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Hochwasserschutz: Weschnitz bei Biblis bekommt neue Deichanlage

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Von: Claudia Kabel

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Die Weschnitz zwischen Biblis und Einhausen wird renaturiert.
Die Weschnitz zwischen Biblis und Einhausen wird renaturiert. © Gewässerverband Bergstraße

Es ist eines der größten Hochwasserschutzprojekte in Südhessen: Die Weschnitz zwischen Biblis und Einhausen wird renaturiert.

Zwischen Biblis und Einhausen (Kreis Bergstraße) ist eines der größten Deichsanierungsprojekte Südhessens geplant. Für 30 Millionen Euro soll die Weschnitz – ein Nebenfluss des Rheins – auf sechseinhalb Kilometer renaturiert und die Deichanlage erneuert werden. Entsprechende Pläne hat Landrat Christian Engelhardt (CDU) jetzt im Namen des Gewässerverbands Bergstraße beim zuständigen Regierungspräsidium (RP) Darmstadt eingereicht. Im Rahmen des Projekts, das das Land Hessen zu drei Viertel finanziert, sollen die kommunalen Rückstau-Deiche für ein 200-jährliches Hochwasser ertüchtigt und über weite Strecken zurück verlegt werden, teilte das RP mit. Damit halte der Deich künftig einem Durchfluss am Pegel bei Worms von 6000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde stand. Ein solches Hochwasser habe es in den vergangenen zweihundert Jahren an dieser Stelle zwar nicht gegeben, sagte RP-Sprecher Christoph Süß der FR. Seine statistische Wahrscheinlichkeit, einmal in 200 Jahre aufzutreten, ist aber das zwischen den benachbarten Bundesländern vereinbarte Schutzziel für Deichanlagen. Hessen hat seine Deiche an Rhein und Main in den vergangenen Jahrzehnten bereits mit einer dreistelligen Millionensumme ertüchtigt.

Hochwässer mit Dammbrüchen an Weschnitz und dem in der Nähe fließenden Winkelbach gab es in den Jahren 1882/83, 1922 und letztmals 1955, sie führten zu Überflutungen mit großen Schäden in den Riedgemeinden und der Landwirtschaft. Im Frühsommer 2013 schwoll die Weschnitz durch Starkregen zu einem reißenden Gewässer an, und es kam zu Überschwemmungen in Biblis und Wattenheim. Die Deiche konnten durch Sandsäcke gesichert werden.

Die Sanierung soll nicht nur den Hochwasserschutz an der Bergstraße sicherstellen, sondern auch dem begradigten Fluss durch die Verlegung der Deiche ins Hinterland mehr Platz für eine natürliche Entwicklung geben. In dem 130 Hektar großen Areal sollen Auen, Wälder und Stillgewässer sowie Flächen für die Landwirtschaft entstehen. Zur Gestaltung als Naherholungsgebiet sind laut RP zudem Wasserspielplätze und Aufenthaltsflächen geplant. Das Vorhaben sei aufgrund von Mängeln am vorhandenen Deich erforderlich. Ohne eine Sanierung wäre der Hochwasserschutz langfristig nicht mehr sichergestellt. „Wir müssen auf künftige Hochwasser-Ereignisse gut vorbereitet sein – am Main, am Rhein, aber auch an den zahlreichen kommunalen Gewässern mit ihren Deichsystemen“, sagte Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) bei einem Pressetermin im RP. Gleichzeitig wolle man den ökologischen Zustand von Gewässern wie der Weschnitz weiter verbessern.

Deichschutz

Im Einflussbereich des hessischen Oberrheins und Untermains leben circa 600 000 Menschen. Eine Überflutung durch extreme Hochwasser und das Versagen der Deiche können nicht völlig ausgeschlossen werden.

Um die Schutzfunktion der Deiche zu gewährleisten, führt das RP ein umfangreiches Sanierungsprogramm durch. Davon ist bereits ein großer Teil abgearbeitet. Jährlich stellt das Land dafür etwa zehn Millionen Euro bereit. Daneben fallen Betriebs- und Unterhaltungskosten der Deiche von 250 000 Euro pro Jahr an – ohne Personalkosten.

Zuständig ist das Dezernat Staatlicher Wasserbau des RP Darmstadt mit der zugehörigen Deichmeisterei in Biebesheim. Dort befindet sich eine Einsatzzentrale zur Koordinierung der Deichverteidigung im Hochwasserfall. cka

Landrat Engelhard zeigte sich erfreut, dass die Planung dieser wichtigen Hochwasserschutz-Maßnahme in die nächste Phase gehe. Dass die Ökosysteme des Gewässers verbessert würden, sei zudem ein „Gewinn für die Natur“.

Das RP Darmstadt hatte vor fünf Jahren ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt. Nach deren Abschluss und dem Einreichen der Unterlagen führt die Landesbehörde jetzt ein Planfeststellungsverfahren durch, das mehrere Monate dauern wird. Dabei werden die Unterlagen veröffentlicht und alle Betroffenen sowie die Öffentlichkeit noch einmal beteiligt.

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