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Susanne Auslender hat die Vorlage für den Naturpur-Award in Holz geschaffen.
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Susanne Auslender hat die Vorlage für den Naturpur-Award in Holz geschaffen.

Naturpur-Award

In Holz gefräste Lebenslust

Susanne Auslender hat den "Sonnenkollektor", das fröhliche Männchen im roten Anzug, mit der Kettensäge gestaltet. In Bronze wird er jährlich als Naturpur-Award verliehen. Von Astrid Ludwig

Von ASTRID LUDWIG

Ihr Atelier liegt versteckt. Nur die unbearbeiteten Eichenstämme, die vor dem Rolltor liegen, sind Indiz dafür, dass hier der Eingang sein muss. Als Susanne Auslender das schwere Tor per Seilzug in die Höhe wuchtet, zieht das Gewicht sie von den Füßen.

Die 44-Jährige ist eine schmale, zarte Person mit langen blonden Haaren. Kaum vorstellbar, dass sie meterdicke Holzstämme mit einer schweren Kettensäge bearbeitet. Sie lacht. An die Reaktion ist sie gewöhnt. "Die Körperbelastung ist groß, aber das ist eine Frage von Willen und Muskelkraft", sagt sie.

Der Boden des Ateliers ist mit Holzspänen übersät. Großformatige Skulpturen stehen dicht an dicht. Der Raum ist gefüllt mit den Objekten, für die die Darmstädter Bildhauerin bekannt ist. Für ihre Holz gewordenen, nackten Menschen, die allein oder paarweise auftreten, sich lasziv auf dem Boden räkeln oder hohe Sockel krönen. Lebensfrohe, pralle Figuren, die vor Ausstrahlung strotzen. Wie ihre "Schattenboxer", zwei kahlköpfige gedrungene Gestalten mit roten Boxhandschuhen und Sportshorts, die Beine gebeugt, die Arme kampfeslustig gereckt. In Holz gefräste Vitalität.

Gefragt sind auch ihre Blumenobjekte. Aus einem groben Holzklotz schält sie mit ebenso grobem Werkzeug unglaublich filigrane Blüten heraus. Lilienköpfe, Rosen oder Narzissen erheben ihr Haupt mit zarten Konturen. Sie mag das Positive, Optimistische. Das entspreche ihrem Naturell, sagt sie. Sie will Schönes schaffen, "als Gegengewicht zur Realität".

Susanne Auslender arbeitet ohne Skizzen oder Modelle. Sie nimmt die Kettensäge und legt die Figuren aus dem Holz frei, die sie vor ihrem inneren Auge sieht. Sie arbeitet schnell, die Motorsäge ist ein Ventil für ihre Ungeduld. Ihre Arbeiten erzählen Geschichten, verweisen auf einen inneren Zustand. "Die größte Herausforderung ist, dass das Ergebnis dann auch so aussieht wie zuvor in meiner Fantasie."

Susanne Auslender arbeitet für Galerien, internationale Kunstmessen und Kommunen. Ihre Arbeiten zieren den öffentlichen Raum, etwa den Bansapark in Neu-Isenburg. Die 44-Jährige übernimmt auch Auftragsarbeiten. Für den Darmstädter Energiekonzern HSE hat sie den "Sonnenkollektor" entworfen, das fröhliche Männchen im roten Anzug, das in der Hand die Sonne hält. Als Bronzeplastik ist es der Preis für den jährlichen Naturpur-Award. Die nächste Verleihung ist übrigens am morgigen Freitag.

Die Mutter eines 16-jährigen Sohnes ist mit dem Bildhauer und TUD-Professor Ariel Auslender verheiratet. Beide haben an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert. Ihr Mann stammt aus Argentinien, sie hat als Teenager zwei Jahre in Südbrasilien gelebt und als Künstlerin später dort an einem Forschungsprojekt bei den Canela Indianern gearbeitet. Beide Bildhauer orientieren sich an der Figur, aber mit unterschiedlichen Materialien und Motiven. "Als Künstlerpaar hat man es schwer. Man steht immer im Vergleich zum Partner", sagt sie. Ein spannender Vergleich fand Darmstadts Galerist Claus Netuschil. Er hat das Paar erstmals zu einer gemeinsamen Ausstellung in seine Räumen geholt. Vernissage ist morgen Abend.

Paarweise, Susanne und Ariel Auslender, Galerie Netuschil, Schleiermacherstraße, 30. Januar (18 Uhr) bis 14.März.

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