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Jagd auf Wildschweine

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Völlig durchwühlt haben Wildschweine dieses Feld.
Völlig durchwühlt haben Wildschweine dieses Feld. © karl-heinz bärtl

Nachts sind sie besonders aktiv. Da durchpflügen Rotten in Ober-Ramstadt Wiesen und Felder. Den Schaden haben die Landwirte. Und die Jäger schießen, was sie können.

Immer wieder durchpflügten Wildschweine in den vergangenen Jahren ganze Felder und Wiesen und hinterließen anschließend ein Bild der Verwüstung. Die Stellen mit aufgeworfenen Grasnarben, die der Ober-Ramstädter Landwirt Sven Hehn den Jagdpächtern Karlheinz Jayme, Hermann Tietjen und Klaus Venrooy vorführt, scheinen dagegen ein Klacks.

„Aber schon der kleinste Brocken Erde, der mit dem Gras dann in die Silage gerät, mindert die Qualität“, ärgert sich Hehn, der für seinen Milchviehbetrieb auf das Grünfutter angewiesen ist. Zumal die Sauen immer öfter auf Wiesen auftauchen, wo sie nie zuvor waren. Dann aber oft gleich zwei- oder dreimal im Jahr.

Hehn will es einfach nicht in den Kopf, dass anscheinend jeder gegen die Borstenviecher machtlos ist. „Wir schießen, was wir können“, erklärt Tietjen. „Aber auch nur eine Sau zu kriegen, ist schon eine Leistung“, fügt Jayme hinzu. Denn das Bejagen der Tiere ist schwierig. Erst bei völliger Dunkelheit, wenn der Jäger nichts mehr sieht, kommen sie rottenweise auf der Suche nach Engerlingen, Mäusen und anderen Eiweißlieferanten aus den Wäldern und legen in einer Nacht manchmal 30 bis 40 Kilometer zurück. Wo es wirklich einmal knallt, tauchen die schlauen Allesfresser so schnell nicht wieder auf. Deshalb bringen Lockfütterungen nicht viel. Geschossen werden sollen vor allem Frischlinge und Überläufer, also der Nachwuchs. Geschont werden müssen die Leitbachen, die Rottenführerinnen. Denn beim Schwarzwild halten nicht die Keiler, die männlichen Tiere, die Gruppe zusammen, sondern dominante Muttertiere. Wer die Leitbache erlegt, macht die Rotte kopflos und zu einem wilden Haufen.

Bauer Hehn ist fassungslos

Gelegentlich tauchen die Wildschweine auch tagsüber auf. „Im September stand ich auf der Wiese am Häcksler, als gleich 16 Stück direkt an mir vorbei rannten“, berichtet Landwirt Hehn. Auch dass die Population dermaßen zugenommen hat, macht ihn fassungslos: „Als ich vor 20 Jahren anfing zu mähen, gab es hier überhaupt keine.“

Das seit Jahren gute Nahrungsangebot fürs Schwarzwild ist einer der Gründe für die rasante Zunahme. Immer mehr Maisfelder, dazu Buchen- und Eichenmast in Folgejahren deckten üppig den Tisch. Darauf reagieren die Tiere, indem sie sich stärker vermehren. „Dieses Jahr gibt es kaum Bucheckern und Eicheln und damit hoffentlich auch weniger Nachwuchs“, hoffen die Jäger.

Für Hehn ist das ein schwacher Trost, hat er doch etliche seiner Wiesen mit Spezialmaschinen ausbessern lassen müssen. Sie zerkleinern in einem Gang die gelöste Grasnarbe, säen neu ein und walzen den Boden – eine teure Angelegenheit.

„Ein Hektar umgebrochener Mais oder Wiese kostet rund 1000 Euro“, sagen die Weidmänner. Denn an sie als Jagdpächter reicht der Landwirt die Rechnung weiter. Versichern können sie sich gegen die Schäden nicht, müssen immer aus der eigenen Tasche zahlen. Hehn befürchtet, dass mancher Jäger womöglich „den Kram hinschmeißt“. Wie in anderen Revieren, wo die Ausgleichskosten für Wildschweinschäden gelegentlich schon höher waren als die Jagdpacht: „Eines Tages stehen wir Landwirte da und finden keine Pächter mehr.“ ( eda)

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