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Historische Sitze

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Die hölzernen Klappstühle werden nicht ausgetauscht, sondern aufgearbeitet.
Die hölzernen Klappstühle werden nicht ausgetauscht, sondern aufgearbeitet. © Roman Grösser

Der Physikhörsaal der TU Darmstadt ist zum Denkmal erkärt worden. Derzeit läuft eine originalgetreue Sanierung des Gebäudes.

Darmstadt hat ein Denkmal mehr. Während 1994 schon 2300 Gebäude unter Schutz standen, sind es heute noch 150 weitere. Denkmalpfleger Nikolaus Heiss freut sich, dass durch seine Initiative nun auch der Physik-Hörsaal der Technischen Universität Darmstadt in der Hochschulstraße 6 ins Register des Landesamts für Denkmalpflege aufgenommen wurde. Auf der Webseite der Behörde fällt das Gebäude zurzeit besonders ins Auge: Als Denkmal des Monats ist der Hörsaal im August prominent platziert.

Weil eine Sanierung anstand, wurde die Denkmalpflege im Juli von der Bauabteilung der Technischen Universität (TU) Darmstadt zurate gezogen. Es stellte sich die Frage nach dem Wert des Gebäudes als Denkmal, der nun aus baugeschichtlicher, künstlerischer und technischer Sicht festgestellt wurde. Die Sanierung läuft seitdem in enger Absprache mit Heiss. 4,3?Millionen Euro werden für die Instandsetzung ausgegeben, 3,2?Millionen davon kommen aus dem Konjunkturpaket?II des Landes.

Herausragende Akustik

Das Gebäude wird energetisch saniert, das Dach erneuert. Außerdem kommen Brandschutz, Oberflächen, Medientechnik und Bestuhlung auf den neuesten Stand, sagt Edgar Dingeldein vom Baudezernat der TU, das die Arbeiten plant und betreut. Im Oktober 2011 soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Das auf den ersten Blick eher unauffällige Bauwerk wurde 1955 nach einem Entwurf von Günther Koch (1915-1986) unter der Regie des Staatlichen Hochschulbauamts errichtet. Sein Vorgänger war ein Hörsaalgebäude, das Friedrich Pützer 1904 geplant hatte. Dieser repräsentative, in den Herrngarten hineinragende Trakt verfügte sogar über ein Observatorium, wurde jedoch im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Der Eingang liegt heute etwas abseits der Hochschulstraße auf der Südseite. Er sticht nicht hervor – im Gegensatz zur Fassade. Die mit Basaltlava verkleidete Fläche besteht aus einzelnen Quadern, die unterschiedlich bearbeitet sind, erklärt Heiss: „Dadurch gewinnt die Fläche Lebendigkeit.“ Der Basaltstein sei ein verbindendes Element mit anderen historischen Institutsbauten der TU, die dieses Material oft im Sockel aufweisen.

Der Stahlbetonskelettbau ist Richtung Westen verglast, das Foyer entsprechend hell. Die Garderobe im Stil der 50er Jahre ist mit feinen Stahl-Doppelstützen vom Eingangsbereich optisch abgetrennt. Das „formenreiche und verspielte Foyer“, so Heiss, stehe in deutlichem Gegensatz zur kantigen und glatten Fassade.

Auffällig im Inneren ist die geschwungene Form, die sich durch alle Geschosse zieht und das Gebäude prägt. Der Hörsaal selbst erinnert an ein altes Kino. Nach dem Krieg sei er einer der ersten funktionierenden Konzertsäle mit einer hervorragenden Akustik gewesen, sagt Architekt Dingeldein.

Der Hörsaal mit dem klassisch ansteigenden Gestühl hat ebenfalls geschwungene Wände und Decken. 530 Studenten haben in dem fensterlosen Raum Platz. Verbaut wurden Blech, Putz, Kunststoff und Holz. Das Stäbchenparkett vor der Tafel wird bei der Sanierung ebenso aufgearbeitet wie auch die hölzernen Klappstühle und Tische. ( an)

Weitere Infos zum Hörsaal im Internet auf www.denkmalpflege-hessen.de.

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