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Elf JahreHölle

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Wenn zu Hause nur noch die Angst wartet

Wenn M. von ihrem Mann erzählt, kommen ihr die Tränen, das Sprechen fällt ihr schwer. Die 35-Jährige kommt aus dem Kosovo. Elf Jahre lang hat sie die Hölle erlebt. Der hübschen Frau mit den grünen Augen sieht man nicht an, wie sie unter den Schlägen, den Demütigungen, den Wutausbrüchen, dem Terror ihres Mannes gelitten hat. Ihre beiden Jungs, der große 13, der kleine dreieinhalb, sind ebenfalls traumatisiert. Erst seit einem halben Jahr kann der Kleine richtig kauen und schlucken. Sprechen tut er nicht.

M. ist zwar in Deutschland geboren worden, hat aber ihre Schulzeit im Kosovo verbracht. Sie war 16 als sie ins Rhein-Main-Gebiet zurückkam, ein ungünstiger Zeitpunkt. Für die Familienzusammenführung hätte sie das 16. Lebensjahr nicht vollendet haben dürfen, sie bekam Probleme mit ihrem Aufenthaltsstatus.

Ehemann prügelt im Suff

„Deswegen konnte ich keine Ausbildung machen“, erzählt sie. Erst mit 20 bekam sie eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Eine Bäckerei gab ihr eine Festanstellung. Alles lief gut – bis ihre Eltern sie plötzlich verheiraten wollten. Dabei waren ihre Eltern zwar Muslime, aber nicht strenggläubig. „Ich musste kein Kopftuch oder bestimmte Kleidung tragen“, berichtet M. „Sie haben nicht verboten, dass ich in die Stadt gehe, Verwandte oder Freunde besuche oder Besuch bekomme.“ Der Junge sei gut und sie habe ihn ja auch schon mal kennengelernt, hieß es. „Ich hab gesagt, dass ich das nicht will“, erzählt M. Sie hatte keine Chance.

M. war eine selbstständige junge Frau, die ihren Lebensunterhalt verdiente und in einer schönen Wohnung lebte. Dann zog ihr Mann ein. Er entpuppte sich als Spieler und Alkoholiker, verzockte ihr Gehalt, so dass sie oft nicht wusste, wo sie die Miete hernehmen, wovon sie etwas zu essen kaufen sollte.

Sechs Wochen nach der Geburt ihrer Kinder ging sie wieder arbeiten – in großer Sorge, weil sie wusste, dass ihr prügelnder Ehemann unfähig war, auf die Kleinen aufzupassen. Im Suff versuchte er, die Kinderzimmertür einzuschlagen, hinter der sich die Mutter mit ihren Söhnen verbarrikadiert hatte. Nie wusste M., in welchem Zustand er nach Hause kommen würde. Sie hatte nur noch Angst.

Eine Anwältin riet ihr schließlich, sich ans Frauenhaus zu wenden. Als sie ging, war das ein Abschied auch von ihren Eltern. Sie halten zum Mann, haben die eigene Tochter verstoßen. „Ich war froh, dass ich endlich ohne Angst schlafen konnte“, erinnert sich M. „Ich konnte in Ruhe essen, ohne angeschrien zu werden.“ Auch die Kinder hatten endlich Ruhe.

Inzwischen lebt sie mit den Söhnen wieder allein. Sollten Eltern und Ex-Mann sie ausfindig machen, will sie sich wehren. Diesen Terror werde sie nicht mehr zulassen. ( rwb)

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