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Hoffnungsträger im Dilemma

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Neuer Chef der Kreistagsfraktion: Manfred Pentz (CDU)
Neuer Chef der Kreistagsfraktion: Manfred Pentz (CDU) © Andreas Arnold

Der Eppertshäuser Bürgermeister Carsten Helfmann kann die Kreis-CDU nicht führen. Er will sich erst einmal um die Familie kümmern. Neuer Fraktionschef ist Manfred Pentz.

Die 22 neuen Kreistagsabgeordneten der CDU haben den Kreisvorsitzenden und Landtagsangeordneten Manfred Pentz (30) zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt. Dass nicht der Eppertshäuser Bürgermeister Carsten Helfmann das Amt übernahm, wie viele nach seinem Wahlerfolg vermutetet hatten, hat persönlich Gründe.

Helfmann ist einer der beliebtesten Bürgermeister im Kreis. Der erst 37 Jahre alte Politiker steht erstmals auf Platz eins der CDU-Kreistagsfraktion. Die Wähler holten ihn nach vorn, vorbei an Frontmann Pentz.

„Da stehe ich jetzt in einer Verantwortung“, sagt Helfmann. Das sehe auch die CDU-Kreisfraktion so, von der er am Wochenende gedrängt worden sei, die Führung zu übernehmen. Doch Helfmann lehnte mit Bedauern ab.

„Derzeit bin ich ja alleinerziehender Vater“, erläutert Helfmann. Die Ehe war nach vielen Jahren in die Brüche gegangen – auch wegen der vielen Arbeit. Der 17 Jahre alte Sohn blieb beim Vater. „Er braucht mich. Ich muss erst mein Privatleben neu ordnen. Aber auch dann will ich nicht mehr sieben Tage die Woche weg sein und die nächste Beziehung zerstören.“

Pflichten als Vater gehen vor

Als Fraktionsvorsitzender im Kreis hätte Helfmann noch mehr Termine als bisher. „Und ich stehe ja auch in Verantwortung zu den Wählern in Eppertshausen. Ich kann meine Arbeitsstelle ja nicht für den Kreis vernachlässigen.“

Hier das Bürgermeisteramt, dort das Kreisparlament und – perspektivisch – vielleicht eine Kandidatur zur Wahl des nächsten Landrats. Diese zwei Gleise führen Carsten Helfmann geradewegs in ein Dilemma. „Einerseits habe ich noch genügend Projekte für Eppertshausen. Andererseits kann ich mir auch mal was anderes vorstellen, will gerne innerhalb des Kreises Verantwortung übernehmen.“

Doch da kommt das nächste Problem. Sechs Monate vor der Landratswahl ist in Eppertshausen Bürgermeisterwahl: „Und ich kann ja schlecht sagen, dass ich wieder Bürgermeister werden möchte, und ein halbes Jahr später für den Landrat kandidieren.“

Verzichtet Helfmann jedoch auf eine weitere Bewerbung als Bürgermeister, stünde der Bankkaufmann nach möglicherweise verlorener Landratswahl ohne Job da. „Meine Arbeitszeit als Bürgermeister endet 2015. Ich müsste alles auf eine Karte setzen. Ich habe keine Kanzlei, die im Hintergrund weiterläuft, keine eigene Firma und bin auch kein Landtagsabgeordneter, der sein Mandat behält, auch wenn er die Landratswahl verliert.“

Und so steht nun der Eppertshäuser an der CDU-Spitze im Kreis: jung, erfolgreich – und ein wenig ratlos. ( tim/piz)

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