1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Hoffnung auf den Nerz im Koffer

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Andrang bei der Fundsachenversteigerung war groß.
Der Andrang bei der Fundsachenversteigerung war groß. © Claus Völker

Große Fundsachenversteigerung von Heag-Mobilo und Fraport in Eberstadt. Vom Regenschiurm über Schmuck bis zum Skateboard.

Große Fundsachenversteigerung von Heag-Mobilo und Fraport in Eberstadt. Vom Regenschiurm über Schmuck bis zum Skateboard.

Wer bietet mehr?“, klingt die Stimme der Auktionatorin Meike Nahli durch die Halle am Waldsportplatz in Eberstadt. Dutzende grüne Karten schnellen nach oben, der Preis steigt höher und höher, der angebotene Laptop scheint ein begehrtes Stück zu sein. Mit den Worten: „Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten – verkauft!“ wechselt er in weniger als einer Minute seinen Besitzer.

Ob es darum ging, die letzten Weihnachtsgeschenke zu besorgen oder schlicht einmal einen der berühmt-berüchtigten Koffer zu ergattern – bei der Fundsachenversteigerung von Heag-Mobilo und Fraport in Eberstadt wurde jeder fündig. Schon vor Beginn schätzte Nahli die Dauer der Auktion auf sechs bis sechseinhalb Stunden – ohne Pause. „Wir versteigern heute um die 700 Artikel“, erläutert Maren Wendt, die auf der Bühne, neben ihrer Schwester Meike, die Auktionsstücke auswählt. Ab und an wird stichprobenartig der Inhalt von Taschen oder Rucksäcken gezeigt. Berührungsängste, auch bei Gepäck mit Schmutzwäsche, habe sie dabei nicht.

Große Palette

Doch nicht nur Gepäckstücke kommen heute unter den Hammer. Die Palette in Vergessenheit geratener Sachen reicht von Regenschirmen über Golfausrüstungen, Kleidung, Schmuck, Likör und Hüten bis hin zu einem Skateboard. Besonders interessant scheint für viele Besucher die große Auswahl an Elektrogeräten zu sein, darunter Mobiltelefone, Kameras und Laptops.

Da ist es kein Wunder, dass die 600 Stühle in der Halle alle belegt sind. Besucher, die sich keinen Sitzplatz sichern konnten, stehen dicht gedrängt in den Gängen. „Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Das liegt wahrscheinlich an der guten Werbung“, vermutet Wendt. Das gleichnamige Aktionshaus in Darmstadt ist mittlerweile auch wegen der traditionellen Kofferversteigerung bei der Fernsehsendung „Stern TV“ bekannt.

Holger Schöntaube besucht seit 15 Jahren die Auktion, in seiner Studentenzeit in Darmstadt sei das oft ein lukratives Geschäft gewesen. „Einmal haben wir einen Koffer mit einem Nerzmantel ersteigert“, berichtet Schöntaube. Den habe er damals für 600 Mark weiterverkaufen können.

Für Kerstin Golla aus Nauheim ist der Inhalt ihrer drei ersteigerten Gepäckstücke nebensächlich. „Es hat hier Spaß gemacht, und selbst wenn nichts Brauchbares drin ist, der Koffer ist praktisch“, sagt Golla. Ihre Tochter ist noch optimistischer: „Da ist bestimmt ein iPhone drin.“

Private Daten werden gelöscht

Bevor das Reisegepäck samt Inhalt versteigert wird, wird es von Fraport überprüft. Beispielsweise Rauschgift oder Ähnliches wird entfernt. „Wir löschen auch die privaten Daten auf Computern und Handys“, sagt Wendt. Danach werden die Elektrogeräte wieder zurückgepackt.

Neben den Koffern sind auch die Heag-Überraschungskisten besonders beliebt. Extra dafür ist Gabriele Bremes aus Bammental bei Heidelberg heute hier. Ein Armband habe sie bereits ersteigern können, jetzt fehle nur noch die Kiste mit unbekanntem Inhalt. „Heute hat meine Tochter Geburtstag“, sagt sie lachend. „Sie hat sich eine Kiste oder einen Koffer gewünscht.“ Selbst wenn der Inhalt mal weniger wertvoll ist, das Geld ist gut angelegt. Der Erlös der verkauften Heag-Fundsachen dient auch in diesem Jahr wieder einem guten Zweck. eda

Auch interessant

Kommentare