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Hochzeit im Hospiz

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Das Paar ist seit 1994 bereits standesamtlich verheiratet.
Das Paar ist seit 1994 bereits standesamtlich verheiratet. © Völker

Die Darmstädterin Oda Pest gibt ihrem schwerkranken Mann in der Kirche das Jawort. Die Mitarbeiterinnen des Hospizes am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift gestalten ein Fest für das Paar.

Erst im Oktober wurde das stationäre Hospiz am Evangelischen Krankenhaus Elisabethenstift in Darmstadt eröffnet. Schwerstkranke verbringen hier ihre letzte Lebensphase. Die Mitarbeiter versuchen, die Tage der Bewohner so angenehm wie möglich zu gestalten. Sie erfüllen die ungewöhnlichsten Wünsche. Im November gab es etwa ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Aber nie hätten sie sich vorstellen können, dass sie im Hospiz auch einmal eine Hochzeitsfeier ausrichten würden. Jetzt haben sie die kirchliche Trauung von Oda und Heinz Helmut Pest betreut und begleitet.

Oda Pest (70) und ihr schwerkranker Mann Heinz Helmut Pest (80), der aus Ostpreußen stammt, sind seit 1994 bereits standesamtlich verheiratet – für beide war es die zweite Ehe. Aber die beiden kamen nie dazu, sich auch kirchlich trauen zu lassen.

„Wir hatten es aber die ganzen Jahre vor“, versichert die Ehefrau. Manchmal ging es ihrem herzkranken Mann dafür zu schlecht, wenn er wieder eine gute Phase hatte, „haben wir die Zeit zusammen genossen.“ Bereits am 1. Juli wurde der Schwerkranke aus der Klinik zum Sterben nach Hause entlassen, sein Krankenbett stand im Wohnzimmer. Aber die häusliche Pflege war für seine Frau kaum noch zu bewältigen. Als Ausweg kam schließlich nur noch das Hospiz in Frage. Am 28. Dezember ist Heinz Helmut Pest in die Einrichtung eingezogen, seine Frau weicht kaum von seinem Krankenbett.

Erinnerung an eine wundervolle Predigt

Oda Pest hatte in dieser Zeit einen ganz intensiven Traum, von dem sie ihrem Mann bewegt erzählte: Darin sah sie sich und ihn als Brautpaar in der Kirche. Auf ihre plastische Schilderung reagiert er mit der Frage: „Würdest du denn Wert auf eine kirchliche Trauung legen?“ Und sie sagte aus vollem Herzen: Ja.

Pfarrer Hans-Jürgen Steubing war zunächst verwundert, als das Ehepaar Pest sein Anliegen vortrug. Dann erklärte er sich aber gern bereit, die kirchliche Trauung zu übernehmen. Als Hochzeitsspruch wählte er Vers 1 von Kapitel 11 des Hebräerbriefs aus: „Es ist aber der Glaube eine gewisse Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, das man nicht sieht.“

Aber was wäre eine kirchliche Hochzeit ohne eine anschließende Feier? Die Mitarbeiterinnen des Hospizes sorgten für Torten und Blumenschmuck, damit der Tag einen festlichen Charakter bekam. Heinz Helmut Pest wurde im Rollstuhl in die ans Hospiz angrenzende Stiftskirche gefahren, in der die Trauung vollzogen wurde. Die Braut trug ein schlichtes Kostüm. Anschließend wurde mit den Töchtern gefeiert. Stets wird Oda Pest in Erinnerung behalten, wie wundervoll der Pfarrer gepredigt hat.

Alles in allem war es eine gute Entscheidung: „Mein Mann hat den Pfarrer so glücklich angelächelt“, freut sich die Braut. „Er ist richtig selig gewesen.“ Der Glanz dieses Tages wirkt bis heute bei den Eheleuten nach. (pyp.)

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