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Historische Mauerreste gefunden

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Die historischen Mauerreste sollen zum Teil in den Neubau integriert werden.
Die historischen Mauerreste sollen zum Teil in den Neubau integriert werden. © Guido Schiek

Auf dem Gelände der früheren Stoeferlehalle sollen Büros sowie studentische Lernräume entstehen. Dass es mit dem Neubau noch nicht losgeht, hängt mit Mauerresten zusammen, die nun bei den Bauarbeiten freigelegt wurden.

Die Baugrube an der Alexanderstraße ist längst ausgehoben, dennoch haben die Bauarbeiten für den fünfstöckigen Neubau der Technischen Universität Darmstadt noch nicht begonnen. Auf dem Gelände der früheren Stoeferlehalle, die später als Veranstaltungsort für Konzerte, Lesungen und sonstige Kulturereignisse nach ihrer Größe „603 qm“ genannt wurde, sollen Büros sowie studentische Lernräume entstehen. Außerdem erhält der studentische Kulturbetrieb 603 qm Flächen im Erdgeschoss für ein Café und im Untergeschoss für Veranstaltungen.

Dass es mit dem Neubau noch nicht losgeht, hängt mit Mauerresten zusammen, die nun bei den Bauarbeiten freigelegt wurden. „Im Vergleich mit alten Stadtkarten dürften diese ein Rest des Alten Hoftheaters, noch früher Reithalle des landgräflichen Leibregiments und Anbauten zur Alexanderstraße sein“, vermutet Ortwin Gieseler. Dies habe er im Vergleich mit alten Stadtplänen von 1874 und 1759 herausgefunden. Der promovierte Bauingenieur hat an der früheren TH studiert, beschäftigt sich mit deren Baugeschichte und hat die Mauerreste kürzlich beim Blick in die Baugrube entdeckt.

Da sie sehr säuberlich freigelegt und rote Markierungslinien gesprüht waren, vermutete er, dass man sich seitens der Bauherrin und der Denkmalpflege darum kümmert. „So ist es auch“, bestätigt Edgar Dingeldein, Leiter der TU-Bauabteilung. Vor gut zwei Wochen habe man die Mauern entdeckt und sofort einen Termin mit Vertretern des städtischen Denkmalamts und der Landesdenkmalpflege angeregt. Bei der Begehung der Baustelle vor einer Woche habe sich herausgestellt, dass es sich wahrscheinlich um Mauerreste des Alten Hoftheaters und Teile eines unterirdischen Kanals (womöglich des Mühlgrabens) handelt. Die TU hat die Funde dokumentiert und vermessen lassen.

Zeitplan wird eingehalten

Einen Teil der Mauern wird man auf keinen Fall retten können, sagt Dingeldein. „Alles, was innerhalb der Gebäudegrenze des Neubaus gefunden wurde, werden wir nicht erhalten können.“ Grund dafür ist eine wasserdichte Bodenplatte, die wegen des Schichtenwassers durchgängig betoniert werden muss. „Die dichte Wanne darf in keinem Bereich unterbrochen werden“, erklärt Kay Wilisch vom Darmstädter Architekturbüro Lengfeld und Wilisch, das den Neubau des 603 qm plant. Deshalb könne man die Fundamentreste an dieser Stelle nicht retten; darüber sei das Landesamt für Denkmalpflege bereits informiert. Optimistischer äußerte sich der Architekt zu den Mauerresten, die im Norden und Nordosten gefunden wurden. Sie würden durch den von Lengfeld und Wilisch geplanten Tiefhof verlaufen und sind nach Ansicht des Architekten möglicherweise zu erhalten.

„Es wäre schön, wenn wir sie in den Innenhof integrieren und das Pflaster an der Stelle unterbrechen könnten“, sagt Wilisch. Eine geplante Zisterne und einige Leitungen könne man voraussichtlich an anderer Stelle bauen, beziehungsweise verlegen. „Wir versuchen auf jeden Fall, diesen Teil der Mauer zu retten.“

Nächste Woche wissen die Planer und Bauherren mehr. Dann wird mit dem ausführenden Bauunternehmen geklärt, wie die Fundamentreste integriert werden können. „Wir hoffen, dass es eine Lösung gibt, die technisch und finanziell zumutbar ist“, sagt Dingeldein. Zu einer Verzögerung des Baubeginns werde es wegen der gefunden Mauern aber nicht kommen, versichert er. Man sei im Plan und noch dabei, die Rohbauarbeiten zu vergeben. „Terminrelevant sind die Funde nicht.“ (an)

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