel kommt. Die Stadt suche aktuell nach Möglichkeiten, um 20 Prozent weniger Gasverbrauch zu erreichen, erklärte Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne). In der Bevölkerung sei aber die Erkenntnis, „dass wir in einen kalten, dunklen Winter geraten“, bisher kaum angekommen.

Industrie ohne Gas bedeutet für viele Menschen in Darmstadt Arbeitslosigkeit

Laut Partsch werden in Darmstadt mehr als 50 Prozent der Heizungen mit Gas betrieben. Rund 85 Prozent der Gasverbraucher seien Privatpersonen und Krankenhäuser, die im Notfallplan Gas besonders geschützt sind und somit nach Möglichkeit bis zuletzt mit Gas versorgt werden. Es sei aber auch zu verhindern, dass Industrie- und Gewerbebetriebe ihre Produktion drosseln oder einstellen müssen. Die mittelständische Industrie brauche Gas für ihre Prozesse, sagte Paul Georg Wandrey (CDU). „Wenn sie kein Gas hat, geht sie kaputt und Tausende rutschen in die Arbeitslosigkeit.“ Deshalb zähle, so der OB, jede eingesparte Kilowattstunde. „Spätestens im Lauf des Herbstes oder Winters wird die Notfallstufe Gas wahrscheinlich“, orakelte er.

Am Freitag tagte eine Taskforce „Kommunale Energieversorgung“, die sich am Dienstag konstituiert hatte. Darin sitzen Vertreter von allen Ämtern und von den städtischen Tochterunternehmen, aber auch Vertreter des Energieversorgers Entega, des Verkehrsunternehmens Heag mobilo und des Bauvereins. Laut Partsch wählten die Mitglieder aus 19 möglichen Vorgehensweisen, die der Deutsche Städtetag vorgeschlagen hatte, mehrere Schritte aus, die kurz- und mittelfristig wirken könnten.

Sogar Badschließungen sind in der Gaskrise in Darmstadt möglich

Bis Ende kommender Woche werde der Eigenbetrieb Bäder einen Plan vorstellen, der „vom Absenken der Beckentemperatur bis zum Schließen von Bädern reicht“, so der OB. Wo möglich, werde das Warmwasser in öffentlichen Gebäuden abgestellt, sie werden außen auch nicht mehr beleuchtet. Außerdem wird die Raumtemperatur in Verwaltung, Kitas und Schulen um zwei Grad gesenkt, genauso wie die Temperatur in Sporthallen. Der Magistrat werde auch mit großen Immobilienbesitzern, dem Einzelhandel, der Gastronomie, der Hotellerie und der IHK Gespräche führen. Anne Marquardt (SPD) regte an, die Taskforce solle auch mit Vertretern freier Wohlfahrtspflege zusammenkommen.

„Zur Wahrheit gehört: Wir fahren auf Sicht“, sagte Leif Blum (FDP). Solche Modelle seien niemals in der Praxis erprobt worden. Ob die anvisierten Ziele erreicht werden, sei „Glaskugel- und Kaffeesatzleserei“.

Das Klinikum Darmstadt hat eine eigene Taskforce Energieversorgung eingerichtet, die nach Wegen sucht, weniger heizen und kühlen zu müssen. Sie prüft auch, wie andere Energieträger eingesetzt werden können.

Mehr als die Hälfte aller Heizungen werden in Darmstadt mit Gas betrieben.
Mehr als die Hälfte aller Heizungen werden in Darmstadt mit Gas betrieben. © dpa

„Die Stadt wird auf keinen Fall dem Vorbild Kassels folgen und jedem Einwohner 75 Euro Energiegeld zahlen“, sagte der Oberbürgermeister. Das sei „ein völlig falsches Signal“. Die Kommunen könnten diese Unterstützung finanziell nicht leisten, der Bund sei da gefragt.

Einstimmig beschloss das Parlament aber, einkommensschwachen Haushalten künftig maximal 600 statt 500 Euro Zuschuss für die Anschaffung energieeffizienter Kühlgeräte zu gewähren. Auch Tiefkühlgeräte werden jetzt mit dieser Summe bezuschusst. Die Eigenbeteiligung liegt in beiden Fällen bei 75 Euro. Für moderne Wärmepumpentrockner werden maximal 250 Euro gewährt.

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