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Heulen auf Probe

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Was es bedeutet, wenn die Sirenen im Ernstfall heulen, wissen viele Bürger gar nicht.
Was es bedeutet, wenn die Sirenen im Ernstfall heulen, wissen viele Bürger gar nicht. © dpa

Es muss ja nicht immer gleich der Ernstfall sein: Im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist der Signalton „Warnung der Bevölkerung“ zu hören. Der Ton ist so selten zu hören, dass viele Bürger nicht wissen, wie sie sich dann verhalten sollen.

Es muss ja nicht immer gleich der Ernstfall sein: Im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist der Signalton „Warnung der Bevölkerung“ zu hören. Der Ton ist so selten zu hören, dass viele Bürger nicht wissen, wie sie sich dann verhalten sollen.

Es müssen nicht gleich die ganz großen Giftgas-Unfälle sein, wie im August dieses Jahres in Oestrich-Winkel, die den Signalton „Warnung der Bevölkerung“ auslösen. Aber im Ernstfall – etwa ein leckgeschlagener Tank, aus dem schädliche Dämpfe entweichen – muss von technischer Seite alles funktionieren. Deshalb heulen morgen um 10 Uhr die Sirenen in allen 23 Kommunen im gesamten Landkreis Darmstadt-Dieburg zur Probe.

Der langsam auf- und abschwellende Ton ist nur selten zu hören, deshalb könnten viele mit dem Signalton auch nichts anfangen, ist die Erfahrung von Kreisbrandinspektor Ralph Stühling. „Ob junge Leute wissen, was mit dem Warnton gemeint ist, ist fraglich“, sagt der Feuerwehrmann.

Damit die Bevölkerung möglichst schnell und ohne Umwege gewarnt werden kann, löst der Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises das Signal zentral von der Leitstelle in Dieburg aus. „Es ist wichtig, dass wir das ohne Umwege schaffen“, sagt Stühling. Ob Menschen, die den Warnton hören, dann tatsächlich wissen, was zu tun ist, stehe auf einem anderen Blatt.

Neue Systeme mit Durchsagen

Auch deshalb haben die Feuerwehren im Kreis in den vergangenen Jahren ihre Sirenenanlagen umgerüstet. Die neuen Sirenen bestehen aus mehreren Lautsprechern. „Eine solche haben wir zuletzt im Jahr 2010 angeschafft“, sagt etwa der Weiterstädter Stadtbrandinspektor Ralf Maurer. Der Vorteil der neuen Sirenen sei dabei nicht nur die höhere Reichweite des Heultons. „Mit den Lautsprechern können wir auch Durchsagen machen und so die Bevölkerung informieren, welche Gefahr genau vorliegt.“ Die Stadtteile Braunshardt und Gräfenhausen sind bereits mit dem neuen System, das sich von Dieburg aus zentral einschalten lässt, ausgestattet.

Einen Schritt weiter ist der Brand- und Katastrophenschutz in Griesheim. Dort sind zwei der alten Sirenen durch sogenannte Hochleistungssirenen ersetzt worden, berichtet der Griesheimer Stadtbrandinspektor Bert Hentzler. Die Sirenen sind auf dem Feuerwehrschlauchturm und auf dem Gebäude der Kindertagesstätte Draustraße installiert. Neben der höheren Reichweite haben die Hochleistungsgeräte einen weiteren Vorteil: „Selbst wenn es zu einem Stromausfall kommt, können die neuen Sirenen zirka zehn Mal über eine Batterie betrieben werden.“ Dennoch setzt Hentzler auch weiter auf den Einsatz der alten Sirenen. „Bei starkem Ostwind hört man die neuen Sirenen nicht überall.“ Neben den zwei neuen Systemen stehen deshalb in Griesheim auch immer noch drei der alten, motorbetriebenen Sirenen. „Wir setzen auf einen guten Mix von alten und neuen Systemen“, sagt Hentzler.

Die neue Technik hilft jedoch nur bedingt im Katastrophenfall, wenn die Bevölkerung nichts mit dem Alarmton anzufangen weiß. Kreisbrandinspektor Stühling appelliert daher, sich über den Sirenenton „Warnung der Bevölkerung“ zu informieren. (eda.)

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