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Immer der Nase nach

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Trailer-Hunde bei Polizei auf Spurensuche in Mörfelden.
Trailer-Hunde bei Polizei auf Spurensuche in Mörfelden. © Volker Dziemballa

Hunde helfen der Polizei bei der Suche nach Autoknackern. Die Tiere kommen von der anderen Rheinseite. In Rheinland-Pfalz gibt es nämlich, anders als bei der hessischen Polizei, drei Personenspürhunde.

Beweise sichern, Zeugen befragen, observieren, rekonstruieren – so sieht die Ermittlungsarbeit bei der Rüsselsheimer Kriminalpolizei in den allermeisten Fällen aus. Manchmal kann sie aber auch darin bestehen, stundenlang im strömenden Regen einem Hund hinterher zu laufen.

Kimba und Claude sind ausgewiesene Spezialisten für das Aufspüren von Personen und helfen den regennassen Ermittlern, bei der Aufklärung einer Serie von Autoaufbrüchen in Mörfelden weiterzukommen. 36 Mal hatten die Täter am Dienstag vergangener Woche zugeschlagen. Rund um den Mörfelder Bahnhof waren Scheiben am Straßenrand geparkter Autos zertrümmert worden. „In einem der Autos fehlte gerade mal ein Päckchen Hustenbonbons“, berichtet Kriminaloberkommissar Roland Pohl. Das eigentliche Problem für die Ermittler ist in diesem Fall ohnehin ein anderes: Obwohl sich der oder die Täter an drei Dutzend Autos zu schaffen machten, hat offenbar niemand etwas gemerkt und der Polizei gemeldet. So lässt sich auch die Tatzeit nur grob auf 23 Uhr bis 6 Uhr eingrenzen.

Zumindest einen Ansatzpunkt hatten die Beamten. Offenbar zog sich ein Täter bei der Aktion eine größere Schnittwunde zu. So groß, dass an mehreren Tatorten Blutspuren sichergestellt werden konnten.

Anlass genug für die Ermittler, nach Amtshilfe von der anderen Rheinseite zu fragen. In Rheinland-Pfalz gibt es nämlich, anders als bei der hessischen Polizei, drei Personenspürhunde. Deren Geruchssinn ist besonders darauf trainiert, menschliche Gerüche, durch Sekrete, Hautschuppen oder eben Blut aufzunehmen und sie als Spur zu verfolgen. Und wie Kimba und Claude eindrucksvoll beweisen, gelingt ihnen das auch noch nach fast einer Woche Schmuddelwetter.

Spaß an der Arbeit erhalten

„Stellen sie sich vor, sie zerbröseln jetzt ein Stück Styropor. Dann kommen sie nach drei Tagen Wind und Wetter wieder und sollen dann anhand der Krümel sagen, wo der Ausgangspunkt war“, verbildlicht Hundeführerin und Polizeikommissarin Jamie Mongeau die Herausforderung, der sich ihr Kollege, der Coonhound Claude bei fast jedem Einsatz stellen muss.

Polizeioberkommissar Kai Fischbach aus Koblenz legt seinem Schweißhund-Rüden Kimba das Geschirr an, an dem eine besonders lange Leine befestigt ist. Für Kimba ist das das Zeichen: Es geht gleich los. Das Tütchen mit einem der Blutspurenträger wird dem Hund an die Schnauze gehalten. Schnell wird klar, warum die Leine so lange sein muss. Gerade bei Einsätzen wie dem in Mörfelden sind die Hundeführer dann auch gleichermaßen dazu da, den Hund und sein Verhalten zu beobachten, wie auch für dessen Sicherheit zu sorgen. Die sind während der Suche ganz auf ihre Spur fixiert, wechseln immer wieder die Straßenseite, laufen in Hofeinfahrten und zeichnen so den Weg nach, den der Täter genommen hat.

„Das kann manchmal ein wichtiger Anhaltspunkt sein“, erklärt Mongeau. Zum Ende der Suche sind die Hunde knapp sechs Kilometer abgelaufen. Die Routen der Hunde, die zu beiden Bahnsteigen führten, stützen die Vermutung der Ermittler, dass der Täter mit dem Zug kam und sich dann entgegen dem Uhrzeigersinn durch die Straßen „arbeitete“ – zumindest eine Erkenntnis mehr in dem sehr schwierigen Fall.

Aus Sicht der beiden Hunde ist das Ergebnis natürlich enttäuschend. „Claude will ja jemanden finden – dafür ist er trainiert“, erklärt Mongeau. Sie und Kollege Fischbach bieten den Hunden deshalb später sogenannte Bestätigungsfährten. Suchen mit eingebautem Erfolgserlebnis, die den Hunden schließlich den Spaß an ihrer Arbeit lebendig halten. (eda)

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