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Hessen: Ernte läuft dieses Jahr drei Wochen früher

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Von: Claudia Kabel

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In Südhessen hat bereits die Winterweizenernte begonnen.
In Südhessen hat bereits die Winterweizenernte begonnen. © Renate Hoyer

Die hessische Landwirtschaft erwartet unterdurchschnittliche Erträge beim Weizen. Sorgen bereitet nicht nur der Wassermangel. 

Der Ukrainekrieg, die Trockenheit, zeitweise hohe Temperaturen und Unsicherheiten in Bezug auf künftige politische Vorgaben machen das Leben von Hessens Landwirtinnen und Landwirten schwer.

Gerade läuft die Ernte des Winterweizens – drei Wochen früher als sonst, sagt Karsten Schmal, Präsident des Hessischen Bauernverbands am Dienstag im südhessischen Reinheim auf der ersten Ernte-Pressekonferenz des Jahres. Es sei der drittsonnigste Frühling seit 1951 gewesen. Und aufgrund des mangelnden Regens und der zeitweisen Hitze seien die Weizenkörner kleiner und leicht verschrumpelt ausgefallen, sagt Vizevorsitzender Axel Strauss.

Bauernpräsident: Wird keine Katastrophenernte

Laut Schmal wird es zwar „keine Katastrophenernte werden, aber vielleicht eine unterdurchschnittliche“. Der Winterweizen ist mit einer Anbaufläche von 143 000 Hektar die wichtigste Getreidesorte in Hessen.

Die Trockenheit sorgt für geschrumpfte Körner. Frank Rumpenhorst/dpa
Die Trockenheit sorgt für geschrumpfte Körner. Frank Rumpenhorst/dpa © Frank Rumpenhorst/dpa

Sehr früh wurde auch schon die Wintergerste (63 000 Hektar) geerntet. Mit dem Ertrag ist man zufrieden, auf guten Böden sei er überdurchschnittlich gewesen, so Schmal. Die Pflanzen seien gut im Frühjahr angegangen, das noch einigermaßen feucht gewesen sei. Auch beim Raps sehe es ordentlich aus. Vermutlich werde im Herbst mehr ausgesät, da der Bedarf an Speiseöl steige.

Dagegen leidet die Heuernte und Landwirt:innen wissen nicht, wie sie ihr Vieh satt bekommen sollen, denn die dritte Mahd wird ausfallen und diejenigen, die die neuen Umweltmaßnahmen einhielten und erst nach dem 1. Juli mähten, könnten mit dem „racken“ Heu gerade mal Pferde füttern, sagt Biolandwirt Hans Trumpfheller. „Schon jetzt sind die Hänge im Odenwald braun gebrannt.“ Das bedeute, Futter müsse hinzugekauft werden, doch es sei durch den Ukrainekrieg teurer geworden. Immer mehr Milchbetriebe machten deshalb zu. Dadurch fehlten aber langfristig die Mastrinder.

Erträge in Hessen

Wintergerste: Anbau auf 63 000 Hektar, geschätzter Ertrag 65 bis 90 Doppelzentner

Sommergerste auf 15 000 Hektar, Ertrag 50 bis 55 Doppelzentner erwartet

Winterweizen auf 143 000 Hektar, 70 bis 78 Doppelzentner erwartet

Winterraps auf 49 000 Hektar, 40 Doppelzentner erwartet. cka

Tierhaltung macht größte Sorgen

Insgesamt macht die Tierhaltung am meisten Sorge und immer mehr Viehbetriebe – vor allem aus der Schweinezucht – machten zu, sagt Schmal. Auch wegen der Unsicherheit künftig vorgeschriebener Haltungsformen. Dafür werde dann Fleisch aus dem Ausland importiert. Problematisch ist auch das Thema Düngung: Einerseits dürfe weniger gedüngt werden, was zu niedrigeren Erträgen führe. Anderseits wisse man nicht, ob im nächsten Jahr Dünger noch erschwinglich sei, denn er komme zu 30 Prozent aus Russland und für seine Herstellung werde Erdgas benötigt. Auch die Zuckerrüben böten ein weiteres Problem, ob sie noch wachsen würden, sei nicht absehbar, sagt Schmal. Schlimm steht es ebenfalls um den Mais: „Wenn es die nächsten Wochen nicht regnet, bekommen wir eine Missernte“, befürchtet Strauss. Der Mais fehle bei der Fütterung der Hühner, was sich wiederum auf die Eierpreise niederschlagen werde.

Dass die Verbraucher:innen vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs mehr aufs Geld schauten, schlage sich indes in der Nachfrage nach hochpreisigeren Ökoprodukten nieder, sagt Schmal. „Der Trend zu mehr Öko stockt.“

Landwirtschaft muss sich anpassen

Derweil denken Landwirt:innen vor dem Hintergrund des Klimawandels darüber nach, auf Sorten umzustellen, die weniger Wasser brauchen, Fruchtfolgen umzubauen und den Boden anders zu bearbeiten, damit er mehr Wasser speichert. Umweltschutz, Tierwohl und Artenschutz müssten voran gebracht werden, sagt Schmal. Aber „die Politik muss Entscheidungen treffen, die praktisch auch umsetzbar sind“.

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