1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Hohe Fluktuation

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Lara Feder

Kommentare

Der Chordirektor Johannes Köhler verlässt das Staatstheater nach nur sieben Wochen. Die hohe Fluktuation am Hause lasse auf die Situation hinter den Kulissen schließen, sagt ein Mitarbeiter. Intendant Karsten Wiegand sieht das Haus gut aufgestellt.

Chordirektor Johannes Köhler, der zur neuen Spielzeit, die Leitung des Opernchores des Staatstheaters übernommen hatte, hat nach wenigen Monaten um die sofortige Vertragsauflösung gebeten. Die Beweggründe dafür seien unklar, sagt die Operndirektorin Kirsten Uttendorf der FR auf Nachfrage. Das Theater habe seinem Wunsch aber Folge geleistet. „Wenn jemand hier nicht mehr arbeiten möchte, ist das schade.“ Die Stelle ist derzeit vakant.

Uttendorf sieht das Haus „gut aufgestellt“. „Die laufenden Produktionen sind gesichert, wir haben die Vakanz durch den Weggang von Johannes Köhler durch interne und externe Kapazitäten gefüllt.“ Durch ihre vorhandenen Kontakte in der Branche zeigt sie sich zuversichtlich „die Position schnell wieder zu besetzen“.

Die Situation löse „in Reihen des Chores Entsetzen aus“, sagt ein Mitarbeiter, dessen Name nicht genannt werden soll. „Die Leute kommen und gehen hier wie in einem Taubenschlag. Die hohe Fluktuation am Haus lässt auf die Situation hinter den Kulissen schließen.“ Er führt die Probleme auf den „am Hause etablierten Führungsstil“ zurück.

Auf Leitungsebene haben Sabine Kocinz, Künstlerische Betriebsdirektorin, und Jonas Zipf, Schauspieldirektor, das Staatstheater verlassen. Auch die Stelle der Operndirektion war fast zwei Jahre nicht besetzt, ehe Uttendorf zur neuen Spielzeit begonnen hat.

Ebenso im Mittelbau haben einige Mitarbeiter, die sehr lange am Staatstheater gearbeitet haben und unkündbare Verträge hatten, sich dazu entschieden, zu kündigen.

„Ich will nicht beschönigen, dass es unter meiner Leitung auch einmal mehr Wechsel gab, als für die Balance gut war“, sagt Intendant Karsten Wiegand. Für gute künstlerische Prozesse brauche es eine „gute Balance von Kontinuität und Wechsel, von Harmonie, Vertrauen, Konfliktfähigkeit und Reibung“. Gut aufgestellt sehen Wiegand und Uttendorf das Haus auch durch Daniel Cohen, der als Generalmusikdirektor (GMD) im Oktober kommt und damit Nachfolger des in diesem Sommer ausgeschiedenen Will Humburg wird. Nachdem eine erste Findungsrunde für die Position ergebnislos geblieben war, wollte das Theater die Spielzeit zunächst ohne GMD bestreiten.

Zudem kämpft das Haus mit zurückgehenden Besucherzahlen: In der vergangenen Spielzeit, der vierten unter Intendant Karsten Wiegand, kamen etwa 10 000 Besucher weniger als in der Spielzeit zuvor.

Auch interessant

Kommentare