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Imam stellt sich gegen Terror

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In der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde trafen sich am Freitag gläubige Muslime.
In der Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde trafen sich am Freitag gläubige Muslime. © Hirtz

Beim Freitagsgebet in den Darmstädter Moscheen war der Terroranschlag islamistischer Extremisten in Paris ein zentrales Thema. Iman Athar Sohail betonte: „Was in Paris geschehen ist, ist der islamischen Lehre diametral entgegengesetzt“.

„Machen wir uns ein Bild von der Verhaltensweise unseres geliebten Propheten“, erklärt Athar Sohail, und rund 200 Zuhörer – kleine Jungen, Jugendliche und Männer – murmeln auf Arabisch: „Sallallahu Aleihi wa Salam“ – „Mögen Allahs Segen und Frieden auf ihm sein.“ „Denn er“, fährt der Imam der Darmstädter Ahmadiyya-Gemeinde fort, „ist uns das beste Beispiel.“

So beginnt der 24 Jahre junge Religionsgelehrte und Vorbeter der Gemeinde seine kurze Ansprache, mit der das Freitagsgebet in der Nuur-ud-Din-Moschee in der Haasstraße eröffnet wird. Sohail lässt keinen Zweifel daran, dass seine Rede im Zeichen der jüngsten Ereignisse in Paris steht – und dass er aus den überlieferten Handlungen Mohammeds sowie aus Koranversen eine Haltung zu dem Blutbad ableiten will, das im Namen des Islams verübt wurde.

Auch Mohammed sei zu seiner Zeit oft verspottet worden, sagt der Imam mit Blick auf die islamkritischen Karikaturen, die in der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlicht wurden. Er schildert den Fall einer Bewohnerin Mekkas, die den Propheten mehrfach mit Müll beworfen habe. Als dies irgendwann ausblieb, weil sie erkrankt war, habe Mohammed sie gesundgepflegt. „Mit Geduld, Standfestigkeit und mit Gebeten“ sollten Gläubige auf Spott reagieren, betont Sohail. Von einer gewaltsamen Reaktion sei nirgendwo die Rede. „Was in Paris geschehen ist, ist der islamischen Lehre diametral entgegengesetzt.“

Dabei seien gläubige Muslime durch die deftigen Mohammed-Karikaturen, die in der Satirezeitschrift erschienen, „beleidigt und betroffen“ gewesen, räumt Athar Sohail am Rande der Veranstaltung ein. „Aber nur Extremisten, eine ganz kleine Minderheit, spielen sich als diejenigen auf, die die Ehre des Propheten verteidigen müssen.“

Ditib-Vorsitzender bestürzt

„Ich bin fassungslos“, erklärt Fuat Kurt angesichts der Nachrichten aus Frankreich. „Man ist sprachlos angesichts einer solchen Kaltblütigkeit. Das ist sehr deprimierend. Niemand darf im Namen einer Religion so etwas tun.“

Als Landesvorsitzender der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion, kurz Ditib, ist es der Darmstädter Ingenieur gewohnt, auch in schwierigen Situationen die passenden Worte zu finden. „Wir müssen zusammenhalten“, erklärt Kurt, der seit Jahren den Darmstädter Ortsverein mit Sitz in der Riedstraße leitet. Die Ditib hat sich jederzeit für eine freiheitlich-demokratische Gesellschaft eingesetzt. „Dies ist ein gesellschaftliches Problem. Wir müssen uns Gedanken machen, warum sich junge Männer radikalisieren, die hier zur Schule gegangen und mit diesen Werten aufgewachsen sind.“

Kurt wehrt sich dagegen, das Problem allein bei Muslimen zu suchen. „Es ist keine Lösung, wenn die Nicht-Muslime sagen, wir haben damit nichts zu tun. Die Radikalisierung hat oft ganz andere Gründe als die Religion. Wir müssen die Quellen finden.“ In der jetzigen erregten Atmosphäre plädiert Kurt dafür, „den Ball flach zu halten und nicht gleich in Panik zu geraten“.

Mit Karikaturen, wie sie in „Charlie Hebdo“ erschienen sind, die den Propheten Mohammed kritisieren oder verspotten, hat auch der gläubige Muslim Fuat Kurt Probleme. „Diese Karikaturen waren meiner Meinung nach nicht angemessen“, sagt er. „Es herrscht zwar Meinungsfreiheit, aber das war nicht so schön – das ist meine persönliche Meinung. Aber dafür gibt es Gesetze. Es geht nicht, dass jemand Selbstjustiz übt – was wäre das für eine Gesellschaft? Diesen grausamen Terroranschlag kann man damit nicht rechtfertigen.“ (bad)

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