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Entwickler Chris Seubold mit Antigen-Schnelltest: In 20 Minuten wissen, ob man infiziert ist.

Hessen

Lehrer sollen Corona-Selbsttest ausprobieren

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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In Darmstadt hat das Unternehmen R-Biopharm einen neuartiger Corona-Schnelltest entwickelt. Jetzt wird er in einer hessenweiten Schulstudie erstmals verwendet.

Er funktioniert ein bisschen wie ein Schwangerschaftstest: Der neue Sars-Cov-2-Antigen-Schnelltest des Darmstädter Unternehmens R-Biopharm ist deutschlandweit der erste Test, den auch Laien an sich selbst durchführen können. Denn zur Auswertung wird die Probe, die man selbst in der Nase oder im Rachen genommen hat, nur in ein Reagenzglas mit einer chemischen Flüssigkeit gestellt. Wenn nach zehn Minuten zwei Linien auf dem Kontrollstreifen erscheinen, ist man positiv. Bleibt es bei einer, ist man negativ. Insgesamt dauert der Test nur 20 Minuten, wie Christian Dreher, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, am Montag bei einem Besuch von Sozialminister Kai Klose (Grüne) und der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek in Darmstadt sagte. Geplant sei, den Test im Oktober auf den Markt zu bringen.

Der erste Praxistest findet unter 1000 hessischen Lehrerinnen und Lehrern im Rahmen der „Safe-School“-Studie statt, die jetzt beginnt. Freiwillige sind aufgerufen, sich beim hessischen Kultusministerium, das die Studie in Auftrag gegeben hat und finanziert, zu melden. Der Test sei bereits vom Berliner Virologen Christian Drosten geprüft und für gut befunden worden, sagte Sandra Ciesek, die das Virologische Institut der Universitätsklinik Frankfurt leitet. Bei der Schulstudie gehe es darum, wie man Tests vereinfachen könne und wie Laien damit zurechtkämen. Über einen Zeitraum von acht Wochen erhalte jeder Lehrer ein Testkit mit 30 Tests. Jeden zweiten Tag sollen sich die Pädagogen dann selbst testen.

Firma und Studien

Das Familienunternehmen R-Biopharm mit Sitz in Darmstadt wurde 1988 gegründet und entwickelt Produkte und Tests im klinischen Bereich und im Nahrungsmittelbereich. Es ist weltweit in 120 Ländern vertreten und beschäftigt 1000 Mitarbeiter.

Der „Safe-School“-Studie geht die „Safe-Kids“-Studie voraus, die seit Juni Daten zum Auftreten von Covid-19 in hessischen Kitas erhebt. Ziel ist, mehr über die Beteiligung kleiner Kinder an der Infektionsausbreitung zu erfahren. Die Ergebnisse stehen noch aus.

Abgesehen davon, dass man für die Auswertung keine Geräte und Labore mehr braucht, schließe der neue Test eine Lücke zwischen bisherigen Testverfahren. Man könne nicht nur sehr schnell erkennen, ob jemand infiziert sei, sondern auch, ob derjenige noch infektiös sei, so Ciesek. Deshalb sei der Test auch für Gesundheitsämter und Ärzte sehr sinnvoll. Um ihn irgendwann flächendeckend in der Bevölkerung einzusetzen, müssten allerdings zuerst Gesetze und Verordnungen geändert werden, die vorgeben, dass nur Fachpersonal solche Testungen durchführen darf. Die Studie stelle hierbei eine Ausnahme dar.

Unabhängig von Asien

Einen weiteren Vorteil sieht die Chefvirologin darin, dass man sich unabhängig vom asiatischen Markt mache, wenn man den Test des Darmstädter Unternehmens verwende. R-Biopharm gehört weltweit zu den ersten Unternehmen, die eine Covid-19-Testung ermöglicht haben. Die Studie soll zudem klären, inwiefern Antigen-Schnelltests künftig die bislang überwiegend verwendeten PCR-Tests ergänzen können. Diese Verfahren erkennen genetisches Material des Virus. Der neue Antigentest reagiert dagegen auf Eiweißbausteine des Erregers. „Wichtige Ergebnisse für die Entwicklung zuverlässiger Testverfahren und Teststrategien“, erhofft sich Minister Klose von der Studie. Wichtig sei auch, etwas über die Bereitschaft der Menschen zu erfahren, sich selbst zu testen.

Kultusminister Alexander Lorz (CDU) ließ per Mitteilung wissen, man nutze „alle Möglichkeiten, den Schulbetrieb in der Corona-Zeit sicher und zuverlässig zu gestalten“. Mit den Selbsttests verbinde man die Hoffnung, Infektionen frühzeitig erkennen und weitere Ausbreitungen verhindern zu können.

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