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Hilfe für jene, die Hilfe wollen

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Bei Überschuldung kann der Gang zur städtischen Schuldnerberatung sinnvoll sein.
Bei Überschuldung kann der Gang zur städtischen Schuldnerberatung sinnvoll sein. © André Hirtz

Ehrenamtliche der Schuldnerberatung müssen oft für Ordnung in Unterlagen sorgen.

Sie hätte sich niemals vorstellen können, wo sie drei Jahre später sein würde“: Das sagt Thomas Zipf von der städtischen Schuldnerberatung über eine Frau aus Darmstadt, deren Fall noch nicht abgeschlossen ist – aber auf einem guten Weg.

Vor nicht allzu langer Zeit war die Mutter von drei Kindern Ehefrau mit eigenem festen Einkommen gewesen – in gesicherten Verhältnissen, so schien es. Dann kam die Trennung von ihrem Mann, außerdem der Verlust des Arbeitsplatzes. Unterhaltszahlungen blieben aus. „Sie hat sich geschämt, Leistungen zu beantragen“, sagt Zipf. Zudem sollte nach außen die Fassade des gewohnten Standards aufrechterhalten werden. Das Konto war irgendwann heillos überzogen, die Bank behielt Geld ein. Plötzlich schien die Situation der Frau nahezu ausweglos.

Irgendwann fand die Darmstädterin den Weg zur städtischen Schuldnerberatung. Doch das Zeitbudget von deren Mitarbeitern hat Grenzen; eine intensive Beratung und Begleitung, wie sie oft nötig wäre, ist nicht zu leisten. Eine ehrenamtlich tätige Beraterin wurde hinzugezogen. „Die Ehrenamtliche hat viel geholfen“, sagt Zipf über den Fall der überschuldeten Mutter. Die Frau lernte, ihre Situation zu akzeptieren. Sie hat auch wieder eine Stelle gefunden, wenn auch zunächst befristet.

Mit einfachsten Aufgaben überfordert

Zipf will sich nun um eine praktikable Regelung mit den Gläubigern der Frau bemühen. Klappt das nicht, bleibt für sie der Weg der Privatinsolvenz. „Das ist ein langjähriges Verfahren, das vom Schuldner viel Disziplin verlangt“, weiß der Abteilungsleiter Schuldnerberatung und Wohnungssicherung. „Aber sie ist jetzt stabil genug.“

Beispiele wie dieses sind es, die den ehrenamtlichen Helfern in der Schuldnerberatung die Kraft geben, auch Frustrationen auszuhalten. Denn auch das erleben die Freiwilligen: Klienten, die mit scheinbar einfachsten Aufgaben überfordert sind, die den Kontakt abbrechen oder denen es völlig ausreicht, akute Notlagen gerade so zu überstehen, und die weitergehende Hilfsansätze abblocken. „Es gibt Menschen, die wollen da gar nicht raus“, sagt Zipf. „Die Berater müssen lernen, das zu akzeptieren.“

Von den 38 Interessenten, die Anfang 2014 an einer Informationsveranstaltung zum ehrenamtlichen Engagement in der Schuldnerberatung teilnahmen, sind aktuell noch 18 Personen als freiwillige Berater tätig. Die meisten seien Ruheständler, viele waren früher in kaufmännischen Berufen tätig oder hatten auf andere Weise mit Finanzen zu tun, erzählt Sarah Diedrichs, die das Projekt „Ehrenamtliche in der Schuldnerberatung“ koordiniert.

Die Arbeit der städtischen Berater solle durch die ehrenamtlichen Helfer „nicht ersetzt, sondern bereichert werden“, betont Sozialdezernentin Barbara Akdeniz. Zahlreiche Betroffene wüssten schlicht nicht, auf welche Leistungen sie Anspruch hätten. „Wir stoßen immer wieder auf Menschen, die gesetzliche Pflichtleistungen wie beispielsweise Kindergeld nicht erhalten“, bestätigt Zipf die Feststellung, „weil sie schon bei der Antragsstellung gescheitert sind“. (bad)

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