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Ursula Lemmertz leitet die Abteilung Beratung und Soziales beim Studierendenwerk Darmstadt.

Hochschulen in Darmstadt

Hilfe bei Stress, Konflikten oder Prüfungsangst

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Die Psychotherapeutische Beratungsstelle des Studierendenwerks Darmstadt besteht seit 50 Jahren.

„Ein Weg beginnt mit einem Schritt“ steht auf einem Plakat am Eingang der Psychotherapeutischen Beratungsstelle des Darmstädter Studierendenwerks, die sich im ersten Obergeschoss eines Bürogebäudes am Steubenplatz befindet. Die Einrichtung besteht in diesem Jahr seit 50 Jahren. Ein solches Beratungsangebot sei im Leistungsspektrum der Studenten- und Studierendenwerke in Deutschland allerdings „auch heute noch keine Selbstverständlichkeit“, sagt Ursula Lemmertz. Die 36-jährige Psychologin leitet seit fünf Jahren beim Darmstädter Studierendenwerk die Abteilung Beratung und Soziales. Von den bundesweit 58 Studierendenwerken betreiben 43 eine solche Beratungsstelle. Die Darmstädter Einrichtung zählt Lemmertz zufolge deutschlandweit inzwischen zu den ältesten Beratungsstellen.

Nach Einschätzung der Psychologin besteht inzwischen „eine größere Offenheit“, wenn es darum gehe, psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es sei in der Gesellschaft „leichter geworden, sich Unterstützung zu holen“. Es gebe aber auch Studierende mit Selbstoptimierungstendenzen. Für die sei die Beratungsstelle aber eher nicht gedacht. Viele Studierende sollten sich mehr Zeit für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit nehmen und etwa im Ausland studieren. Auch das Studium partout in der Regelstudienzeit absolvieren zu wollen, sei nicht immer ratsam.

Die sieben Therapeuten, die in der Beratungsstelle tätig sind, haben langjährige Erfahrungen in der Beratung studentischer Anliegen, Fragen und Konflikte. Oftmals, so Lemmertz, könne ein erstes Gespräch oder könnten wenige Termine bei drängenden aktuellen Schwierigkeiten bereits sehr entlastend für die Studierenden wirken.

Die Mitarbeiter der Beratungsstelle helfen und leisten Unterstützung bei Prüfungsängsten, Arbeits- oder Konzentrationsschwierigkeiten, der Studienwahl oder der Entscheidung, etwa ein Studium abzubrechen. Sie kümmern sich auch um depressive Verstimmungen und Ängste, unterstützen bei familiären Konflikten, Partnerschaftsproblemen oder bei sexuellen Themen, Kontaktschwierigkeiten oder Einsamkeit, bei mangelndem Selbstbewusstsein, innerer Unruhe und Entspannungsschwierigkeiten oder sonstigen psychischen oder körperlichen Beschwerden.

Neben den Beratungsgesprächen bietet die Einrichtung auch Gruppenangebote an. Lemmertz zufolge besteht schon seit mehreren Jahren eine „Diesseits“-Gruppe, die sich an Studierende richtet, die entweder Vater oder Mutter oder beiden Elternteile verloren haben. Weitere Gruppen widmen sich den Themen Achtsamkeit und Prüfungsangst, dem Aufschieben von Aufgaben und Arbeiten sowie sozialen Kompetenzen.

In Darmstadt war es ein Arbeitskreis aus Studentenpfarrern, wissenschaftlichen Assistenten und studentischen Mitgliedern, der 1967 anregte, eine psychotherapeutische Beratungsstelle zu gründen. Lemmertz zufolge war in den sechziger Jahren die Zahl der Studienabbrecher sehr hoch. Etwa 30 Prozent der eingeschriebenen Studierenden verließen die Hochschule ohne einen Abschluss. Untersuchungsergebnisse hätten zudem ergeben, dass die Hälfte der Studienabbrüche auf psychische Störungen zurückzuführen gewesen sei.

Im Mai 1968 nahm die Beratungsstelle ihren Dienst auf. Der in Darmstadt gegründete Arbeitskreis konnte den Psychotherapeuten Willi Baumann vom Frankfurter Sigmund-Freud-Institut gewinnen, um an zwei Nachmittagen in der Woche in Darmstadt tätig zu sein. Finanziert wird die Beratungsstelle nach wie vor über den studentischen Sozialbeitrag.

Nach den Worten Lemmertz’ werden von Januar an 220 Beratungsstunden pro Woche angeboten. Im vorigen Jahr ließen sich 582 Studierende beraten. Es gab mehr als 3400 Gespräche und 125 Studierende beteiligten sich an den Gruppenangeboten.

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