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ICE-Trasse: Seltener Käfer in Darmstadt beschäftigt die Bahn

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Von: Claudia Kabel

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Ein Großer Eichenbock, auch Heldbock genannt: Dieses Exemplar soll am westlichen Rand von Darmstadt fotografiert worden sein.
Ein Großer Eichenbock, auch Heldbock genannt: Dieses Exemplar soll am westlichen Rand von Darmstadt fotografiert worden sein. © Westwaldallianz

Kommt ein vom Aussterben bedrohter Käfer der ICE-Tass in den Weg? Der Heldbock war jetzt auch Thema auf der 15. Sitzung des Beteiligungsforums zur ICE-Neubaustrecke Mannheim-Frankfurt. 

Kürzlich hat die Westwaldallianz mitgeteilt, dass der Nachweis eines vom Aussterben bedrohten Käfers im Darmstädter Westwald erbracht wurde und dies die geplante ICE-Neubaustrecke von Mannheim nach Frankfurt tangiere. Mitglieder hätten nachgewiesen, dass es nicht nur an den Stieleichen am Mozartturm einen Besatz mit dem Insekt Heldbock beziehungsweise Großer Eichenbock (Cerambyx cerdo) gebe, sondern auch in einer Stieleiche am „Memory Field“ direkt an der Eschollbrückerstraße. Dort soll die ICE-Anschlussstrecke des Darmstädter Hauptbahnhofs verlaufen.

Der Große Eichenbock habe den Schutzstatus „streng geschützt“. Dokumentiert hätten Aktivisten im Juli 2021 nicht nur die Bohrlöcher und das Bohrmehl der Larven, sondern auch einen lebendigen Käfer, heißt es in einer Mitteilung.

Deutsche Bahn: Heldbock-Vorkommen seit über zehn Jahre bekannt

Der Heldbock war jetzt auch Thema auf der 15. Sitzung des Beteiligungsforums zur ICE-Neubaustrecke. Die Deutsche Bahn griff Berichte über das Vorkommen im Westwald auf und teilte mit: „Nachweise zum Vorkommen dieser geschützten Art liegen der Bahn aufgrund eigener Erhebungen bereits seit über zehn Jahren vor.“ Das Vorkommen werde im Rahmen der Planfeststellung behandelt. Weiter informierte die Bahn darüber, dass sie im Pfungstädter Wald südlich der Eschollbrücker Straße 16 000 Jungbäume gepflanzt habe.

Die Westwaldallianz hatte im Februar kritisiert, dass eine Anfrage ihrerseits bei der Stadt zum Heldbock unbeantwortet geblieben sei. Zudem habe Hessenforst entlang der Eschollbrücker Straße im „großen Umfang“ Waldpflegemaßnahmen durchgeführt und zahlreiche Bäume gefällt – auch Eichen. Es sei fraglich, ob die Bäume zuvor auf einen Besatz mit dem Heldbock geprüft worden seien.

Westwaldallianz dokumentiert auch Hirschkäfer an der Eschollbrücker Straße

Dabei verstärke der ebenfalls im nördlichen Westwald dokumentierte Fund eines Hirschkäfers die Bedeutung der Eichenbäume an der Eschollbrücker Straße für den Schutz bedrohter Insektenarten.

Dass der Käfer schützenswert ist, ist bei der Stadt bekannt. Im Januar ließ sie deshalb als Ersatzpflanzung für den Brückenneubau in der Rheinstraße in einem nahe gelegenen Grünzug zwischen Maria-Goeppert-Straße und Robert-Bosch-Straße unter anderem sechs Stieleichen pflanzen. Grund: „Im Grünzug kommt der sehr seltene Eichenheldbock vor. Dieser Käfer ist vom Aussterben bedroht und steht auf der roten Liste gefährdeter Arten. Die Stieleichen dienen dem Käfer langfristig als Nahrungsgrundlage“, teilte die Stadt mit.

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